Castor-Behälter sollen nach Landshut

Atommüll in Bayern: Das sollten Sie wissen

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Radioaktiver Abfall soll aus dem Ausland nach Niederaichbach kommen.

München - Hochradioaktive Abfälle sollen auch in Bayern gelagert werden. Doch es formiert sich Widerstand. Wir geben Antworten auf die drängendsten Fragen.

Die Ankündigung kam wie aus dem Nichts. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte freitags den vier großen Energiekonzernen den Plan präsentiert, wonach 26 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Müll auf vier Bundesländer aufgeteilt werden sollen, darunter erstmals auch auf Bayern. Im Zwischenlager Isar bei Landshut mit dem Namen BELLA könnten ab 2018 bis zu neun Castoren mit hochradioaktivem, giftigem Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage (WAA) im britischen Sellafield untergebracht werden. Es gibt Proteste. Die tz beantwortet Fragen zum Thema:

Was ist Atommüll?

Atommüll ist ein Wort aus der Umgangssprache, das für radioaktiven Abfall steht. Er entsteht zum Beispiel bei der Kernspaltung von Uran 235 oder Plutonium 239 in den Reaktoren. Häufige Spaltprodukte sind strahlende Isotope – also Sorten – von Elementen wie Iod, Cäsium oder Strontium. Manche Stoffe zerfallen binnen Sekundenbruchteilen, andere überdauern Millionen Jahre. So beträgt die Halbwertszeit, also jene Zeitspanne, in der die Menge und Aktivität eines radioaktiven Stoffs um die Hälfte gesunken ist, bei Cäsium 135 immerhin 2,3 Millionen Jahre.

Was sind Castoren?

Castoren sind sechs Meter lange Behälter zum Transport und zur Lagerung von hochradioaktivem Material. Ein Castor ist mit Müll bis zu 125 Tonnen schwer. Er besteht hauptsächlich aus Stahl mit der Wanddicke von 45 Zentimetern. Castoren müssen viele Sicherheitstests bestehen. So halten sie laut Hersteller die Explosion eines Flüssiggastankwagens neben sich aus oder den Abwurf aus 800 Metern Höhe. Kritiker bezweifeln die Aussagefähigkeit der Tests. Etliche seien mit kleineren Modellen gemacht worden, das Szenario eines Terroranschlags komme nicht vor.

Was geschieht in der WAA?

Hier werden Stoffe aus benutzten Brennelementen aus Kernreaktoren getrennt – in verwertbare Anteile und in hoch-, mittel- und schwachradioaktiven Abfall. Einer der Stoffe, der hier gewonnen wird, heißt Plutonium 239. Es findet Verwendung in Reaktoren und in Bomben. Neben Plutonium lassen sich seltene Edelmetalle abtrennen. Insgesamt lassen sich durch Wiederaufbereitung höchstens zehn Prozent des Materials wieder verwenden. Der Rest ist radioaktiver Abfall.

Was ist ein Zwischenlager?

Der ist der – vorübergehende – Aufbewahrungsort für abgebrannte Brennelemente bzw. radioaktive Abfälle.

Wo bleibt das Endlager?

Für hochradioaktive Abfälle gibt es zurzeit keines auf der ganzen Welt. Das liegt daran, dass für Endlager Sicherheitsstandards angelegt werden müssen, die auch in Millionen Jahren Mensch und Natur vor der Radioaktivität schützen. Wie schwierig das ist, zeigt bereits die Tatsache, wie sich Kulturen in 10.000 Jahren überhaupt vor Gefahren warnen lassen. Eine Arbeitsgruppe der deutschen Suchkommission hat vorausgesagt, dass das Projekt Endlager erst Mitte des nächsten Jahrhunderts abgeschlossen sein wird. Geplant sind Endlager in Yucca Mountain (USA), Olkiluoto (Finnland) und in Forsmark (Schweden).

So reagiert die Politik:

Alles dagegen tun

Wegen der Ankündigung zur Atommüll-Lagerung droht der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) mit Klage. „Alle rechtlichen Mittel sollten ausgeschöpft werden. Wir werden alles dafür tun, dass diese absurden Pläne nicht weiterverfolgt werden.“ Er befürchte, dass so durch die Hintertüre ein Endlager bei Niederaichbach geschaffen werden soll.

Energiewende infrage gestellt

Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) wettert: „Wenn der Bund hier allein entscheiden will, stellt er eine Einigung bei der Energiewende insgesamt infrage.“ Einseitige Festlegungen des Bundes seien politisch unklug und dreist. „Wir müssen alle Entscheidungen im gegenseitigen Einvernehmen treffen, auch die schwierige Frage der Zwischenlagerung deutschen Atommülls.“

mc

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