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Peter Schall im Interview

Polizei-Gewerkschaft schlägt nach Vorfällen in Augsburg und München Alarm: „Gewaltbereitschaft ist größer“

Die Vorfälle gegen einen Feuerwehrmann in Augsburg und einen Polizisten in München schocken. Der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei schlägt nun Alarm.

  • Bei einem Angriff auf einen Feuerwehrmann in Augsburg stirbt dieser.
  • In München wurde ein Polizist ohne Grund mit einem Messer angegriffen.
  • Der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei schlägt nun Alarm.

München – Peter Schall ist der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) – und seit vier Jahrzehnten Polizist. Im Interview spricht er darüber, was sich auf Deutschlands Straßen verändert hat. Und darüber, was sich in einigen Gerichtssälen ändern sollte.

Herr Schall, in Augsburg wurde am Freitag ein Feuerwehrmann getötet, weil er mit einer Gruppe junger Männer in Streit geriet. In München wurde am Montag ein Polizist niedergestochen. Zwei rein zufällige Ereignisse?

Peter Schall, Vorsitzinder der Gewerkschaft der Polizei Bayern.

Peter Schall: Wir bemerken grundsätzlich, dass die Gewaltbereitschaft größer wird. Auffällig ist dabei auch eine oft völlig u nverhältnismäßige Brutalität. Und: Insbesondere gegenüber Einsatzkräften nimmt die Gewalt deutlich zu – auch wenn das hier nicht hundertprozentig passt, weil der Feuerwehrmann im Augsburger Fall privat unterwegs war.

Was meinen Sie, wenn Sie von unverhältnismäßiger Gewalt sprechen?

Schall: In Augsburg war es ein verbaler Konflikt, der zu dieser brutalen Tat geführt hat. In München gab es gar keinen erkennbaren Grund. Es erscheint von außen betrachtet sinnlos.

Auch interessant: In Augsburg ist ein Feuerwehrmann (49) von Jugendlichen getötet worden. Die Verdächtigen sitzen in Haft. Jetzt gab es eine wichtige Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Augsburg/München: Polizei-Gewerkschaft schlägt Alarm: „Gewaltbereitschaft ist größer“

Kennen Sie noch mehr Fälle dieser Art?

Schall: Ja. In Franken haben Kollegen ein paar Jugendliche angesprochen, die Flaschen auf der Fahrbahn zerdeppert haben. Daraufhin geht einer der Jugendlichen auf den Kollegen zu und zertrümmert ihm das Nasenbein. Wenn ein Bankräuber sich gegen seine Festnahme wehrt, ist das in gewisser Weise nachvollziehbar. Aber dass Menschen wegen eines drohenden Bußgeldes oder einer Personenkontrolle mit Faustschlägen und Fußtritten reagieren, steht in keinerlei Relation. So etwas kenne ich aus der Vergangenheit nicht. Und ich bin seit mehr als 40 Jahren Polizist.

Hat der Respekt gegenüber uniformierten Beamten allgemein nachgelassen?

Schall: Ja, dieses Gefühl haben wir. Genauso gegenüber Sanitätern oder Feuerwehrleuten. Und auch hier liegen die Fälle abseits jeder Verhältnismäßigkeit. Wenn jemand Kameraden von der Feuerwehr mit dem Auto anfährt, weil sie eine Straße sperren, dann ist das ein Verbrechen. Aber auch das scheinen diese Leute nicht zu bedenken.

Polizei-Gewerkschaft erkennt besorgniserregende Entwicklung seit „circa fünf Jahren“

Seit wann beobachten Sie diese Entwicklungen?

Schall: Gerade die Angriffe auf Rettungskräfte gibt es in diesem Ausmaß erst seit circa fünf Jahren.

Gibt es einen bestimmten Täterkreis für solch ungehemmte Gewalttaten?

Schall: Auffällig ist, dass 70 bis 80 Prozent der Täter männlich sind und unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stehen. Auch drogenbedingte Psychosen scheinen zuzunehmen, aus denen heraus Polizisten, Feuerwehrmänner und Sanitäter angegriffen werden. Ansonsten findet man diese Täter inzwischen leider in allen Gesellschaftsschichten, in allen Altersgruppen und mit sämtlichen Staatsangehörigkeiten.

Was fordern Sie von Politik und Justiz?

Schall: Die Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte und Polizisten wurden ja gerade erst verschärft. Vonseiten der Justiz wäre es allerdings gut, wenn der zur Verfügung stehende Strafrahmen von den Richtern auch öfter einmal ausgeschöpft würde – insbesondere bei Wiederholungstätern. Was den Widerstand gegen Beamte betrifft, hoffen wir zudem, dass es durch den Einsatz von Body-Cams bald zu mehr Verurteilungen kommt. Ich glaube allerdings nicht, dass sich das Problem alleine über das Strafrecht lösen lässt. Da muss in den Köpfen was passieren.

Was empfehlen Sie Normalbürgern, die es im Alltag plötzlich mit aggressiven Gruppen oder Personen zu tun bekommen?

Schall: Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man der Konfrontation aus dem Weg gehen. So traurig es ist, aber man sieht immer wieder, dass genau solche Situationen zur Katastrophe führen können. Wenn sich die Konfrontation aber gar nicht vermeiden lässt, sollte man bei Umstehenden nach Unterstützung suchen.

Interview: Sebastian Horsch

Im oberfränkischen Hof wollten Sanitäter einer Frau helfen - diese dankte mit einem Schlag ins Gesicht.

Angegriffen wurden Polizisten auch, als sie wegen einer Ruhestörung zu einem Goldclub in Puchheim fuhren, berichtet Merkur.de*. Ein Gast warf ein Weißbierglas nach einer 23-jährigen Polizistin.

Im Dezember starb ein Feuerwehrmann nach einer Auseinandersetzung mit Jugendlichen am Augsburger Königsplatz. Ein Gericht hat nun einen Antrag der Verteidiger abgeschmettert.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa

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