Urteil zum Jahresende erwartet

Polizistenmord: Indizien sprechen gegen Brüder

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Ein Urteil im Prozess wird zum Jahresende erwartet.

Augsburg - Zwei Jahre nach dem Mord an dem Polizisten Mathias Vieth wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Die Tatverdächtigen schweigen zwar - doch die Indizien sprechen gegen sie.

Der kaltblütige Mord an dem Augsburger Polizisten Mathias Vieth schockte vor knapp zwei Jahren viele Menschen in Bayern. In dem Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Augsburg ist die Beweisaufnahme zu dem Mordkomplex nun nach einem halben Jahr weitgehend abgeschlossen. Auch wenn die zwei beschuldigten Brüder beharrlich schweigen - es sprechen etliche Indizien gegen sie. Nach der Sommerpause will die Strafkammer ab 10. September noch über mehrere Raubüberfälle verhandeln, die den 58 und 60 Jahre alten Männern ebenfalls vorgeworfen werden. Mit dem Urteil ist daher erst im Dezember zu rechnen.

Augsburger Polizist wurde von acht Kugeln getroffen

Es ist eine neblige Nacht Ende Oktober 2011, als der 41-jährige Vieth mit seiner Streifenkollegin zwei mit einem Motorrad flüchtende Männer verfolgt. Im Augsburger Siebentischwald stürzen die Biker, Vieth will die Verdächtigen stellen, steigt aus dem Dienstwagen aus. Er zieht seine Pistole und ruft in den dunklen Wald: „Polizei! Hinlegen oder ich schieße!“ Statt der Aufforderung Folge zu leisten, richten die Täter ihre Maschinenpistolen auf Vieth. Der Beamte stirbt im Kugelhagel, getroffen von acht Kugeln. Die Polizistin hatte Glück, sie wurde durch einen Streifschuss nur leicht verletzt. Die Täter konnten fliehen, später wurden die Brüder festgenommen.

In dem Prozess vor dem Augsburger Landgericht eint die beiden Angeklagten eines - ihr Schweigen zu den Vorwürfen und die strenge Bewachung durch jeweils drei Polizisten. Ansonsten stehen zwei ungleiche Brüder vor Gericht. Der jüngere ist auf Konfrontationskurs zur Justiz. Zum Prozessauftakt hatte er sich schon über die Behandlung beschwert.

Tatverdächtiger nennt Anklage "Grimms Märchen"

Er lässt sich zu den Verhandlungen in Anstaltskleidung vorführen und bleibt - im Gegensatz zu allen anderen im Saal - demonstrativ sitzen, wenn die Richter den Raum betreten. Auch mit den zur Bewachung eingesetzten Beamten gab es immer wieder einmal kleinere Reibereien, nicht nur weil der 58-Jährige permanent Fußfesseln tragen muss. Bei den Zeugen- oder Sachverständigenaussagen mischt er sich im Unterschied zu seinem schweigsamen Bruder gelegentlich auch mal mit Fragen ein.

Der ältere Bruder gibt sich höflicher und erscheint gut gekleidet zu seinen Verhandlungen. Auffällig ist nur sein Zittern, er hat Parkinson. Er ließ anfangs von seinem Verteidiger erklären, dass er sich vorläufig nicht äußern werde zur Anklage. Offen blieb, ob der 60-Jährige irgendwann in dem Prozess noch reden will.

Sein Bruder streitet alle Vorwürfe ab und nennt die Anklage „Grimms Märchen“. Dabei ist gerade er kein Waisenknabe, wie sein Vorstrafenregister belegt: Schon 1975 hatte er bei Augsburg einen Polizisten umgebracht und saß danach wegen Mordes fast zwei Jahrzehnte hinter Gittern. Für das Gericht ist dies ein weiterer Grund, den Prozess mit seinen mehr als 40 Verhandlungstagen unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen durchzuführen.

Rechtsanwalt hat keine Zweifel an der Schuld der Brüder

Die Brüder werden insbesondere durch das Waffenarsenal belastet, das nach der Bluttat in ihrem Umfeld sichergestellt wurde. Das Bundeskriminalamt wies nach, dass die beschlagnahmten Maschinenpistolen für die Tat verwendet wurden. An einem Seesack wurden zudem Blut von Vieth und genetische Spuren des jüngeren Angeklagten entdeckt.

Rechtsanwalt Walter Rubach, der die Witwe des ermordeten Polizisten vertritt, hat keinen Zweifel an der Schuld der Brüder: „Der Verdacht ist sehr dicht, da ist kein Widerspruch zu erkennen.“ Er erwartet in dem Prozess „nichts anderes als eine Verurteilung“.

Sein Kollege Markus Meißner, der den jüngeren Bruder verteidigt, sieht dies naturgemäß anders: „Eine Verurteilung sehe ich nicht als zwingend an.“ Es gebe Belastendes, dies könne aber so oder so gewertet werden. „Es ist nach wie vor ein Indizienprozess“, betont er - und der verlaufe wie erwartet: „Es hat sich nicht viel Überraschendes rausgestellt.“

Die Verteidiger setzen insbesondere darauf, Zweifel an der Schuld der Brüder durch eine bisher nicht zugeordnete DNA-Spur nähren zu können. Denn am Tatort wurde auch ein genetischer Fingerabdruck eines unbekannten Mannes gesichert. Wie das Gericht die damit verbundenen offenen Fragen beantwortet, bleibt abzuwarten.

dpa

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