Aufruhr um Riesen-Bauernhof

Eva-Maria und Johannes Ehlich vor dem Rohbau ihres neuen 120-Kühe-Hofs. Der könnte noch erweitert werden. foto: hh

Burggen - Er wollte seine Zukunft sichern – jetzt ist ein Dorf in Aufruhr: Johannes Ehlichs Pläne, den Betrieb in Burggen auf maximal 360 Milchkühe zu erweitern, haben für Wirbel gesorgt.

Johannes Ehlich kann kaum glauben, „was da für ein Fass aufgemacht worden ist. Ich bau’ doch kein Atomkraftwerk.“ Aus seinem Bauvorantrag ist in Burggen ein Politikum geworden. Unter anderem deshalb, weil sein Hof nach der Erweiterung der wohl größte Milchviehbetrieb im gesamten Landkreis werden könnte. „Einer ist immer der Erste. Leider bin das in diesem Fall ich“, sagt der 35-Jährige.

Vor vier Jahren hat er den Hof seiner Eltern übernommen und führt ihn mit seiner Frau Eva-Maria. Die Erweiterung hat er Ende vergangenen Jahres beantragt. Unter anderem sollte ein Stall für das Jungvieh entstehen – um in naher Zukunft Bio-Standards zu erfüllen. „Im Moment muss ich mein Vieh auf drei Betriebe verteilen, weil der Platz auf dem alten Hof nicht ausreicht“, sagt Ehlich. Erweitern kann er den nicht – denn er ist mitten im Dorf.

Der neue Hof ist derzeit in Bau, ein Stall für 120 Großvieheinheiten steht bereits. Noch einmal 240 hätten nach den Plänen dort Platz finden können. Macht 360 Großvieheinheiten – rein theoretisch, bei maximaler Auslastung. Zu viel für einige Burggener: Mit einer Unterschriftenliste, die Bürgermeister Josef Schuster vorgelegt wurde, sprachen sich 67 Bürger gegen den Bau unterhalb des „Burgbergs“ im Norden der Gemeinde aus.

„Das ist doch kein Muss“, rechtfertigt sich Ehlich. Ihm sei es um die Planung für die Zukunft gegangen, die eben die Tendenz zum Großbetrieb zeigt. So sieht es auch Wolfgang Scholz, BBV-Kreisobmann aus Sachsenried: „Der Strukturwandel führt uns zu Höfen, wie sie Johannes Ehlich plant – das ist eine kontinuierliche Entwicklung.“ In der Öffentlichkeit „kommt das als Größenwahn an, doch in fünf bis zehn Jahren kann dieser Hof Sinnbild der neuen Landwirtschaft sein“.

Dass diese Pläne einen Aufruhr am Ort verursachen könnten, hätte Johannes Ehlich nicht gedacht. Allerdings versteht er die Bedenken, die jetzt vorgebracht werden: „Die Leute haben Angst. Wenn man die Zahlen betrachtet, kann man schon meinen, dass es unheimlich groß wird.“ Außerdem gebe es in Burggen Gerüchte, die Ehlichs planen zusätzlich eine Biogas-Anlage. „Davon war nie die Rede.“

Gelegenheit dazu hatte er in der vergangenen Woche: In einer öffentlichen Anhörung mit 140 Besuchern haben die Burggener Räte das Thema behandelt – es war der einzige Punkt auf der Tagesordnung. „Die Diskussion im Gemeinderat ist sehr sachlich abgelaufen“, betont Schuster. Einige Faktoren sprachen ihm zufolge gegen die Pläne. „Der Standort ist für einen Betrieb dieser Größenordnung falsch gewählt.“ Unter anderem wegen der Zufahrtslösung und dem Biotopverbund „Burgberg“. Außerdem verweist Schuster auf den ethischen Aspekt: „Ein Betrieb dieser Größenordnung wäre eine Herausforderung für Burggen.“ Dabei denkt er vor allem an die kleineren Betriebe, „die müssen wir schützen“.

Einstimmig erteilte das Gremium den Plänen eine Absage – mit Hinweis auf einen möglichen Kompromiss. Den erarbeitet Ehlich gerade. Mehr als eine schnelle Lösung wünscht sich der junge Landwirt aber, dass „bald Ruhe einkehrt“.

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