Wer weiter will, muss umsteigen

Für die Züge der Bahn ist in Mittenwald Endstation

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Umsteigen bitte! Wer per Bahn nach Innsbruck möchte, muss in Mittenwald umsteigen - weil die Züge der Bahn keine Zulassung für Österreich haben.

Mittenwald - Umsteigen, bitte! Bahnkunden müssen auf dem Weg nach oder von Österreich in den kommenden Monaten in Mittenwald den Zug wechseln. Regionalzüge der Deutschen Bahn AG besitzen für das Nachbarland keine Zulassung mehr.

Kunden haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder über die Deutsche Bahn AG geärgert. Auf der Fahrt nach Österreich mussten die Zugbegleiter von Garmisch-Partenkirchen an die hinteren Wagen verriegeln – in Einzelfällen taten sie es jedoch schon früher. Es kam dabei zu ärgerlichen Zwischenfällen: wenn Reisende an ihrem Zielbahnhof nicht rechtzetig aus den abgeschlossenen Waggons kamen und deswegen weiter fahren mussten, als sie eigentlich wollten.

Der Grund dafür ist der selbe, weshalb die Regionalzüge von Montag, 8. April, an überhaupt nicht mehr nach Österreich rollen dürfen. Sie sind nicht mit einer so genannten Notbremsüberbrückung ausgerüstet. Die Folge: Wer mit einem Regionalzug vom Werdenfelser Land nach Österreich oder in die Gegenrichtung fahren will, muss in Mittenwald umsteigen. „Dies ist eine Übergangslösung, bis die modernen Züge der neuen Werdenfelsbahn, die allesamt über eine Notbremsüberbrückung verfügen, die Zulassung für Österreich erhalten haben“, sagt Antonia von Bassewitz, Marketingleiterin der DB Regio Oberbayern.

Zugwechsel eine Übergangslösung?

Doch diese Übergangslösung wird wohl bis wenigstens Dezember dauern. Denn von ihr genannten neuen Züge des Typs Bombardier Talent 2 sollen erst ab der Fahrplan-Umstellung durch das Werdenfelser Land rollen. Wenn alles gut geht. Die Auslieferung der modernen Einheiten soll sich nach Informationen unserer Zeitung verzögern. „Uns sind die Garnituren bis zum Fahrplanwechsel versprochen worden. Wir bestehen auf die vertraglichen Vereinbarungen“, betont ein Sprecher der Deutschen Bahn AG in München. Bis jetzt hat das Unternehmen erst 2 der 37 bestellten Fahrzeuge in Rot für die Werdenfels-Bahn abholen können. Das Investitionsvolumen umfasst rund 160 Millionen Euro. Wenn der Hersteller Bombardier die Verträge aber nicht einhalte, „dann behalten wir uns eine Klage vor“, betont der DB-Sprecher. Wegen Schäden und Mängeln an den Talent-2-Zügen hat die Bahn bereits mehrere Klagen gegen den kanadischen Konzern eingeleitet (unsere Zeitung berichtete).

Bahnkunden müssten also in dem Fall sogar noch länger in Mittenwald umsteigen. Wer von Montag an zum Beispiel von Garmisch-Partenkirchen nach Innsbruck reisen möchte, steigt in der Marktgemeinde in den Zug und fährt bis Mittenwald. Dort muss er den Wagen verlassen und in einen wartenden Zug der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) wechseln, mit dem er die Reise dann fortsetzt. „Wir wollen schauen, dass das am gleichen Bahnsteig möglich ist“, betont der DB-Sprecher. Soll heißen: Dass die Kunden auf der einen Seite aussteigen und nur auf die andere Seite des Bahnsteigs gehen müssen. Eine Erschwernis zum Beispiel für Reisende mit viel oder schwerem Gepäck, für Familien mit Kinderwagen oder für Senioren ist es trotzdem. „Zur Unterstützung ist unser Zugpersonal gerne bereit“, verspricht der Bahn-Sprecher. Zusätzliches Personal gibt es nicht.

Matthias Holzapfel

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Dass Kunden der Deutschen Bahn AG auf der Fahrt nach oder aus Österreich umsteigen müssen, liegt an einem technischen Bauteil: der Notbremsüberbrückung. „Mit ihr kann der Zug, auch wenn die Notbremse gezogen wurde, bis zu einem geeigneten Haltepunkt weiterfahren“, erläutert ein Bahn-Sprecher. Damit soll verhindert werden, dass die Wagen in einem Tunnel oder an einem Abhang stoppen – in diesen Fällen könnten sich die Fahrgäste nicht oder nur unter Gefahr retten. In Österreich ist die Vorrichtung vorgeschrieben, die Regionalzüge der Deutschen Bahn AG sind damit aber nicht ausgerüstet. Seit dem Jahreswechsel konnten die deutschen Wagen mit einer Ausnahmegenehmigung rollen – unter der Voraussetzung, dass auf österreichischen Schienen nicht mehr als vier Waggons mit Fahrgästen besetzt und alle weiteren Waggons verriegelt sind. Alternativ hätte die Bahn AG zusätzliche Zugbegleiter einsetzen müssen. Das aber lehnte das Unternehmen ab: nicht wirtschaftlich (wir berichteten). Die Ausnahmegenehmigung hat die ÖBB über den 8. April hinaus nicht verlängert.

Warum die Ausnahmegenehmigung nicht verlängert wurde, vermag der Bahn-Sprecher nicht zu sagen. Die ÖBB hatte sich bei der bisher letzten Ausschreibung um die Strecke München-Garmisch-Partenkirchen beworben; es war damals ihre erste Bewerbung für eine bayerische Verbindung. Doch den Zuschlag bekam im Juni 2010 die Konkurrentin DB Regio. Angeblich soll das Angebot der Österreicher formale Fehler aufgewiesen haben.

matt

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