Schläge und Tritte

Skandal in Augsburg: Betrunkene Polizisten attackieren Flüchtling - ihren Job behalten sie trotzdem

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In einem McDonald‘s-Filiale begann der Übergriff auf einen 25-jährigen Flüchtling (Symbolbild).

Übler Übergriff von Polizisten auf einen Asylbewerber im Herbst 2016: Weil ein 43-jähriger Oberkommissar in zweiter Instanz vor Gericht geständig war, darf er seinen Job wohl behalten.

Augsburg - Gemeinsam mit vier weiteren Kollegen hatten der Polizist aus Giengen (Baden Württemberg) in Augsburg erst eine Brauerei besichtigt und dann in Bars kräftig weitergefeiert. Als alle sich dann im McDonald‘s am Königsplatz stärken wollten, kam es in der Filiale zu einem fremdenfeindlichen Übergriff, der jetzt das Landgericht beschäftigte: Die Polizisten setzten sich laut „Augsburger Allgemeine“ an einen Tisch, an dem ein 25-jähriger Flüchtling aus Senegal aß. „Black man go home“ (übersetzt: „Schwarzer Mann, geh‘ nach Hause“) soll der Oberkommissar dem Asylbewerber beim Anrempeln gesagt haben. Und noch schlimmer: Er drückte dem 25-Jährigen unvermittelt einen Burger gegen den Kopf.

Augsburg: Haupttäter ist Oberkommissar und AfD-Anhänger

Der Asylbewerber verließ daraufhin das Fast-Food-Lokal, doch die Beamten rannten ihm hinterher. Während vor der Filiale einer der Polizisten (41) den Flüchtling festhielt, schlug der Oberkommissar den 25-Jährigen mit der Faust gegen den Kopf. Zudem setzte es für den Asylbewerber Tritte. Wie sich im ersten Prozess im Juni 2018 zeigte, ist der Oberkommissar offenbar ein AfD-Anhänger. So hatte er auf seiner Facebook-Seite ein Wahlplakat der Partei verbreitet, das sich gegen Flüchtlinge und die Asylpolitik von Angela Merkel gerichtet hatte. 

Asylbewerber in Augsburg attackiert: Milderes Urteil durch Geständnis

In einem ersten Prozess hatte der Oberkommissar und sein ebenfalls übergriffiger Kollege die Taten nur teilweise eingeräumt und noch erklärt, der Senegalese habe sich im McDonald‘s vor ihm aufgebaut. Das Gericht verurteilte den Haupttäter dennoch zu 14 Monaten ohne Bewährung. Damit wäre der Oberkommissar auch aus dem Beamtenverhältnis geflogen und hätte seinen Job verloren.

Disziplinarverfahren gegen den Polizisten nach Attacke von Augsburg

Der Polizist ging in Berufung und zeigte sich im Prozess geständig - offenbar wollte er mit dieser Taktik eine mildere Strafe erreichen. Das Landgericht kam dem jetzt nach und verhängte eine Strafe von elf Monaten auf Bewährung. Nach Ansicht des Gerichts dürfe der 43-Jährige weiterhin bei der Polizei bleiben. Allerdings wartet auf den Oberkommissar noch ein Disziplinarverfahren. Nach der Attacke war er vom Dienst suspendiert worden.

Auch der Polizist, der den Asylbewerber festgehalten hatte, zeigte sich geständig. Seine nun von 14.000 Euro auf 9.000 Euro reduzierte Geldstrafe will er aber noch nicht akzeptieren.

Polizei-Skandale auch in München und beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Ein Polizei-Skandal in München wurde in der vergangenen Woche bekannt. In einer internen WhatsApp-Gruppe sollen bayerische Beamte, zumeist aus dem Raum München, Beleidigungen sowie antisemitische Inhalte ausgetauscht haben. Mehrere Beamte wurden suspendiert. Auch gegen zwei weitere Beamte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wird ermittelt. Hintergrund sind Whatsapp-Nachricht „mit gegen Muslime gerichteten, volksverhetzenden Inhalten“.

Lesen Sie auch: Differenzen hinter verschlossenen Türen: Freie Wähler monieren Asylkurs der CSU

Und: Gewaltige Explosion erschüttert Wohnsiedlung: Hauswand stürzt ein - Mann schwer verletzt

mb

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