Ballonfahrt: Notstopp auf 2300 Metern Höhe

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Reparaturbedürftig: Ballon „Marktkauf II“.

Was tun, wenn einem in gut 2300 Metern Höhe der Wind ausgeht? Ein Ballonfahrer aus Würzburg hat einen ungewollten Stopp auf dem Hochstadl in den Dolomiten hingelegt. Die Geschichte einer seltsamen Notlandung.

Ein spektakulärer Stopp: Ballonfahrer Jens Klähn.

Der Würzburger Jens Klähn gehört zu den erfahrenen Kräften in seinem Metier. Seit 1987 ist er Ballonfahrer, er kann auf fast 2000 Touren zurückblicken, darunter sind auch Alpenüberquerungen. Klähn ist deutscher Ranglistenpilot, er bildete Teilnehmer der deutschen Ballonfahrer-Nationalmannschaft aus – ein Ass in seiner Domäne. Die Route von Toblach im Südtiroler Pustertal nach Nikolsdorf im Drautal war da mit circa 40 Kilometern Luftlinie eher unspektakulär. Rund eineinhalb Stunden ist man normalerweise unterwegs, erzählt Klähn. Es kam anders.

Mit drei Freunden war Klähn am Mittwoch gegen 11 Uhr gestartet – als Teilnehmer des Dolomiti Ballonfestivals. 40 Ballons bildeten bunte Punkte am strahlend-blauen Himmel, die Sonne schien, ein Traum. Nur rechter Wind wollte nicht aufkommen. „Die Windsituation hat sich verändert“, sagt Klähn. Mit anderen Worten: Es herrschte Windstille. Über Funk hörte Klähn, wie ein Ballonfahrer nach dem anderen widerwillig runter ging. Die einen holte die Feuerwehr aus unwegsamen Gelände, andere hatten Glück und konnten in der Nähe einer Almhütte ihr Heißluftgefährt landen. Nur Klähn war schon entschwebt. Mit Ach und Krach schaffte es sein Ballon „Marktkauf II“ über den Kamm der Lienzer Dolomiten. Doch dann war Schluss – auch Klähn musste runter. „Irgendwann musst du dich entscheiden“, sagt der 62-Jährige.

Und er handelte: Er gab seine GPS-Daten an die zuständigen Rettungskräfte weiter und bat um Unterstützung. In rund 2300 Metern Höhe ging „Marktkauf II“ am Steilhang des Hochstadl (2680 Meter) nieder – im Korb neben Klähn zwei Mitfahrer (41 und 46 Jahre) sowie eine Mitfahrerin (23). Panik brach an Bord nicht aus – im Unterschied zur österreichischen Polizei nimmt Klähn das Wort „Notlandung“ auch gar nicht in den Mund, sondern spricht lieber von „Sicherheitslandung“. Klähn: „Das war keine fahrlässige Geschichte.“

Der Pilot von Hubschrauber „Christoph 7“ des österreichischen ADAC (OEAMTC), Klaus Rainer, wurde um 16.30 Uhr informiert. Rainer wusste: Es muss schnell gehen – denn gegen 17 Uhr bricht die Dunkelheit an und dann hätte den Ballonfahrern bei Temperaturen von minus 15 Grad eine ungemütliche Nacht bevorgestanden. Klähn habe sich schon „eine blöde Stelle“ für seine Landung ausgesucht, findet Rainer. Aber nun denn: Er hatte die GPS-Daten, „das Auffinden war nicht weiter schwierig“. Nach acht Flugminuten sah er die gelbe Hülle des Ballons zwischen Baumkraxen und Felsrinnen. Der Rest war Routine – schließlich hat Rainer schon mehrmals Ballonfahrer gerettet. Mit einem Bergetau wurden die Personen an Bord gehievt – gegen 17.25 Uhr landeten sie sicher und unverletzt am Flugplatz Nikolsdorf.

Der Ballon wurde am Donnerstag geborgen – Klähn persönlich stapfte mit Schneeschuhen durchs Gebirge und holte die zerfetzte Hülle. „Die wird genäht“, sagt er. Bald will er wieder lautlos durch die Lüfte schweben.

Dirk Walter

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