Mann (73) tot, Mädchen (17) schwer verletzt

Reichenhall: Zeugen sehen den Mörder fliehen

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Bad Reichenhall ist erschüttert von einer Bluttat mit einer Schwerstverletzten und einem Toten. Der Täter ist auf der Flucht.

Bad Reichenhall – In Bad Reichenhall ist nach dem WM-Sieg niemandem nach Feiern zumute. In der Nacht auf Montag sind zwei Menschen brutal überfallen worden. Der Täter ist noch immer auf der Flucht.

Der beschauliche Kurort Bad Reichenhall ist am Montagvormittag kaum wiederzuerkennen. Überall parken Polizeiautos, durch die Innenstadt sind rot-weiße Absperrbänder gespannt, zahlreiche Kriminalbeamte befragen seit Stunden Anwohner, Ermittler sichern Spuren. Längst hat sich überall herumgesprochen, was in der Nacht auf Montag passiert ist – aber noch immer kann es niemand fassen.

Zwei Menschen sind in der Nacht auf offener Straße Opfer brutaler Gewaltverbrechen geworden. Die Polizei geht davon aus, dass beide Zufallsopfer waren und von demselben Täter angegriffen wurden. Sie stammen beide aus derselben Region, kannten sich aber nicht. Anwohner entdeckten die Schwerverletzten nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Beide wurden ausgeraubt.

Passanten fanden die Opfer

Der 73-jähriger Mann wurde gegen drei Uhr in der Nacht blutüberströmt in der Poststraße gefunden. Er hatte schwerste Kopfverletzungen und war nicht ansprechbar. Die Passanten, die ihn gefunden hatten, alarmierten sofort die Polizei und leisteten Erste Hilfe, bis der Notarzt eintraf. Doch die Verletzungen des Mannes waren zu schwer – er starb noch auf der Straße. Bislang will die Polizei nur ausschließen, dass Schüsse gefallen sind. Ob und mit welchem Gegenstand auf den Mann eingeschlagen wurde und ob auch ein Messer im Spiel war, wird aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht bekanntgegeben.

Nur knapp eine Viertelstunde später, gegen 3.15 Uhr, ging bei der Polizei der nächste Notruf ein. Wenige Straßen weiter hatte eine schwer verletzte 17-Jährige mit letzter Kraft einen Hausbewohner auf sich aufmerksam gemacht. Sie lag ebenfalls stark blutend am Straßenrand in der Berchtesgadener Straße und sagte, sie sei gerade überfallen worden. Der Zustand der Frau war sehr kritisch. Sie wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und notoperiert. Mittlerweile schwebt sie nicht mehr in Lebensgefahr, liegt aber auf der Intensivstation und ist noch nicht vernehmungsfähig.

Bluttat in Bad Reichenhall

Bilder: Bluttat in Bad Reichenhall

Wegen des WM-Siegs der deutschen Nationalmannschaft waren auch zu der späten Uhrzeit in der Bad Reichenhaller Innenstadt noch einige Menschen unterwegs. Passanten haben einen verdächtigen jungen Mann beobachtet, der in der Nähe des zweiten Tatorts wegrannte. Die Polizei geht davon aus, dass er über die Peter-und-Paul-Gasse in Richtung Glück im Winkel geflüchtet ist.

Die Zeugen sagten aus, er sei schlank gewesen, trug eine dunkle Hose und ein schwarzes Kapuzenshirt und Schuhe mit hellen Streifen. „Diese Beschreibung ist leider sehr vage“, sagt Polizeisprecher Jürgen Thalmeier. „Aber sie ist immerhin ein kleines Mosaiksteinchen, das wir haben, um den Täter zu finden.“

Großfahndung in Bad Reichenhall

Die Großfahndung begann noch in der Nacht. Ein Hubschrauber war im Einsatz, die Kriminalpolizei suchte mit zahlreichen Spürhunden und auf Polizeipferden die Umgebung ab – ohne Erfolg. Gestern forderten die Polizisten weitere Unterstützung aus Weilheim und Rosenheim an. Die Kriminalpolizei Traunstein hat eine Sonderkommission eingesetzt. „Wir setzen alles daran, den Täter zu kriegen“, betont Thalmeier. Bei den Vernehmungen der Anwohner haben sich weitere Hinweise ergeben, die nun geprüft werden müssen. „Die Menschen hier beschäftigt es sehr, was in der Nacht auf Montag passiert ist“, sagt Thalmeier. „Sie haben kein gutes Gefühl, solange der Täter nicht gefasst ist.“

Die Polizisten vor Ort versuchen zu beruhigen – und hoffen, dass sie bald eine konkretere Spur zu dem Täter haben. „Ein so brutales Verbrechen auf offener Straße – das ist auch für uns kein Alltagsfall“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Er und seine Kollegen hoffen nun, dass die 17-Jährige bald vernehmungsfähig ist – oder auf einen entscheidenden Hinweis aus der Bevölkerung (Telefonnummer 08 61/ 9 87 34 11).

Katrin Woitsch

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