BOB steht, S-Bahn-Strecke gesperrt

Bahnunfall! Pendler sitzen stundenlang im Zug fest

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Die Evakuierung des Zuges. Zuvor hatten die Passagiere stundenlang in der Bahn ausharren müssen.

Deisenhofen - Eigentlich wäre die Bayerische Oberlandbahn (BOB) zum ersten Mal seit Tagen pünktlich gewesen. Wäre. Doch Mittwoch in der Früh kam’s nach einem Notarzteinsatz zwischen Deisenhofen und Solln zu stundenlangen Verspätungen.

Hunderte Passagiere steckten rund drei Stunden lang in einem Zug auf freier Strecke fest – sie sind sauer wegen des Krisenmanagements der BOB. Die S-Bahn-Linie 3 konnte zwischen Giesing und Holzkirchen nicht fahren, auch einige Meridian-Züge waren betroffen. Unter den BOB-Fahrgästen war Susanne Weiß (23), Volontärin des Tölzer Kuriers. Ihre Beobachtungen aus dem Zug:

Die vier Zugteile aus Lenggries, Tegernsee und Bayrischzell bleiben gegen 8.30 Uhr auf offener Strecke stehen. „Wegen Personenschaden verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit“, verkündet die Zugbegleiterin nach ein paar Minuten. Ein Raunen geht durch die laut BOB 400 bis 500 Fahrgäste.

Eine Frau in braunem Anorak erhebt sich von ihrem Sitz. Ihr glaube in der Arbeit niemand mehr, dass sie jeden Tag wegen der BOB zu spät komme, sagt sie. „Ich lasse mir die Situation jetzt von irgendwem bestätigen …“ Die ersten Fahrgäste ziehen sich die Kapuze über den Kopf: Die Heizung geht nicht, es ist eiskalt.

In einem Zugteil verteilt die Freiwillige Feuerwehr Wasser. Die Toiletten im Zug sind inzwischen geschlossen. „Der Tank war voll“, wird ein BOB-Sprecher später sagen.

Einige Feuerwehrmänner schaufeln draußen einen Weg vom Zug zur gegenüberliegenden Straße vom Schnee frei. Gegen 10 Uhr die Nachricht über Lautsprecher: „Es kommen sieben Busse. Wenn die da sind, wird der Zug evakuiert.“

Um kurz vor elf öffnen zwei Feuerwehrler die Tür. Sie zählen ab, wie viele Männer und Frauen in den Ersatzbus dürfen. „Von den sieben ist nur einer gekommen“, sagt einer genervt. Der Großteil der Fahrgäste muss im Zug bleiben und steht an der Tür Schlange – in der Hoffnung, es geht gleich weiter. „Der eine Bus fährt jetzt von Solln hin und her.“

Fahrgäste sitzen stundenlang in BOB fest: Bilder

Fahrgäste sitzen stundenlang in BOB fest: Bilder

Die Geduld der Pendler ist am Ende. Eine Viertelstunde später kann die BOB zurück nach Deisenhofen fahren – noch mit mehreren hundert Fahrgästen an Bord. Die Strecke wird um kurz vor zwölf wieder freigegeben – dann geht es mit der S-Bahn in die Stadt. Also rund drei Stunden nach dem Unfall …

Laut BOB-Sprecher hat die Evakuierung so lang gedauert, weil die Polizei erst ihre Erlaubnis geben musste. Und: „Mehr Busse waren nicht verfügbar, weil viele für den Schienenersatzverkehr der S-Bahn benötigt wurden.“ Ein Bahn-Sprecher sagte allerdings, im S-Bahn-Ersatzverkehr seien lediglich Taxen im Einsatz gewesen. Die Heizung sei nur in einem Teil des Zuges defekt gewesen. Na dann …

Susanne Weiß

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