Erstaufnahme in Freimann wieder voll

Ansturm auf die Bayern-Kaserne

+
Flüchtlinge in Stockbetten: Derzeit kommen viele Menschen.

München - So viele Flüchtlinge sind in München seit Jahrzehnten nicht mehr angekommen! Die Bayernkaserne in Freimann droht zu platzen – denn kaum jemand rechnet mit sinkenden Flüchtlingszahlen in den kommenden Wochen.

In der Regel kommen in der Landeshauptstadt zwischen 100 und 200 Flüchtlinge pro Tag an – laut Regierung von Oberbayern waren es von Mittwoch auf Donnerstag insgesamt 421. Und auch bis Freitag Früh kamen weitere 362 Menschen, die in Deutschland Schutz suchen. „Insgesamt sind derzeit 1632 Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung“, sagt Ines Schantz, Sprecherin der Regierung von Oberbayern, zur tz. Und fügt hinzu: „200 halten sich noch im Wartebereich auf.“

Die Bayernkaserne in Freimann droht zu platzen – denn kaum jemand rechnet mit sinkenden Flüchtlingszahlen in den kommenden Wochen. „Es ist sehr unruhig und es kommen weiter sehr viele Asylbewerber dazu. Wir sind hier sehr am Anschlag der Arbeitsbelastung“, klagt Florian Schlämmer von der Regierung von Oberbayern im BR. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe zudem gezeigt, dass im Herbst die meisten Flüchtlinge nach Deutschland drängen. Eine Entspannung der Situation ist also vorerst nicht in Sicht.

Die Bayernkaserne war erst vor einer Woche überhaupt wieder geöffnet worden. Bis zum 12. September war die Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaats wegen eines Masern-Ausbruchs geschlossen gewesen. In der Zeit hatten keine Asylbewerber mehr angenommen werden können, außerdem durften keine in andere Einrichtungen verlegt werden. Nachdem die Bayernkaserne wieder geöffnet wurde, sind die 1800 Flüchtlinge, die dort drei Wochen festsaßen, auf andere Unterkünfte im Bund und im Freistaat verteilt worden. Doch innerhalb einer Woche hat sich die Bayernkaserne wieder gefüllt. Florian Schlämmer bezeichnet die aktuelle Situation im BR als „Ausnahmezustand“.

Für eine Entlastung soll jetzt die Funkkaserne am Frankfurter Ring sorgen. „Die Funkkaserne wurde während des Masern-Stopps als Notquartier für neu ankommende Flüchtlinge eingerichtet“, erklärt Schanz. Aus der Notmaßnahme ist jetzt eine dauerhafte Einrichtung geworden. Schantz: „Die Funkkaserne wird jetzt als Dependance der Aufnahmeeinrichtung genutzt und soll die Bayernkaserne entlasten.“

Doch es hilft nichts, der Ansturm ist derzeit so groß, dass die Flüchtlinge in der Bayernkaserne nicht alle in Zimmern untergebracht werden können. Viele verbringen ihre ersten Nächte in Deutschland in der Halle 36 der Erstaufnahme-Einrichtung. Dort schlafen die Asylsuchenden in einem großen Raum, in provisorisch aufgestellten Stockbetten. Von Privatsphäre keine Spur, hier bekommt jeder alles vom anderen mit. Doch weil der Ansturm so groß ist, werden hier auch weiter viele Flüchtlinge ihre ersten Tage in Deutschland verbringen. Bis weitere Einrichtungen geöffnet werden, die die zentrale Erstaufnahme-Einrichtung in der Bayernkaserne entlasten können.

FFB: Asyl-Unterkunft im Fliegerhorst

Jetzt bekommt auch Fürstenfeldbruck eine Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge. Sie sollen in den leer stehenden Gebäuden der Kaserne des Fliegerhorsts unterkommen. Für bis zu 600 Menschen soll hier Platz sein. Ines Schantz von der Regierung von Oberbayern hofft, dass die Außenstelle der Bayernkaserne die Situation in München-Freimann ein wenig entspannen kann.

Die Bundeswehr hatte vor einigen Wochen auf Bitten des Landratsamtes einige Gebäude des Fliegerhorstes für die Aufnahme von Flüchtlingen angeboten. Offenbar war erwogen worden, eine Gemeinschaftsunterkunft für einen längeren Aufenthalt von Asylbewerbern zu schaffen. Da die Erstaufnahmeeinrichtung in München aber total überfüllt ist, entschied sich die Regierung von Oberbayern für eine Dependance.

2019 gibt die Bundeswehr das Areal komplett auf. Früher wurden dort Piloten ausgebildet, jetzt ist es noch Offiziersschule der Luftwaffe.

Mk

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Ex-Ski-Star schwer gestürzt: „Ich hatte einen großen Schutzengel“
Ex-Ski-Star schwer gestürzt: „Ich hatte einen großen Schutzengel“
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt

Kommentare