Zwanzig Mark für "Nichts geht über…"

Regensburger lüftet Geheimnis der berühmten Werbe-Melodie

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Der Bärenmarke-Spot war einer der ersten, der im Farbfernsehen gezeigt wurde.

Regensburg - Den Bärenmarke-Werbespot mit dem berühmten Slogan "Nichts geht über … Bärenmarke" kannte einst fast jeder. Die Melodie dazu hat ein Bayer komponiert. In der tz verrät er, wie es dazu kam und warum er den Jingle aus heutiger Sicht für ein Taschengeld einspielte.

Jeder kannte den Slogan. "Nichts geht über … Bärenmarke." und die Melodie dazu. Wenn der hellbraune Bär mit seinem Milchtopf in der Werbung über eine bunte Allgäuer Blumenwiese stapfte und der Werbejingle erklang, zog zu Beginn des Farbfernsehens auch immer ein Stück heile Welt ins deutsche Wohnzimmer ein. Während sich Tausende heute noch an die beliebte Werbung erinnern, weiß kaum einer, dass der Komponist der Melodie aus Bayern stammt. Aus Regensburg. Hans Huber, heute 87 Jahre alt, komponierte das kleine Stück – und konnte vom Lohn eine Woche lang essen.

Für sein Musik-Studium stieg Huber jeden Morgen um 4 Uhr in den Zug

Dem 87-Jährigen wurde die Musik in die Wiege gelegt. Als unehelicher Sohn des jüdischen Kapellmeisters Ernst Polin und einer Chorsängerin des Regensburger Stadttheaters wuchs er im Herzen der Oberpfalz auf. Schon als Kind kam er zu den Domspatzen, entdeckte hier seine Leidenschaft für die Musik. "Das war eine schöne Zeit, wir haben eine großartige Erziehung in Musik genossen", sagt Hans Huber zur tz.

Sein Vater geriet zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in ein Konzentrationslager, aus dem er nie zurückkehrte. Der Sohn kam in Gefangenschaft. Doch die Musik verlor er auch in der schrecklichen Zeit nie aus den Augen. Als er 1948 entlassen wurde, zog er zu seinem Onkel, einem Journalisten der Mittelbayerischen Zeitung, und beschloss ab 1949 Kapellmeisterei, Komposition und Klavier an der Hochschule in München zu studieren. Auf den Spuren seines Vaters erwartete den jungen Mann ein harter Alltag: "Drei Jahre lang musste ich täglich um 4 Uhr in den Zug nach München steigen", erzählt er. Mit einer kleinen Brotzeit im Gepäck. Gegen 16 Uhr fuhr er zurück nach Regensburg.

"Es gab 20 Mark, davon konnte ich eine Woche Essen kaufen"

Während einer dieser Tage in den Fünfzigern suchte eine Molkerei an der Münchner Hochschule einen Komponisten für eine Kino-Werbung. Hubers Komposition, die er für ein Orchester geschrieben hatte, kam gut an. Tage später ging es in ein Aufnahmestudio nach Laim. Huber: "So richtig wusste ich gar nicht, für was ich da überhaupt ein Stück einspielen sollte. Es gab 20 Mark, davon konnte ich eine Woche Essen kaufen. Klar, dass ich da zugesagt habe." Huber saß im Studio, spielte die Melodie ein, während der Film auf einer Leinwand vor ihm lief. Anschließend war der Auftrag erfüllt. "Einen Vertrag gab es nicht. Auch stand nirgendwo mein Name." Dass die Melodie später so erfolgreich werden sollte, ahnte niemand.

Huber hegte nie Groll darüber, dass keiner wusste, wer der Vater der Melodie ist. "Es war halt eine gute Möglichkeit, etwas dazuzuverdienen." So, das war’s – ein Kaffee wäre recht. "Mit Milch", scherzt der Musiker. "Aber es muss bei mir nicht immer die Bärenmarke sein."

Antonia Wille

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