Schrecklicher Mobbing-Fall

Drastisches Mobbing: Junge findet eigene Todesanzeige in Zeitung - Mitschüler packt aus

Schon länger kam es an einer Realschule in Nördlingen zu unguten Vorfällen. Die Polizei ermittelte. Jetzt musste ein Schüler (13) seine Todesanzeige in der Zeitung lesen.

  • An einer Realschule in Nördlingen kam es zu drastischen Fällen von Cybermobbing. 
  • Von einem der Jugendlichen war eine falsche Todesanzeige veröffentlicht worden.
  • Die Polizei ermittelt nun gegen einen 14 Jahre alten Mitschüler. 

Update vom 10. Januar: Wie jetzt bekannt wurde, hat sich der 14-jährige Verdächtige einer möglichen Bestrafung durch die Schule entzogen. Das berichtet Merkur.de*

Update vom 18. Dezember, 16.05 Uhr: Der Mitschüler des 13-Jährigen, der seine eigene Todesanzeige in der Zeitung entdeckte, hat die Mobbing-Vorwürfe nun weitestgehend eingeräumt. Unmittelbar nach Erscheinen der Anzeige am Freitag hatte die Kripo den verdächtigen Mitschüler, der die Realschule in Nördlingen bei Augsburg besucht, vernommen. Doch zunächst bestritt dieser die Taten. 

Bei einer weiteren Vernehmung habe „der 14-Jährige zwischenzeitlich die ihm zur Last gelegten Taten größtenteils eingeräumt“, teilten die Beamten nun mit. Die Ermittlungen zum Motiv dauern noch an. Es dürfte „im Persönlichkeitsbild des offenbar IT-affinen Jugendlichen zu suchen“ sein, erklärte die Polizei.

Junge (13) findet eigene Todesanzeige in Zeitung - IT-Spezialisten ermitteln

Update vom 18. Dezember, 10 Uhr: In einer Traueranzeige wurde der Tod eines Schülers (13) mitgeteilt. Doch das Kind lebt - es handelt sich dabei um schweres Mobbing, das an einer Nördlinger Realschule stattgefunden hat. Mehr als zehn Ermittler aktuell arbeiten daran, den Täter zu überführen. Das berichtet die Augsburger Allgemeine. Darunter seien dem Bericht nach auch IT-Kriminalisten, wie der Leiter der Dillinger Kriminalpolizei, Michael Lechner, der Redaktion mitteilte.

Der Verdächtige, ein 14-jähriger Schüler, streitet alles ab. Aktuell werden Datenträger des Jungen, der mehrere Achtklässler über Monate gemobbt haben soll, ausgewertet. Das schreibt die Augsburger Allgemeine weiter.

Ein Spezialkommando der Polizei hat eine Geiselnahme in einem bayerischen Wohnhaus beendet. Das Motiv des Täters ist bislang noch offen.

Mobbing an Schule: Direktor zeigt sich entsetzt

Update vom 17. Dezember: In einer Traueranzeige wurde der Tod eines 13-jährigen Schülers mitgeteilt. Diese stellte sich jedoch als falsch heraus. Der Schüler lebt. Bei der Aktion handelt es sich um Mobbing - vermutlich durch einen Mitschüler (siehe Artikel unten). Der Träger der Schule reagierte jetzt und zeigte sich entsetzt.

„Das ist ein einmaliger Fall, sowas hatten wir noch nie“, sagte Peter Kosak, der Direktor des Schulwerks der Diözese Augsburg, am Dienstag. „Das ist ein Extremfall.“ Die Augsburger Allgemeine, bei der die Traueranzeige erschienen ist, berichtet unterdessen, dass drei weitere Fake-Anzeigen in Auftrag gegeben worden seien. „Es wurde allerdings verhindert, dass diese gedruckt wurden. Bei einer ist es nicht gelungen“.

Die Traueranzeige sei mit einer falschen Bankverbindung gebucht worden, deshalb werde auch der Zeitungsverlag Anzeige erstatten. „Wir sind sehr betroffen von dem Vorfall, der in dieser Form einmalig ist“, erklärte der stellvertretende Verlagsleiter Rüdiger Hoebel. „Wir tun alles dafür, die Ermittlungsbehörden zu unterstützen, und überprüfen gleichzeitig unsere Plausibilitätsprüfungen und Sicherheitsmechanismen, um zukünftige Fälle möglichst zu vermeiden.“

Mobbing durch Todesanzeige - Hausdurchsuchung bei Schüler

Update vom 16. Dezember 22.55 Uhr: Die Polizei berichtet nun von einer Hausdurchsuchung bei dem Schüler: „Hierbei konnten zahlreiche Medienträger sichergestellt werden, die derzeit mit Hochdruck ausgewertet werden“, so die Auskunft der Ermittler. Der Schüler wurde demnach „im Beisein seiner Eltern zu den Vorwürfen befragt, streitet eine Beteiligung aber ab“, so die Polizei. 

Offenbar steckt der 14-Jährige aber nicht nur hinter der perfiden falschen Todesanzeige, sondern auch hinter einer Reihe hinterhältiger Cyber-Attacken auf Mitschüler. Im November hatte die Kripo mitgeteilt, dass fünf Mädchen und Buben der achten Jahrgangsstufe Opfer der Angriffe über soziale Medien wurden. „Den zum Teil minderjährigen Schülern wurden über soziale Medien zunächst Links zu pornografischen Seiten, aber auch Bilder mit pornografischem Inhalt übermittelt“, erklärt die Polizei. „Außerdem fand eine Belästigung durch Callcenter-Anrufe statt.“ 

Cybermobbing an Realschule in Nördlingen: Pornografische Bilder, Drohungen in E-Mails und Handy-Verträge 

Darüberhinaus erhielten die Schüler E-Mails mit Drohungen. Seit Anfang November wurden auch Bestellungen auf die Namen der Schüler getätigt. „Es wurden Handy- und Festnetzverträge abgeschlossen und Reisen gebucht.“ Dazu benutzte der mutmaßliche Täter laut Polizei Schul-E-Mail-Adressen der Jugendlichen. 

Schon im Vorjahr soll es der Schulleitung zufolge ähnliche Vorfälle gegeben haben. An der Schule ist die Aufregung groß. „Wir versuchen mit Hochdruck, wieder Ruhe hineinzubringen, das ist eine extrem schlimme Situation“, erklärt Peter Kosak, Direktor des katholischen Schulwerks Augsburg, Träger des Nördlinger Instituts. „Wir wollen, dass die Schüler in Ruhe in die Weihnachtsferien gehen können.“ Die Augsburger Allgemeine will wegen des Inserats Strafanzeige erstatten.

Systematisches Cybermobbing: Schüler entdeckt eigene Todesanzeige in Zeitung

Erstmeldung vom 16. Dezember: Nördlingen - An einer Schule in Nördlingen in Bayern hat Mobbing drastische Ausmaße angenommen. Schon über Wochen sind fünf Schüler der achten Jahrgangsstufe der Realschule von Mitschülern gemobbt worden, berichtete zuerst die Augsburger Allgemeine.

Schikane an Schule in Nördlingen eskaliert komplett: 13-Jähriger mit falscher Todesanzeige gemobbt

Am Freitag (14.12.) erreichte die Schikane schließlich ihren Höhepunkt, als in der Augsburger Allgemeinen die falsche Todesanzeige von einem der 13 Jahre alten Jugendlichen veröffentlicht wurde. „Wir vermissen unseren lieben Freund“, ist darin zu lesen, „der plötzlich und unerwartet von uns ging.“ Dazu Name und vermeintliches Todesdatum des 13-jährigen Schülers. Selbst ein Termin für den Trauergottesdienst wird genannt.

Die Polizei machte daraufhin den mutmaßlichen Auftraggeber der Anzeige ausfindig - es handelt sich wohl um einen 14-jährigen Mitschüler des Betroffenen. Mittlerweile hat die Zeitung die Anzeige aus dem E-Paper entfernt. 

Bei einer Durchsuchung der Wohnung des verdächtigen Jugendlichen wurden nach Angaben der Polizei Beweismittel sichergestellt. Im Beisein seiner Eltern wurde der beschuldigte Schüler zu den Vorwürfen befragt. Er stritt die Vorwürfe jedoch ab. Weitere Details gab die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht bekannt, berichtet die Augsburger Allgemeine weiter. 

Michael Lechner von der Kripo Dillingen beantwortete im obigen Video dem Bayerischen Rundfunk Fragen zum Fall.

Cybermobbing an Realschule in Nördlingen: Schulleitung schaltet Polizei ein 

Schon zuvor hatte die Polizei wegen Mobbings an der Realschule ermittelt. Bereits im November hatte die Kripo mitgeteilt, dass fünf Mädchen und Buben der achten Jahrgangsstufe Opfer der Angriffe über soziale Medien wurden. Den Kindern wurden unter anderem pornografische Inhalte übermittelt. „Außerdem fand eine Belästigung durch zahlreiche Callcenter-Anrufe statt“, hieß es damals.

Laut der Augsburger Allgemeinen hätten die Täter sogar Verträge auf den Namen Jugendlicher abgeschlossen und Reisen gebucht. Die E-Mails sollen von einer Adresse ausgehen, die für schulische Themen im Unterricht verwendet wird. Die Schulleitung informierte deshalb schon vor einigen Wochen die Polizei. Aufgehört habe das Cybermobbing danach allerdings nicht.

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Video: Früheres Opfer schreibt Buch über Mobbing

Nicht selten leiden bereits Grundschüler unter Mobbing, berichtet Merkur.de*. Um für dieses Thema schon früh zu sensibilisieren, setzt ein bayerischer Landkreis deshalb auf Prävention.

Als erste Anlaufstelle bei Cybermobbing stehen Kindern und Jugendliche Beratungsangebote im Internet zur Verfügung. Sie können Unterstützung bieten, wenn sich die Betroffenen sonst niemandem anvertrauen wollen.

Das war wohl keine gute Idee: Die Polizei München machte zwei Schüler ausfindig, die über soziale Netzwerke antisemitisches Material verbreitet haben.

Einem Mann aus Würzburg wurde ein Video-Chat auf Instagram zum Verhängnis. Um mehrere tausend Euro erpresste ihn eine Frau - was ihn in eine ausweglose Situation brachte.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Armin Weigel

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