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Auf Streife mit den Corona-Kontrolleuren: Ein Gast muss die ICE-Fahrt frühzeitig beenden

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Von: Theresa Kuchler

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3G-Kontrolle im ICE
Die ICE-Fahrgäste haben ihren 3G-Nachweis in Papierform oder auf dem Handy dabei. Bei Kontrollen stoßen die DB-Sicherheitsmitarbeiter André Klimkeit (vorne) und Lorent Leposutica in der Regel auf hohe Akzeptanz. © Marcus Schlaf

Stichprobenartig überprüft die Deutsche Bahn in ihren Zügen die 3G-Nachweise. In der Regel mit wenig Widerstand von Reisenden – wie eine Kontrollfahrt nach Hamburg zeigt. Für einen Gast im ICE war die Fahrt allerdings früher beendet als gedacht.

München – Der ICE 800 mit dem Ziel Hamburg hat vor 35 Minuten den Münchner Hauptbahnhof verlassen und rollt langsam in Richtung Ingolstadt. In einem der 13 Waggons wird es kurz unruhig. Lorent Leposutica und André Klimkeit von der DB-Sicherheit müssen einen Fahrgast bitten, den Zug zu verlassen. Der Mann, Martin Wagner, kann keinen 3G-Nachweis vorlegen. „Mein Impfpass liegt zu Hause“, sagt er und räumt einsichtig seinen Platz. Wagner arbeitet selbst bei der Deutschen Bahn. „Normalerweise wissen meine Kollegen, dass ich geimpft bin.“ Ohne Nachweis bringt ihm das aber nichts – er muss in Ingolstadt aussteigen. Um nach Hof weiterfahren zu können, sein eigentliches Ziel, wird er sich auf die Suche nach einer Schnellteststation machen. „Und dann schau ich mal, dass ich eine andere Zugverbindung bekomme.“ Er greift eilig nach seiner Tasche. Der ICE hält und Wagner steigt aus. Als sich der Zug langsam wieder in Bewegung setzt, bleibt er am Bahnsteig zurück.

Dass Leposutica und Klimkeit einen Fahrgast bitten müssen, den Zug zu verlassen, kommt nicht häufig vor. Seit Ende November führen die DB-Sicherheitsmitarbeiter immer wieder 3G-Kontrollen im Nah- und Fernverkehr durch – stichprobenartig. Ob Passagiere einen Impf-, Test- oder Genesenennachweis dabei haben, wird bei der üblichen Fahrscheinkontrolle nämlich nicht mit abgefragt. Zunächst hatte die Deutsche Bahn eher widerwillig mit den 3G-Kontrollen begonnen – sie sah das mehr als eine Aufgabe des Staates. Mit den Sicherheitsmitarbeitern hat das Unternehmen extra Personal darauf angesetzt.

Fahrgast im ICE
Darf nicht weiterfahren: Martin Wagner hat seinen Impfnachweis zu Hause vergessen. Er muss aussteigen. © Marcus Schlaf

Ohne Nachweis muss der Zug verlassen werden - ein Gast muss Test in Ingolstadt nachholen

„Heute kontrollieren wir 3G und die FFP2-Maskenpflicht“, erklärt Leposutica. Seit sechs Uhr ist er auf den Beinen. Bevor er in München in den ICE in Richtung Hamburg eingestiegen ist, hat er schon in der S-Bahn die 3G-Nachweise kontrolliert. „Da hatte ich heute keinen Fall“, erzählt er. Generell sei es die Ausnahme, dass sich Fahrgäste nicht entsprechend ausweisen können. Wenn, müssen sie die Bahn verlassen und können erst mit einem negativen Test wieder zusteigen. Bußgelder dürfen Leposutica oder seine Kollegen aber nicht anordnen. „Wir haben ja nur das Hausrecht. Die Strafen sind eine behördliche Aufgabe“, erklärt der DB-Mitarbeiter. Weigert sich ein Gast auszusteigen, wird die Bundespolizei gerufen.

Leposutica und Klimkeit sind in München ganz hinten eingestiegen. Vom letzten Waggon aus arbeiten sie sich nach vorne durch. Bis sie fertig sind und am Nürnberger Bahnhof aussteigen. „Einmal den 3G-Nachweis und den Lichtbildausweis bitte“, verlangen sie von jedem der rund 300 Reisenden, die an diesem Tag im ICE Richtung Norden unterwegs sind. Viele Passagiere kramen bereits in ihren Taschen, bevor die Sicherheitsmitarbeiter überhaupt an ihrem Platz angekommen sind. Sie holen ihre Handys, Impfpässe und Ausweise hervor, legen sie auf ihren Schoß oder den Tisch, bis sie an der Reihe sind. Die Menschen sind kooperativ, die Akzeptanz für die Kontrollen ist hoch. Die Bahn gibt an, dass 99 Prozent der Fahrgäste einen 3G-Nachweis dabei haben.

99 Prozent der Fahrgäste führen einen 3G-Nachweis mit sich

„Ich finde es gut, dass das kontrolliert wird“, sagt etwa Simon Obert, der wegen einer Dienstfahrt im Zug sitzt. Für ihn ist es das zweite Mal, dass er sein digitales Impfzertifikat beim Reisen vorzeigen muss. „Einmal wurde ich schon kontrolliert, da war 3G in den öffentlichen Verkehrsmitteln gerade erst eingeführt“, erinnert er sich. Für die meisten Reisenden ist es heute allerdings das erste Mal, dass sie nach ihrem 3G-Nachweis gefragt werden. So auch für Regina Bierwisch. „Ich bin in den letzten zwei Monaten sehr viel Zug gefahren, aber kontrolliert wurde ich noch nie.“ Sie findet die Maßnahme richtig. „Ehrlich gesagt habe ich mich gewundert, dass das nicht viel häufiger kontrolliert wird“, meint die Reisende.

DB-Sicherheitspersonal macht kaum negative Erfahrungen bei Kontrollen

Für die DB-Sicherheitsmänner Klimkeit und Leposutica verläuft die Schicht ruhig. Generell müssen sie selten negative Erfahrungen machen. „Ich hatte bisher nur friedliche Fahrgäste“, erzählt Lorent Leposutica und lächelt. „Natürlich kommt es aber auch immer darauf an, wie man auf die Gäste zugeht.“

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