Wirbel um illegalen Welpen-Handel

Shitstorm: Umweltministerin Scharf soll zurücktreten

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Bei einer Polizeikontrolle am Montag wurden diese Welpen beschlagnahmt.

München - Nur wenige Tage nachdem an der bayerischen Grenze über 200 Hundewelpen aus Transportern gerettet wurden, sollen die Tiere angeblich zurückgeschickt werden. Die zuständige Ministerin dementiert.

Nur zwei Tage nachdem zwei illegale Transporte aus Ungarn und der Slowakei mit je 47 und 170 Hundewelpen an Bord an den bayerischen Grenzen gestoppt werden konnten, kursiert diese Schock-Nachricht: Die Tiere sollen nun angeblich wieder in ihre Herkunftsländer zurück. Die Welpen wurden nach ihrer Beschlagnahmung auf mehrere Tierheime in Bayern verteilt. Fast alle sind krank, schwach oder zu jung.

Schuld daran soll laut einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V. eine Verfügung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, kurz BMEL, sein, die besagt, dass die beschlagnahmten Tier nach juristischer Prüfung - sofern sie transportfähig sind - zurückgeschickt werden sollen. Konkret müssten das die Behörden vor Ort entscheiden.

"Rücktransport wäre das Todesurteil"

Nach einer dem Tierschutzbund angeblich vorliegenden Verordnung, haben sich die örtlichen, dem bayerischen Umweltministerium unterstehenden Behörden aber bereits entschieden, die geschwächten Jungtiere in die Slowakische Republik beziehungsweise nach Ungarn zurückzuschicken. Die zuständigen Tierheime und der Dachverband reagieren entsetzt und schlagen Alarm.

„Keine Tierschutzministerin, kein Tierschutzminister darf auch nur erwägen, solch malträtierte Tiere wieder in den Transport zu geben. Ein Rücktransport wäre für die viel zu geschwächten Tiere das Todesurteil", meint Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in einer Pressemitteilung. Die Wut der Tierschützer richtet sich gegen die zuständige bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf.

Was sagt Umweltministerin Scharf selbst dazu?

Schröder deutet in seiner Presserklärung an, dass der Rücktransport nur eine  Möglichkeit sei, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Besonders perfide wäre im Zuge dieser Maßnahmen der Hinweis der bayerischen Umweltministerin, iauf die finanzielle Schieflage der Tierheime. Dafür hätte sich der Freistaat jahrelang trotz Mahnungen nicht interessiert, meint Schröder und fordert den Rücktritt von Ulrike Scharf. Offensichtlich sei die Ministerin "fachlich völlig überfordert", so der Präsident.

Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf.

Nach Bitte um Stellungnahme durch unsere Onlineredaktion dementierte die Ministerin: „Eine Rückführung dieser illegal eingeführten Tiere ist nicht geplant." Wenn überhaupt, dann käme eine Rückführung nur dann in Frage, wenn gewährleistet sei, dass den Tieren keine Schmerzen oder Leid zugefügt werden und sie transportfähig seien: "Ob die im Einzelfall gegeben ist, obliegt der Beurteilung durch die zuständige Behörde vor Ort", verweist die Ministerin. Außerdem, so Scharf, dürften nur Tiere mit ausreichender Tollwut-Impfung eingeführt werden, und den hätten die betroffenen Welpen nicht.

Shitstorm gegen die Ministerin bei Facebook

Trotz des Dementi tobt der Sturm, besser gesagt der Shitstorm, auf der Facebook-Seite der bayerischen Umweltministerin. Kommentare, wie der von Franka E. sind dort zu lesen:"Ich als Tierärztin bin maßlos entsetzt über dieses Vorhaben, die armen Tiere in den sicheren Tod zu schicken, anstatt sie gut zu versorgen und dann zu vermitteln." Petra W. meint: "Das mit den Welpen werden wir uns alle merken!". Brigitte W. wird deutlicher: "Sie sind für den Tierschutz untragbar! Schämen Sie sich nicht?". Auch eine Petition, die Scharfs Rücktritt fordert, wird bei Facebook massenhaft geteilt. Über 3000 Menschen haben bereits unterschrieben.

Hier geht es zu der vollständigen Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V.

vf

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