Umzug nach heftigen Auseinandersetzungen

Asylunterkunft in Mainstockheim geräumt

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Polizisten geleiten Asylbewerber aus der Asylbewerberunterkunft in Mainstockheim. Mittlerweile ist das Haus komplett geräumt.

Mainstockheim - Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerbern und Anwohnern haben die Behörden die Flüchtlingsunterkunft im unterfränkischen Mainstockheim geräumt.

„Der Umzug der Bewohner ist komplett abgeschlossen“, sagte ein Sprecher der Regierung von Unterfranken am Dienstag. Die Asylbewerber seien sowohl einzeln als auch in kleinen Gruppen auf verschiedene Flüchtlingsheime in ganz Unterfranken verteilt worden. Der ehemalige Gasthof soll nun renoviert werden. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von „wiederholten Fällen von Randale“.

Die Konflikte zwischen mehreren Asylbewerbern aus dem Kosovo und Albanien und den Anwohnern waren am Wochenende eskaliert, als sich zeitweilig etwa 300 Menschen vor dem Gebäude versammelt hatten. Auslöser waren nach Herrmanns Worten Streitereien zwischen den Albanern und einer Gruppe von Deutschtürken. Ein Anwohner sei durch den Messerstich eines Albaners verletzt worden. „Ein ausländerfeindlicher oder rechtsradikaler Hintergrund ist überhaupt nicht ersichtlich“, sagte der Innenminister.

Wenn Plätze knapp werden, soll Gasthaus wieder belegt werden  

Wie lange die Unterkunft leer stehen wird, steht nach Angaben eine Sprecherin des Landkreises Kitzingen noch nicht fest. Derzeit gebe es in der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises ausreichend freie Plätze. „Wir haben derzeit keine Raumnot.“ Sollten die Kapazitäten wieder knapp werden, werde auch das Gasthaus in Mainstockheim wieder belegt.

Ein Teil der 13 Zimmer des Gasthofes müsse nun aber wahrscheinlich erst einmal renoviert werden, sagte Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs. Er sprach von eingetretenen Türen und Duschkabinen sowie kaputten Fenstern. Die Besitzer des Gasthauses haben mit dem Freistaat einen Beherbergungsvertrag für ein Jahr abgeschlossen. Die Unterkunft war seit Beginn des Jahres mit alleinstehenden jungen Männern aus dem Kosovo und Albanien belegt.

Etwa die Hälfte der zuletzt rund 20 Asylbewerber hatte die Anwohner durch Lärm in der Nacht, Müll auf den Straßen und Pöbeleien verärgert. Zudem sollen sich einige der Bewohner in einem Freibad und Geschäften in Kitzingen daneben benommen und Frauen belästigt haben. Dadurch zogen sie sich zudem den Unmut der deutsch-türkischen Gruppe auf sich, die deshalb mehrfach in den vergangenen Tagen vor der Unterkunft auftauchte, Streit suchte und zu Großeinsätzen der Polizei führte.

„Letztlich ist es ein klares Indiz, dass sich da und dort die Konflikte zuspitzen“, sagte Herrmann. Die Staatsregierung forderte bei ihrer Kabinettssitzung in München erneut Unterstützung vom Bund - und zwar sowohl finanziell als auch organisatorisch und mit geeigneten Gebäuden. Gebraucht würden mehr Liegenschaften und mehr Wohnraum, sagte Herrmann. „All dies ist ohne aktive Mitwirkung des Bundes nicht darstellbar.“

In Unterfranken waren Ende Juni fast 7000 Asylbewerber in 30 Gemeinschaftsunterkünften und mehr als 300 dezentralen Einrichtungen wie dem Gasthaus in Mainstockheim untergebracht. Bayernweit leben derzeit etwa 42 000 Flüchtlinge.

dpa

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