"Saudummer Zufall"

Wirbel um Schießen am Hitler-Geburtstag

Grabenstätt - Eine Anzeige im Gemeindeblattl sorgt momentan im Chiemgau für Aufregung. Denn dort wird ein Kameradschaftsschießen angekündigt - an einem sehr pikanten Tag.

Rentner Franz B. (Name geändert) fielen fast die Augen raus, als er auf Seite 10 seines Grabenstätter Gemeindeanzeigers angelangt war. Nach einem Hinweis vom Theaterverein (Königlich Bayerisches Amtsgericht) prangte da tatsächlich eine Riesenankündung fürs Vergleichsschießen der heimatlichen Krieger- und Soldatenkameradschaften – Frakturschrift, in den Ecken garniert von Eisernen Kreuzen, die Anzeige selbst verziert mit dem Wehrmachtskarabiner – und dann auch noch – scheinbar passend – der Termin für den ganzen Wettstreit: Samstag, 20. April. Der Tag, an dem Adolf Hitler Geburtstag hatte! „Das empfinde ich als einzige Provokation“, empört sich Franz B. Und damit ist er offenbar auch nicht alleine in der Gemeinde: Im Rathaus gab es Beschwerden, dass die Anzeige im Blattl schon mehr als grenzwertig daherkomme. Gibt es gar Vereine mit Alt- und Neonazis in dem schönen Chiemgaufleckerl unweit der Hirschauer Bucht?

„Für die leg’ ich meine Hand ins Feuer,“, berichtet Bürgermeister Georg Schützinger (CSU) dagegen der tz. Die – das sind die beiden Vereine, die am 20. April gegeneinander antreten werden: Die Krieger- und Soldatenkameradschaft Erlstätt und die Soldaten- und Kriegerkameradschaft Grabenstätt.

Vorstand der Erlstätter ist Karl Felix (72). Konfrontiert mit der Ankündigung, zumal mit dem verrufenen Datum, meinte er sofort: „Ein so ein saudummer Zufall!“ Niemand vom Vereinhabe an Hitlers Geburtstag gedacht. „Wir sind schließlich alles andere als Nazis und Rassisten.“ Doch über das altbacken eigenwillige Design der Anzeige lässt sich dennoch streiten …

Der 20. April kam jedenfalls nach Worten von Felix deswegen zustande, weil am Samstag die unterirdische Schießbahn in Unterwössen, die von vielen Schützenvereinen genutzt wird, mal frei sei. „Vergangenes Jahr machten wir zum Beispiel am Rosenmontag unser Schießen“, erzählt der Vereinschef – das war der 20. Februar 2012. Mit dem Zwanzigsten haben sie’s irgendwie in Grabenstätt …

MC/AGE

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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