Am Ammersee

Anwalt missbraucht Kinder im Segelclub

Utting - Der Rechtsanwalt engagierte sich ehrenamtlich als Jugendwart in einem Segelclub. Doch das war nur ein Vorwand. In Wahrheit nutzte er seine Stellung schamlos aus – für sexuelle Übergriffe auf Kinder.

Er war der Kumpel, der jeden Quatsch mitmachte. Der väterliche Freund, mit dem man über alles reden konnte. Der spendable Gönner, der zu Ausflügen ins Deutsche Museum und zu den Spielen des FC Augsburg einlud. Doch den guten Draht, den er zu drei Buben hatte, missbrauchte ein am Ammersee-Westufer lebender Rechtsanwalt für sexuelle Übergriffe. Deswegen steht der 61-Jährige jetzt vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Augsburg. Die Opfer waren Freunde seiner Söhne. Oder Buben, die er als Jugendwart in einem Uttinger Segelclub kennenlernte.

Bei Bootstouren auf dem Ammersee verführte er Jugendliche zu Trinkspielen und missbrauchte später einen betrunkenen 15-Jährigen. Das Opfer leidet an einem Herzfehler und darf keinen Alkohol trinken, was der Angeklagte gewusst haben soll. Bei sich daheim nutzte er Computerspiele als Vorwand, um einen neunjährigen Buben auf seinen Schoß zu setzen und an intimen Stellen zu berühren.

Mit einem Elfjährigen aus Kaufbeuren, der häufig übers Wochenende zu Besuch kam, schlief der Angeklagte im Doppelbett. Zu Missbrauchshandlungen kam es, wenn der Bub im Tiefschlaf lag. Unter anderem machte der Anwalt intime Fotos von dem Kind.

Obwohl der Bub vieles scheinbar nicht mitbekam, war ihm offenbar mulmig. Er versuchte sich zu schützen, indem er nachts seine Jeans anbehielt und sich in die Bettdecke einwickelte. Heimlich installierte der Angeklagte Webcams im Bad, um die Buben beim Duschen und Umziehen zu filmen. Auch im Zimmer seines Sohnes versteckte er eine Kamera. „Wie kommt man auf sowas?“, will Staatsanwältin Maiko Hartmann wissen. „Das ist meine Foto-Manie“, so der Angeklagte.

Auf seinem Computer wurden mehr als 3000 kinderpornographische Bilder aus dem Internet gefunden. Er selbst habe aber keine Fotos auf Tauschbörsen eingestellt, beteuerte der 61-Jährige auf die Frage des Vorsitzenden Richters Lenart Hoesch. „Von den Aufnahmen, die ich gemacht habe, ist kein Pixel an Dritte gelangt.“

Lange vertraute sich keines der Opfer jemandem an. Sie mochten den Angeklagten, für einen der Buben soll er gar ein Vaterersatz gewesen sein. Als einer dann doch sein Schweigen brach, fielen seine Eltern aus allen Wolken. Sie waren mit dem Anwalt befreundet, hatten schon gemeinsam Urlaub gemacht. Die Polizei durchsuchte sein Wohnhaus und die Augsburger Kanzlei und machte die anderen Opfer ausfindig. Seit sieben Monaten sitzt der Angeklagte nun in Untersuchungshaft. „Die schlimmste Zeit meines Lebens“, wie er in seinem Geständnis sagte. Seine pädophilen Neigungen will er erst mit über 50 wahrgenommen haben. Der Prozess dauert an.

Ulrike Osman

Rubriklistenbild: © dpa

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