Und das ist der Grund dafür

Bei Sturm: 180-mal Tempolimit auf Bahn-Strecken

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Ein umgestürzter Baum legte Ende September die komplette Bahnstrecke zwischen Ingolstadt und München lahm. Die Grafik im Text zeigt die Abschnitte in Bayern (rot gepunktet), bei denen bei Sturm Tempo 80 gilt.

München - Die Bahn hat bei Sturm mit Problemen zu kämpfen. Deshalb können die Züge auf weiten Strecken nur 80 km/h schnell fahren. Der Grund dafür ist offenbar, dass Bäume nicht regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Stürme ziehen auf, Stürme verziehen sich. In wenigen Wochen werden nur ein paar Leute wissen, wie dieser Rest-Hurrikan sich gleich wieder nannte, der Bayern am Mittwoch gewaltig durchgeblasen hat. Doch eins scheint in Sturmsachen eine feste Größe zu sein – die daraus folgenden Probleme bei der Deutschen Bahn. Viele würden sagen: Naja, ist halt das Wetter … Doch der BR hat nun einen anderen starken Grund gefunden, weshalb sich Verspätungen, ja gar Ausfälle von Zügen regelmäßig bei heftigen Lüfterln ergeben. Es sind Bäume und Äste, oder genauer: nicht zurückgeschnittene, die sich bei Orkanstärke in die Horizontale legen und auf ihren Reise nach unten die Oberleitung gleich mitnehmen.

Sinnvoll wäre zwar, dass der Abstand des Baumes zum Gleis die eigentliche Höhe des Baumes übertrifft. Das aber ist oft Wunschdenken, in der Realität wird zu wenig gestutzt. Der BR beruft sich bei seiner Meldung auf die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG). BEG-Geschäftsführer Johann Niggl: „Gerade in den Regionalnetzen, die durch Waldgebiete führen, stellen wir fest, dass wir nicht selten Streckensperrungen haben, weil ein Baum ins Gleis gefallen ist.“ Auch bei dem Sturm am Mittwoch hatten Bäume Oberleitungen abgerissen und Gleise blockiert. So gab es beispielsweise massive Probleme im Oberland oder von München in Richtung Starnberg. Doch gerade in Richtung Starnberg, so Bahnsprecher Franz Lindemair, sei radikal zurückgeschnitten worden. „Ich betone: radikal“, erklärte er gegenüber dem Münchner Merkur. Doch es gebe auch Grenzen. Nach einer Empfehlung des Eisenbahnbundesamtes soll links und rechts der Gleise eine sechs Meter breite Schneise frei bleiben. Äste könnten natürlich weiter fliegen, so wie auf der Starnberg-Strecke zwischen Gauting und Mühltal. Dort war ein dickes Ding auf die Oberleitung gesegelt.

Nach BEG-Angaben sind Tempolimits wegen Sturmwarnungen für bis zu 50 Prozent der extern verursachten Verspätungen im bayerischen Nahverkehr verantwortlich. Der BR fand zudem heraus, dass aus Vegetationsgründen auf 180 Strecken in Bayern bei Sturmwarnung (Windstärke 8) ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern gilt. Dieses Tempo wird auch eingehalten, wenn gar kein Sturm kommt. Ein Bahnsprecher erklärte dazu: „Geschwindigkeitsreduktionen auf Nebenstrecken führen zu keinen größeren Verspätungen, weil auf diesen Strecken ohnehin langsamere Züge fahren.“

Na, dann. Der Sturm vom Mittwoch hieß übrigens Gonzalo.

mc

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