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Unbeschrankter Bahnübergang als Todesfalle in Bayern: Ameisenvolk verhindert nötige Nachrüstung

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Von: Carmen Krippl

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Der Bahnübergang Seeburg ist noch immer unbeschrankt.
Der Bahnübergang Seeburg ist noch immer unbeschrankt. Opel eines 52-Jährigen wurde frontal vom Zug erfasst. © Josef Reisner/dpa

Hätte das Unglück verhindert werden können? Seit Jahren weiß man, dass für mehr Sicherheit eine Schranke am Bahnübergang Seeburg hermuss. Sieben Menschen verloren dort bereits ihr Leben.

Soyen – Samstagabend, 18 Uhr. Ein 52-Jähriger aus Soyen im Kreis Rosenheim will mit seinem Opel noch schnell den Bahnübergang Seeburg überqueren, bevor der Zug kommt. Der Übergang ist unbeschrankt. Der 52-Jährige verschätzt sich, sein Wagen wird von einem Regionalzug der Südostbayernbahn gerammt und 100 Meter mitgeschleift. Für den Mann kommt jede Hilfe zu spät, er stirbt noch an der Unfallstelle. Das tragische Unglück wäre möglicherweise zu verhindern gewesen, hätte der Bahnübergang Seeburg schon eine Schranke gehabt.

Sieben Menschen starben an unbeschranktem Bahnübergang: Wann kommt endlich die Schranke?

Laut Gemeinde hatte die Bahn von 28. Oktober bis 4. November Bauarbeiten an den zwei der drei bis dahin noch unbeschrankten Bahnübergänge in Soyen durchführen wollen: Buchsee und Seeburg sollten jeweils mit Halbschranken nachgerüstet werden. In Seeburg scheint das offensichtlich nicht geschehen zu sein. 2019 hatte am Übergang Seeburg die Trockenrasen-Knotenameise geplante Bauarbeiten an einer Beschrankung verhindert. Das fünf Millimeter große Insekt gilt als Wirt des „Hellen Wiesenkopf-Ameisenbläulings“. Dieser Schmetterling steht auf der Roten Liste – das Ameisenvolk konnte nicht weggebaggert werden.

Die Warnlichter am Bahnübergang Seeburg reichten nicht aus, um den Unfall zu verhindern.
Die Warnlichter am Bahnübergang Seeburg reichten nicht aus, um den Unfall zu verhindern. © OpenStreetMap-Mitwirkende/Grafik: Münchner Merkur

Eine Umsiedlung hätte drei Jahre gedauert. Deshalb beschlossen die Planer der Bahn, den Standort des Schalthäuschens für die Schrankenanlage zu verlegen. Soyens damaliger Bürgermeister Karl Fischberger war darüber sehr verärgert. Er hatte sich vor Ort umgesehen und sogar in der Erde gegraben: „Ich habe keine Ameise gefunden. Was ist das für ein Naturschutz, der zu derartigen Blockaden führt?“, sagt er.

Seit Unglück im Jahr 2007 ist klar, dass etwas passieren muss

Die Gemeinde Soyen wird von der Bahnlinie Rosenheim–Mühldorf durchschnitten. Von acht Übergängen für Fahrzeuge waren 2019 nur drei beschrankt. An den Bahnübergängen kam es in den vergangenen zwei Jahrzehnten ungewöhnlich häufig zu schweren Unfällen. Dass dringend etwas passieren muss in Sachen Sicherheit, war spätestens 2007 allen Soyern bewusst. Damals hatte ein 28-jähriger Milch-Tanklastfahrer den unbeschrankten Bahnübergang Mühlthal überquert.

Er wurde von einem Zug erfasst. Der Lkw-Fahrer starb, 30 Zugfahrgäste wurden zum Teil schwer verletzt. Der Bahnübergang wurde zerstört und war gesperrt. Erst vor zwei Jahren wurde eine Brücke eingeweiht. Der unbeschrankte Ersatz-Übergang Hörgen wurde geschlossen. Hier war 2016 ein 34-jähriger Autofahrer aus Gars nach einem Zusammenstoß mit einem Zug gestorben.

Der Mercedes des Mannes wurde damals 250 Meter vom Zug mitgeschleift. 25 Zuginsassen wurden verletzt. Auch hier hatte das Warnlicht nicht ausgereicht, um den Unfall zu vermeiden. Soyens Bürgermeister Karl Fischberger sagte damals: „Dieser Unfall hätte verhindert werden können.“ Am fehlenden Geld lag es nicht. Die Nachrüstung kostet für jeden Bahnübergang rund 900.000 Euro, die Summe übernehmen Bahn, Bund und Gemeinde zu gleichen Teilen. Dass die Stelle trotzdem noch unbeschrankt war, lag an einer fehlenden Unterschrift einer externen Behörde. Insgesamt haben seit 2007 nun sieben Menschen an Soyens unbeschrankten Bahnübergängen ihr Leben verloren. (CARMEN KRIPPL)

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