Hamado Dipama kämpft gegen Rassismus

Vermieter wollte nur „an Deutsche“ vermieten: Jetzt kriegt er deftige Strafe 

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Klagt gegen Diskriminierung: Hamado Dipama wehrt sich gegen Rassismus.

Hamado Dipama war auf Wohnungssuche in Augsburg. Ein Vermieter lehnte ihn ab, da er nur „an Deutsche“ vermiete. Daraufhin verklagte Dipama ihn.

  • Hamado Dipama war auf Wohnungssuche in Augsburg.
  • Ein Vermieter lehnte ihn ab, da er nur „an Deutsche“ vermiete.
  • Daraufhin verklagte Dipama ihn und bekam Recht.

Update vom 10. Dezember 2019: Wegen Diskriminierung eines aus Afrika stammenden Interessenten muss ein Wohnungsvermiete r aus dem bayerischen Augsburg diesem 1000 Euro Entschädigung zahlen. Das entschied das Amtsgericht der Stadt nach eigenen Angaben am Dienstag. Der Vermieter gab demnach ein Zeitungsinserat auf, derzufolge er nur an „Deutsche" vermieten wolle. Anrufe des Bewerbers waren erfolglos, obwohl die Wohnung noch frei war. (Az. 20 C 2566/19)

Der in München lebende und aus Burkina Faso stammende Bewerber klagte deshalb in einem Zivilverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Das Amtsgericht gab ihm Recht. Es sei nicht zulässig, alle "Nichtdeutschen" von einem etwaigen Vertragsverhältnis auszuschließen. Der Vermieter habe den Interessenten aufgrund von dessen Rasse oder ethnischen Herkunft benachteiligt und müsse daher Schadenersatz leisten.

Wegen einer möglichen Wiederholungsgefahr verurteilte das Gericht den Vermieter außerdem auch dazu, solche Herangehensweisen künftig zu unterlassen. Sollte dieser dagegen verstoßen, drohen ihm ein Ordnungsgeld oder gar Ordnungshaft. Das Urteil in dem Fall ist jedoch noch nicht rechtskräftig, Berufungen dagegen sind möglich.

Vermieter will nur „an Deutsche“ vermieten - „Das stand ganz klein unten“

Erstmeldung vom 15. Oktober 2019:

Augsburg/München – Das Gespräch war schnell beendet. Als Hamado Dipama im April einen A ugsburger Vermieter anrief, weil er sich für dessen Wohnung interessierte, legte dieser nach kurzer Zeit auf. Der Grund, da ist sich Dipama sicher: „Er wollte keine Ausländer in der Wohnung.“ Deshalb hat der 45-Jährige jetzt Klage eingereicht.

Dipma klagte schon wegen Rassismus an Münchner Club-Türen

Dipama stammt ursprünglich ausBurkina Faso und kam 2002 nachMünchen. Er engagiert sich im Ausländerbeirat der Stadt München und im bayerischen Flüchtlingsrat. Der Kampf gegen Rassismus ist ihm ein großes Anliegen. 2013 machte er Tests an Münchner Club-Türen – und stellte fest, dass es für Dunkelhäutige schwerer ist, hineingelassen zu werden. Bereits damals zog er vor Gericht. Zweimal siegte er, einmal verlor er und dreimal gab es einen Vergleich. „Diskriminierung gibt es auf allen Ebenen“, berichtet Dipama. „Im Job, im öffentlichen Raum, in der Freizeit und auf dem Wohnungsmarkt.“

Für die Ein-Zimmer-Wohnung in Augsburg hatte der Vermieter im April eine Anzeige im Internet veröffentlicht. Darin war ein Vermerk, dass die Wohnung „an Deutsche“ vermieten werden solle. „Das stand ganz klein unten“, berichtet Dipama. „Ich hatte es zuerst sogar übersehen.“ Weil er aus beruflichen Gründen einen Umzug nach Augsburg plante, meldete er sich. Der Vermieter hätte sofort gefragt, ob er Ausländer sei, schildert Dipama. „Ich war perplex.“

Deutscher Freund von Dipama ruft Vermieter an und bekommt Besichtigungstermin

Nach Abbruch des Gesprächs durch den Vermieter starteten Bekannte von Dipama einen neuen Versuch. Zuerst hätte eine Freundin mit deutschem Namen bei dem Vermieter angerufen, erzählt Dipama. „Er hat gesagt, dass er froh sei, dass sie Deutsche ist“, berichtet Dipama, „und dass er keine ausländischen Mieter wolle.“ Als seine Freundin gegen diese Verallgemeinerung argumentierte, hätte auch sie eine Absage bekommen. Ähnlich sei es einem deutschen Bekannten gegangen, nachdem dieser erwähnt hatte, dass er im Bereich der Flüchtlingshilfe arbeitet. Ein weiterer Bekannter hatte keinen Migrationshintergrund und auch keinen Job in dem Bereich. „Er hat als Einziger einen Besichtigungstermin bekommen“, sagt Dipama. Schockiert reagierte derweil der Bayerische Bauernverband auf einen Werbespot.

Er fordert vor dem Amtsgericht Augsburg, dass der Vermieter derartige Formulierungen künftig unterlassen muss sowie eine Entschädigung in Höhe von 1000 Euro. „Unser Ziel ist, zu zeigen, dass Diskriminierung auf dem Mietmarkt nicht geht“, sagt Dipamas Anwalt Ugur Kör. Seiner Erfahrung nach hätten Bürger mit Migrationshintergrund oft mit „versteckter Diskriminierung“ zu kämpfen. Die meisten Vermieter würden nicht mitteilen, warum sie Bewerber ablehnen. Dass jemand offen ausspricht, seine Wohnung nicht an Ausländer vermieten zu wollen, sei sehr selten.

Vermieter will nicht eingestehen einen Rechtsfehler begangen zu haben

Der Vermieter erklärte vor Gerich t, dass er in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einem kriminellen Ausländer gemacht habe und deswegen die Anzeige so geschrieben habe. Sein Sohn räumte ein, dass die Formulierung in der heutigen Zeit fehl am Platze sei. Ein Vergleich zwischen den Parteien kam dennoch nicht zustande. „Die Gegenseite hat ausgeschlossen, einzugestehen, einen Rechtsfehler begangen zu haben“, sagt Kör.

Das Gericht wird am 5. November ein Urteil verkünden. Der Richter deutete an, dass er die Klage nicht für unbegründet halte und wohl nicht ganz abweisen werde. „Wir sind sehr zuversichtlich“, sagt Kör deshalb. Dipama hat die Wohnungssuche mittlerweile aufgegeben. Keine seiner Anfragen hatte Erfolg. Mit seinem Arbeitgeber hat er eine Lösung gefunden, um in München zu bleiben. (mit lby)

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Zu einer fremdenfeindlichen Aktion kam es in Weißenhorn (Bayern). Unbekannte sorgten mit einem DIN A 4 Blatt für Aufsehen. Die Polizei ermittelt. In Berlin erhielt ein Mann wegen seiner Herkunft, die schlimmste Job-Absage, die man sich vorstellen kann.

Der Aushang an einem Bayreuther Restaurant sorgte für Aufsehen. Dem Lokal wurde Diskriminierung vorgeworfen. Die Chefin wehrt sich - doch der Vorfall hat bereits Auswirkungen.

Claudia Schuri

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