Schwere Vorwürfe bei Stern TV

Peggys Mutter zweifelt an alten Ermittlungen

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Susanne Knobloch im Prozess im Jahr 2003. Was passierte mit Peggy (kl. Bild)? Ihr Schicksal bewegt die Leute

München - Susanne Knobloch kann es nicht fassen. Bei Stern TV erhebt sie schwere Vorwürfe. Die zuständigen Stellen hätten schlmapig ermittelt, sagt sie bei ihrem TV-Auftritt.

Es waren zwei Worte, die alles beschrieben, was Peggys Mutter Susanne Knobloch (41) im Moment durchmacht: „Ich koche!“, sagte die Altenpflegerin im Studio von Stern TV über die neuen Enthüllungen im Fall ihrer seit nunmehr zwölf Jahren vermissten Tochter!

Nach dem Urteil gegen Ulvi K. (32) im April 2004 war Susanne Knobloch noch erleichtert gewesen: „Das ist gerecht“, kommentierte sie seine Verurteilung zu lebenslanger Haft und die Einweisung in die Psychiatrie. Nun aber kommen ihr Zweifel, ob damals der Richtige auf der Anklagebank saß: Der Bruder ihres ehemaligen Nachbarn aus Lichtenberg ist wegen Missbrauchs der eigenen Tochter zu sechs Jahren Haft verurteilt worden – in seiner Zelle hatte Holger E. (29) ein Foto von Peggy hängen, sein Name und seine Adresse fanden sich in Peggys Schulheft. „Wenn ich das jetzt sehe, da muss schlampig ermittelt worden sein“, sagte Susanne Knobloch beim TV-Auftritt.

Mit dem Wissen von heute machen wohl auch Verhaltensauffälligkeiten von Peggy Sinn: Seit sie im Sommer 2000 Holger E. zum ersten Mal begegnete, war sie verschlossen, nicht mehr so leutselig wie früher. Die Mutter: „Ich kann mich noch erinnern, dass ich einmal von der Arbeit heimkam. Da saß sie im Dunkeln.“ Sie habe eine Unterhose weggeworfen, habe nicht duschen wollen, sei nicht mehr wie früher unbekümmert nackt durchs Wohnzimmer gelaufen. Anzeichen eines sexuellen Missbrauchs? „Ich mache mir heute noch Vorwürfe“, sagte Susanne Knobloch. Sie hätte eher mitbekommen müssen, „dass etwas nicht passt“.

Schon Tage nach Peggys Verschwinden vernahmen Ermittler der Hofer Kripo auch Holger E. Ihnen fiel auf, dass der junge Mann in Peggy regelrecht vernarrt gewesen sei, ein Amulett mit ihrem Bild getragen und ihr Verhältnis wie bei „Bruder und Schwester“ bezeichnet habe. Doch als ein Jahr darauf Ulvi K. den Mord gestand, wurde der Spur zu Holger E. nicht weiter nachgegangen. Peggys Mutter ist fassungslos: „Das war damals schon eine Spur. Warum hat man nicht viel eher nachgehakt?“

Durch den Wiederaufnahmeantrag von Ulvis Anwalt und ein neues Buch ist jetzt Bewegung in den mysteriösen Fall gekommen. Bis Ende Oktober will die Staatsanwaltschaft Bayreuth eine Stellungnahme zum Wiederaufnahmeantrag abgeben. Darin wird auch das gerade eröffnete Ermittlungsverfahren gegen Holger E. wegen Mordes eine Rolle spielen. Susanne Knobloch wünscht sich greifbare Ergebnisse: „Ich hoffe, dass es dann endlich vorbei ist.“ Und ergänzt etwas, das ihr sehr wichtig ist: Holger E. sei nie „ein enger Freund der Familie“ gewesen, wie öffentlich behauptet wurde. Ein Bild, das ihn in inniger Umarmung mit ihrer Tochter zeigt, sah sie eigenen Angaben zufolge bei Stern TV zum ersten Mal.

Hier sucht die Polizei nach Peggys Leiche

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Auch der wegen Kindesmissbrauchs untergebrachte Ulvi meldete sich zu Wort: „Bin immer traurig vom Mord an Peggy zu hören, sie wurde nicht umgebracht, auf jeden Fall nicht von mir!“ Das schrieb seine Betreuerin in seinem Namen via Twitter.

tz

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