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Von Archäologen ausgegraben: Die erste Bayern-Prinzessin trug Gold und Edelsteine

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Von: Johannes Welte

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Das Skelett mit seinen reichhaltigen Grabbeilagen beweist, dass es ich bei der Bestatteten um eine hochgestellte Person gehandelt haben muss.
Am Hals trug die bestattete Frau wertvollen Goldschmuck und kunstvoll gestaltete Glasperlen © Landratsamt Passau

Es ist eine archäologische Sensation, die Licht in die noch relativ unerforschte Zeit zwischen Antike und Mittelalter bringt: In einem Neubaugebiet des Kurortes Bad Füssing (Landkreis Passau) haben Archäologen das Skelett einer bajuwarischen Prinzessin ausgegraben, das sich durch außerordentlich luxuriösen Schmuck auszeichnet.

Was passierte in Bayern nach dem Abzug der Römer um 488 n. Chr.? Es ist die Zeit, in der sich zwischen Böhmerwald und Alpen der neue Stamm der Bajuwaren bildete – eine dunkle Zeit, aus der wir wenig wissen. Umso spektakulärer ist der Fund eines luxuriös ausgestatteten Frauengrabes bei Passau aus jener Zeit–es muss die Tochter eines der ersten Herzöge der Bajuwaren gewesen sein! Die Grabungen für ein neues Baugebiet im Bad Füssinger Ortsteil Würding waren es, die ein neues Fenster in die Vergangenheit öffneten: Dort gruben Archäologen ein Gräberfeld aus der Zeit um 500 aus. Man fand eine Keramikschale, wie man sie bereits in Altenerding oder München-Aubing gefunden hatte. Sie ahmt in ihrer Form noch spätantike, römische Vorbilder nach, verziert ist sie allerdings schon in einem germanischen Stil.

Die große Sensation ist aber der Fund des Grabes einer jungen Frau (18-25 Jahre) mit erlesenem Schmuck: Ein Goldcollier neben einer reichen Kette aus Glasperlen, eine Bergkristallkugel an einem Gürtelgehänge, die als Trachtbestandteil unverheirateter Frauen gedeutet wird. Außerdem trug die Frau Scheibenfibeln aus Almandin – eine Art Granat.

Das Skelett der Bajuwaren-Prinzessin lag in einem Gräberfeld im Bereich eines Neubaugebietes
Landrat Raimund Kneidinger (links) und Kreisarchäologe Alois Spieleder an der Fundstelle des Skeletts, unmittelbar nach dessen Freilegung. © Landratsamt Passau

Der Passauer Kreisarchäologe Alois Spieleder ordnet die Tote dem ortsansässigen Adel der damaligen Zeit zu, er spricht von einer „Prinzessin“, der Fund sei einer der „spektakulärsten der letzten Jahrzehnte“. Die Trachtbestandteile seien eindeutig einem höheren gesellschaftlichen Status zuzuordnen, sie ließen auf eine Beziehung zum damaligen Herzogshaus der Bajuwaren in Regensburg schließen.

Die Fürstenfamilie der Agilolfinger hatte sich dort im verlassenen Legionslager der Römer einquartiert, auch im nahen Passau gab es eine Herzogsburg. Für Dr. Ralph Hempelmann vom Landesamt für Denkmalpflege ist es ein „sehr seltener Fund“. Ihn beeindruckt laut Passauer Neue Presse vor allem „der Nachweis der Siedlungskontinuität vom Römischen Reich bis zum frühen Mittelalter“ am unteren Inn bei Passau.

Woher kamen die Bajuwaren? Bis heute ist dieses Rätsel noch nicht gelöst. Sie siedelten in dem von den Römern um 488 nach der Völkerwanderung verlassenen Alpenvorland zwischen Lech und Enns sowie den östlichen Alpen. Meist wird angenommen, dass ihr Name von den keltischen Boiern stammt, die in Böhmen siedelten und sich dort mit Germanen vermischten – bevor sie nach Süden wanderten und dort wiederum sich mit Resten der römischen Bevölkerung mischten. In Kirchheim bei München zeigt ein wiederaufgebautes Bajuwarendorf, wie die Urbayern lebten, manchmal gibt es dort auch die historische Tracht zu sehen.  

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