Der große Unbekannte

Baut ein russischer Oligarch in Rottach-Egern?

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Diese Villa am Rottacher Seeufer wird derzeit mit großem Aufwand umgebaut. Sie soll offenbar einem russischen Multi-Milliardär als Feriensitz dienen.

Rottach-Egern - Die stattliche Villa am Rottacher Seeufer, derzeit im Umbau begriffen, zieht die Blicke auf sich. Der Eigentümer indes will keine Aufmerksamkeit. Es soll sich um einen der reichsten Männer Russlands handeln.

Wer in Rottach-Egern am Südufer des Tegernsees spazieren geht, dessen Blick fällt unweigerlich auf eine mächtige Villa, die gerade mit großem Aufwand umgebaut wird. Neben der Villa ist ein flacheres Gebäude noch im Rohbau. Doch das gut 4500 Quadratmeter große Areal am Schorn umgibt eine Mauer des Schweigens. Nichts darf nach außen dringen.

Spricht man mit Nachbarn, ist zu erfahren, dass ein sehr vermögender Russe hier demnächst einziehen soll. Die Rede ist von einem Oligarchen, einem der reichsten Männer Russlands. Von offizieller Seite ist zur Identität des Neubürgers so gut wie nichts zu erfahren.

Zum Anwesen gehört ein Bootshaus, das sorgsam renoviert wird. „Es handelt sich um eine genehmigungsfreie Instandsetzung. Ein Abriss und Neuaufbau wären nicht zulässig gewesen“, erklärt Landratsamt-Sprecherin Gabriele Dorby . Das Amtsblatt des Landkreises Miesbach vom 23. Mai vergangenen Jahres verkündet die Genehmigung für den Anbau eines Schwimmbads. Als Bauherr tritt eine „Tegernsee (IOM) Limited“ im Steuerparadies Isle of Man in Erscheinung. Die Insel in der irischen See ist bekannt dafür, dass die wahren Besitzverhältnisse verschleiert werden. In den Offshore-Unternehmen agieren meist Strohmänner für Millionäre und Milliardäre, die ein Geschäft lieber anonym abwickeln.

Als Bauherren treten Briten auf, die den Kaufvertrag Ende Juni 2011 in München unterzeichnet haben und in die Rottacher Immobilie insgesamt etwa 20 Millionen Euro investieren wollen. Es heißt, der russische Eigentümer kenne das Tegernseer Tal seit Jahren, deswegen habe er Rottach-Egern als einen seiner Wohnsitze auserkoren. Hier wolle er abschalten und absolut inkognito seine Urlaube verbringen. Der Mann besitze ein Firmenimperium mit über 200 000 Mitarbeitern, allein 200 Leute seien mit der Verwaltung seines Vermögens beschäftigt.

Was die russischen Investoren am schönen Bayern schätzen

Für Russen ist Bayern vor allem eines: sicher. „Häuser in Bayern betrachten sie als sichere Investition, die ihren Wert noch steigert. Sie lieben Klima und Natur hier. Aber auch die Sicherheit im Land ist den Käufern wichtig“, sagt der Münchner Luxusmakler Detlev von Wangenheim. „Die russischen Interessenten fragen oft, wo sie auf dem neuen Grundstück ihr Wachhäuschen hinstellen können und bringen auch gleich ihr eigenes Sicherheitspersonal mit.“

Normalerweise schätzen die Russen eher Bestlagen im Herzogpark oder in Grünwald – aber auch in Toplage an den Seen im Umland kaufen sie ein. Wenn, dann bringen die Investoren oft auch eigene Architekten und Steuerberater mit. „Luxus bedeutet für wohlhabende Russen eine moderne Ausstattung: Designermöbel, Wellnessbäder, schicke Fußböden“, sagt von Wangenheim. Die Preisspanne der Immobilienkäufe liege oft zwischen zwei und zehn Millionen Euro.

thi

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