Bayer schildert Ereignisse am Mount Everest

"Wir waren mittendrin in der Hölle"

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Eine riesige Schneelawine rollte über das Basislager.

Tapfheim - Florian Nagl aus Tapfheim befand sich beim Erdbeben in Nepal im Basiscamp des Mount Everest. Der Bayer schildert die dramatischen Momente.

Es waren Sekunden, die über Leben und Tod entschieden. Florian Nagl aus Tapfheim (Kreis Donau-Ries) befand sich beim Erdbeben in Nepal im Basiscamp des Mount Everest. Er überlebte die Katastrophe. Doch sein Freund, der Google-Manager Dan Fredinburg, schaffte es nicht. „Unser Traum vom Dach der Welt hat sich in eine Katastrophe verwandelt“, schreibt der 32-jährige Bergsteiger aus Schwaben, der in Kathmandu auf seine Heimreise wartet, in seinem Internet-Tagebuch.

Lange hatten sie das große Abenteuer geplant, den Mount Everest zu besteigen, den höchsten Berg der Welt: Florian, Dan und ihr Freund Michele machten sich im März zur Expedition auf. Die drei waren ein eingespieltes Team, kannten sich durch ihre Arbeit bei Google und hatten so manchen Berg bezwungen.

Als das verhängnisvolle Erdbeben vor eineinhalb Wochen das Himalayaland erschüttert, befinden sich die drei im Basislager auf 5270 Metern Höhe. „Wir waren mittendrin in der Hölle im Base Camp“, schreibt der 32-Jährige. „Unsere Zelte wurden Hunderte von Metern weggeweht oder unter Geröll und Eis begraben.“ In seinem Blog beschreibt Florian auch die Sekunden vor dem Unglück, die Macht des Bebens. Er ist gerade in seinem Zelt, als er plötzlich herumgeschleudert wird. Dann hört er ein Krachen, verwirrt springt er aus seinem Zelt. „So laut, dass ich die Wucht in meinem ganzen Körper spürte.“ Die Sicht ist schlecht, die Wolken hängen tief, woher das Krachenkommt, kann Florian nicht erkennen. An ein Erdbeben denkt er nicht. Er schnappt sich noch sein Handy und seine Jacke. Als er aufschaut, sieht er schon eine unglaubliche Schneelawine auf sich zukommen. „Sie war das Größte, Furchterregendste und Mächtigste, was ich je in meinem Leben gesehen habe“, schreibt er. „Wie der Atompilz in Hiroshima, den ich schon so viele Male im Fernsehen gesehen habe.“ Florian hetzt los, springt hinter einen Felsen. Dann bricht die weiße Welle schon über ihm. Er kann nicht atmen, kühlschrankgroße Felsen, rasiermesserscharfe Eisbrocken, Zelte, Äxte fliegen ihm um den Kopf. Nach einer Minute ist alles vorbei. Ruhe. Irgendwann spürt er ein Schütteln. Es ist sein Freund Michele. Dieser hatte sich ebenfalls hinter dem Felsen versteckt. Als sie sich umsehen, wissen sie, dass sie riesiges Glück gehabt haben. Die beiden suchen sofort nach den anderen. Doch beim Blick auf das Basislager folgt der Schock: „Alles weiß, bedeckt von einer dicken Schneeschicht. Dazwischen weiße Silhouetten.“

Von Dan fehlt jede Spur. Dann entdecken sie ihren toten Freund. „Stille, Leere. Ich fühle, wie meine Welt auseinanderbricht“, schreibt Florian. Insgesamt tötete die Lawine 21 Menschen in dem Basislager.

Spenden erbeten

Mehrere Hilfsorganisationen benötigen dringend Spenden, um vor Ort vor allem verletzten und verwaisten Kindern zu helfen. „Fast eine Million Mädchen und

Buben sind betroffen“, berichtet Unicef München. Spenden kann man bei Unicef auf folgendes Konto mit der Nummer: 303 040 400 bei der Commerzbank München, BLZ: 700 800 00, Stichwort: Erdbeben Nepal.

Eine weitere Organisation vor Ort ist die Nepalhilfe Beilngries mit der Kontonummer 46 22 707 und BLZ: 721 60 818, Volksbank Bayern Mitte eG, Stichwort Erdbeben.

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