Baby getötet

Ermittlungen dauern noch Monate

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Traurige Pflicht: Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens auf dem Weg zu der Wohnung im Ortsteil Partenkirchen, in der sich die Tragödie zugetragen hat.

Garmisch-Partenkirchen – Die Tötung eines zweieinhalb Monate alten Babys in Garmisch-Partenkirchen ist weitgehend aufgeklärt. Und dennoch werden die Ermittlungen noch Monate dauern. Im Mittelpunkt steht jetzt die Frage: Ist die Mutter (24) schuldfähig?

Die Erschütterung nach dieser Tat war groß. Wie kann eine Mutter ihr eigenes Baby töten? Wie kann sie mehrfach mit einem Küchenmesser auf das erst zweieinhalb Monate alte Kind einstechen? Warum hat sie das getan? Fragen, die sich die Menschen nach dem Verbrechen vor zwei Wochen im Ortsteil Partenkirchen stellten – und die auch das Ermittlungsverfahren weiter bestimmen.

„Die Sachverhalts-Aufklärung ist weitgehend vorangeschritten“, schildert Florian Gliwitzky, der Stellvertretende Pressesprecher der Staatsanwaltschaft am Landgericht München II. Die 24-jährige Mutter hatte sich am Tag nach der Tat vor dem Richter dazu geäußert, die Spuren in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses an der Hauptstraße sind gesichert, und das Ergebnis der Obduktion im Münchner Institut für Rechtsmedizin liegt vor. „Nach wie vor“ werden die Ermittlungen mit dem gleichen Vorwurf geführt: Die Frau steht unter Mord-Verdacht. Ob es eines Tages tatsächlich zu einer Mordanklage kommt, ist offen. Das hängt vom Ergebnis der weiteren Ermittlungen ab. Dr. Josef Scherer, der Ärztliche Direktor der Lech-Mangfall-Klinik für Psychiatrie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen, wiegelte in einem Gespräch mit unserer Zeitung bereits ab: „Das war kein kaltblütiger Mord, sondern ein ganz, ganz tragisches Unglück.“

Gliwitzky geht davon aus, dass das Verfahren noch rund drei Monate dauern wird. „Es geht um die Frage, ob die Beschuldigte zur Zeit der Tat Schuldunfähig oder zumindest eingeschränkt schuldfähig war.“ Bei Tötungsdelikten sei diese Frage ganz kritisch zu prüfen. Gegen den Vater (24) besteht weiter kein Vorwurf. Er hatte im Zimmer nebenan geschlafen, als sich die Tragödie in der Wohnung ereignete. Aber er hat sie nicht verhindern können.

Die 24-Jährige ist weiter in einer psychiatrischen Fachklinik untergebracht. Ein Psychologe und Psychiater werden versuchen, sie dort aufzusuchen und Eindrücke von ihr zu gewinnen. Daraus und aus langfristigen Beobachtungen in der Klinik erstellen die Experten danach Gutachten, die für die Anklage wegweisend sind. „Es braucht einen gewissen Zeitraum, um das beurteilen zu können“, sagt Staatsanwalt Gliwitzky.

Und es ist offen, ob bei den Ermittlungen oder bei der Gerichtsverhandlung alle Fragen geklärt werden können. Vor allem die Frage: warum?

Matthias Holzapfel

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