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Fall Hanna: Soko-Chef in ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ – Über 40 Hinweise eingegangen

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Von: Michael Weiser, Katrin Woitsch

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Auch einen Monat, nachdem die 23-jährige Hanna tot in der Prien gefunden wurde, hat die Polizei noch keine heiße Spur. Die Ermittler setzen nun große Hoffnungen in die Sendung „Aktenzeichen XY“. Dort berichtete der Soko-Chef gestern Abend über eine Holz-Uhr, die einen neuen Ermittlungsansatz liefern könnte.

Aschau – Die Kripo will keine Zeit verlieren. Es hätte Monate gedauert, einen Filmbeitrag für die Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ zu drehen. Bis dahin könnten die Erinnerungen oder Beobachtungen potenzieller Zeugen verblassen, fürchtet Soko-Chef Hans-Peter Butz. Deshalb kam er am Mittwochabend persönlich ins ZDF-Studio, um die Zuschauer zu informieren, wo die Ermittler im Fall Hanna gerade stehen. Vor allem aber hoffen er und sein Team auf Hinweise, die die Ermittlungen weiterbringen.

ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“: Ermittler hoffen auf Zeugen und präsentieren wichtiges Fundstück

Inzwischen ist schon ein Monat vergangen, seit die 23-jährige Medizin-Studentin nach einem Besuch in der Aschauer Disko „Eiskeller“ tot in der Prien gefunden wurde. Sicher ist, dass sie Opfer schwerer körperlicher Gewalt geworden ist, sagte Butz in der Sendung. Eine heiße Spur hat die Kriminalpolizei noch nicht.

Große Hoffnungen setzen die Ermittler nun in eine Holz-Armbanduhr, die am Kampenwandparkplatz im Bärbach gefunden wurde – nahe der Stelle, wo auch Hannas Ring entdeckt worden war. Der Wasserstand war in der Tatnacht hoch, die Polizei geht davon aus, dass Hannas Leiche von dort in die Prien gespült wurde. Das Armband der Uhr – ebenfalls aus Holz – ist gerissen, berichtete Butz gestern. „Das könnte bei einem Kampfgeschehen passiert sein“, erklärt er. Es handle sich um eine Uhr der Marke Holzkern, Model „Charlie“, sagte Butz. „Die Uhr ist seit Oktober 2019 auf dem Markt.“ Auf dem Ziffernblatt sind römische Zahlen zu sehen. „Es ist kein alltägliches Modell“, betont der Soko-Chef. Die Uhr könnte eine Spur zum Täter sein.

Die in einem Bach gefundene Uhr nahe dem Parkplatz der Kampenwandseilbahn. Die Polizei bittet um Hinweise zu dem Beweisstück.
Die in einem Bach gefundene Uhr nahe dem Parkplatz der Kampenwandseilbahn. Die Polizei bittet um Hinweise zu dem Beweisstück. © PP Oberbayern Süd / Merkur-Collage

Denkbar sei, dass Hanna den Täter im „Eiskeller“ kennenlernte oder bereits kannte. Genauso gut könnte sie aber ein Zufallsopfer geworden sein, als sie von der Disco zu ihrem Elternhaus lief. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sie den „Eiskeller“ in der Nacht auf Montag, 3. Oktober, gegen 2.30 Uhr allein verlassen. Das zeigen die Bilder einer Überwachungskamera. Das Haus ihrer Eltern liegt in fußläufiger Entfernung, sagt Butz. Womöglich war sie dem Täter im Bereich des Kampenwandparkplatzes begegnet. Dort in der Nähe war ihr Ring gefunden worden.

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Mehr als 40 Hinweise gingen am Ende der Sendung ein

Es ist ein Fall, in dem die Hilfe der Öffentlichkeit stärker denn je gebraucht wird. Oft seien es die kleinen, unauffälligen Beobachtungen, die die Ermittler auf eine Spur bringen könnten, betont Butz. Schon mehrmals hatten sich die Ermittler an die Bürger gewandt, mehr als 200 Zeugen wurden bereits vernommen. Aber hunderte Gäste, die an dem Tatabend in dem Aschauer Club waren, noch nicht. 600 bis 800 Menschen hatten sich an diesem Abend in der Disco aufgehalten. Sie sind schwer ausfindig zu machen – könnten aber wichtig für die Ermittlungen sein. Eine so große Zahl von potenziellen Zeugen ist außergewöhnlich. Das Material der Überwachungskameras umfasst mehr als 500 Gigabyte. Das zu sichten, ist eine Mammutaufgabe. Butz bat in der Sendung alle, die am 3. Oktober zwischen 2 und 3 Uhr nachts in Hohenaschau unterwegs waren, sich bei der Polizei zu melden. Jede Beobachtung könnte wichtig sein.

In Aschau beschäftigt der Fall nach wie vor viele Menschen. Die Stimmung sei gedrückt, berichtet Bürgermeister Simon Frank. „Das Thema Hanna schwingt in nahezu allen Lebensbereichen im Priental mit.“ Es sei schwer, wieder in den Alltag überzugehen. „Die Hoffnung, dass die Sache umfassend aufgeklärt wird, ist groß“, sagt Frank. Das würde auch die Unsicherheit lindern, die viele Bürger spüren, weil der Täter noch nicht gefasst ist. In Aschau haben viele Menschen die Sendung am Mittwochabend verfolgt. Auch Frank saß vor dem Fernseher. „Wir alle hoffen, dass ein wichtiger Hinweis eingeht.“

Schon am Ende der Sendung konnte Moderator Rudi Cerne berichten, dass die Zuschauerresonanz im Fall Hanna groß gewesen sei. Mehr als 40 Hinweise sind im Laufe des gestrigen Abends zu der Holz-Armbanduhr eingegangen und werden nun ausgewertet.

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