"Frustrierter Einzelgänger"

Autobahnschütze steht vor Gericht

München - Fünf Jahre war er ein Phantom und verbreitete Angst und Schrecken auf deutschen Autobahnen. Ab Montag steht ein 58-Jähriger in Würzburg vor Gericht.

Ihm wird vorgeworfen, mehr als 700-mal vom Steuer seines Lkw aus mit seinen Pistolen mit selbst gebauten Schalldämpfern andere Fahrzeuge ins Visier genommen zu haben.

Mit einer beispiellosen Datensammlung kam das Bundeskriminalamt (BKA) dem aus Kall in der Eifel stammenden Mann schließlich auf die Spur. 170 Fälle sind nun angeklagt. Weil bei einem Anschlag eine 40-Jährige am Hals getroffen wurde – sie überlebte lebensgefährlich verletzt – und bei weiteren Fällen zwei Männer verletzt wurden, klagt ihn die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes an. Außerdem muss sich der Mann wegen unerlaubten Waffenbesitzes, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten.

Der geständige Mann, den die Staatsanwaltschaft als „frustrierten Einzelgänger“ charakterisiert, wähnte sich laut Anklage auf der Autobahn im Krieg und griff aus Ärger über rücksichtslose Kollegen zur Waffe. Ziel der Schüsse waren vor allem die Ladungen von Autotransportern – weil er wohl vor Jahren einmal von einem Autotransporter abgedrängt worden war und es fast zu einem Unfall gekommen wäre. Die Verteidiger argumentieren, dass ihr Mandant die Schüsse gestanden, aber nie die Absicht gehabt habe, jemanden zu verletzen.

Die Suche nach dem Geisterschützen war für die Fahnder auch deshalb so schwierig, weil die Einschusslöcher oft erst am Zielort bemerkt wurden. So fiel es schwer, Tatort und -zeit zu ermitteln. Als der Unbekannte, der auch mehr als 180-mal Nagelplättchen auf Straßen ausgelegt haben soll, von einem Kleinkaliber auf eine Neun-Millimeter-Waffe gewechselt hatte, übernahm das BKA die Federführung.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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