"Das war nicht unser letztes Abenteuer"

Schorsch und Sepp: So war die 18-Stunden-Ballon-Irrfahrt

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Josef Höhl (links) und Georg Sellmaier in ihrem Ballon.

München - Das Ballon-Abenteuer von Josef Höhl und seinem Spezl Georg Sellmaier - über 18 Stunden waren sie mit ihrem Ballon unterwegs gewesen, landeten statt im Schwarzwald in den Hohen Tauern in Osttirol.

Als Josef Höhl und sein Spezl Georg Sellmaier in der Nacht auf Montag mit ihrem Ballon mitten in den Alpen eine Landung machen, werden sie schon erwartet: Zwei Gemsen und sechs Schneehühner begrüßen die beiden Ballonfahrer auf 2203 Metern Höhe in Osttirol. Es ist das Ende einer abenteuerlichen Reise. Über 18 Stunden waren die beiden Oberbayern mit ihrem Ballon unterwegs gewesen. In Burgkirchen (Kreis Altötting) gestartet, wollten sie eigentlich in den Schwarzwald, am Ende landeten sie inTirol. „Es war eine außergewöhnliche, aber trotzdem wunderschöne Reise“, ist das Fazit der beiden Luftvagabunden.

Los geht diese abenteuerliche Fahrt am Sonntag um 6.44 Uhr in Burgkirchen. Dass die beiden genau 18 Stunden später um 0.44 Uhr in Österreich landen, ahnen sie nicht. Der Plan steht: Sie wollen in den Schwarzwald. Die Winde treiben den Ballon aber kurzerhand über Pocking Richtung Linz. „Bis dahin war es eine wunderschöne Fahrt, dann mussten wir zweimal die Höhen wechseln und drifteten dadurch nach Süden ab“, erzählt Josef „Sepp“ Höhl (65) aus Grafing der tz.

Vorbei an Salzburg fährt der Ballon immer weiter Richtung Süden ins Hochgebirge. „Da hab ich dann zu meinem Spezl gesagt: Jetzt mach’ ma woi a Alpenüberquerung“, erinnert sich Höhl. Kurzerhand stellen sich er und sein Freund Georg „Schorsch“ Sellmaier (69) aus Marktl auf die Situation ein. Die beiden sind erfahrene Ballonfahrer, seit über 20 Jahren sind sie immer wieder in der Luft. Höhl ist sogar mit dem Astronauten Joe Kitzinger befreundet, die Luftfahrt sein Steckenpferd. „Ich habe bereits 2300 Stunden in der Luft verbracht, dieser Umweg war eigentlich kein Pro­blem“, sagt Höhl. Also queren sie spätabends den Großglockner und merken dann: Sie müssen höher, um über den Alpenhauptkamm zu kommen. Doch Ballast abwerfen wird schwer, die zehn Kilo schweren Sandsäcke sind bei minus 15 Grad festgefroren, diese weichzuklopfen ist fast unmöglich. Und die Säcke im Ganzen runterzuwerfen verbietet sich. Ein Aufsteigen ist demnach schwierig. „Also haben wir uns entschlossen, zu landen.“

Die beiden peilen einen Ort im Virgental (Osttirol) an, landen aufgrund der Winde aber in einer Mulde am Bergerkogel in 2203 Metern Höhe. „Dort haben uns dann die Viecherl angeschaut, die waren ziemlich perplex“, erinnert sich der Grafinger Höhl. Am Berg hat es zwar minus sechs Grad, aber sie sind gut ausgerüstet, beide tragen Kältekammeranzüge, sie haben gute Schlafsäcke dabei. Nachdem sie die deutsche Polizei benachrichtigt haben, hüllen sich die Männer in den Stoff des Ballons. Genug zu essen haben sie auch dabei. Sepp Höhl: „Wir hatten Brot, Speck, Schinken, Käse sowie Äpfel und Birnen – verhungert wären wir nicht.“ Auch Wasser und Saft sind mit im Korb. Während die Männer ihre Brotzeit verspeisen, läutet bei dem deutschen Ballon-Controller das Telefon Sturm: Denn Menschen, die die Ballonfahrt via GPS verfolgen, sind in Sorge. Der Ballon bewege sich nicht mehr. Doch der Controller gibt Entwarnung.

Nach einer Stärkung legen sich die Bayern schlafen. Sepp Höhl schläft fünf Stunden, sein Kumpel ein wenig kürzer: „Aber nur, weil ich so geschnarcht hab’.“ Gegen 9 Uhr kommt dann die Rettung, ein Hubschrauber holt die Ballonfahrer vom Berg. Im Tal geht’s sofort zur Polizei: Anschließend geht’s nochmal auf den Berg, der Ballon wird abgeholt. Am Dienstag waren die beiden dann schon wieder daheim und schmiedeten sofort neue Pläne: „Das war nicht unser letztes Abenteuer“, ist sich der Sepp sicher.

aw

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