In München und  Nürnberg

Bezirke fordern Drogenkonsumräume

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Josef Mederer, Präsident des Bayerischen Bezirketags.

München - Es klingt zunächst wie ein Widerspruch: Süchtige sollen unter ärztlicher Aufsicht ihre mitgebrachten Drogen konsumieren, um länger am Leben zu bleiben. Doch genau das fordert aktuell der Bayerische Bezirketag in einem Schreiben an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

In dem Brief von Präsident Josef Mederer (CSU) heißt es: „Wir bitten Sie dringend, von der Verordnungsermächtigung zeitnah Gebrauch zu machen, um in den Städten München und Nürnberg die Errichtung von Drogenkonsumräumen zu ermöglichen.“ Mederer merkt an, dass „angesichts der steigenden Zahlen an Drogentoten eine kleine Gruppe von Konsumenten mit den gegenwärtigen Angeboten des Hilfesystems nicht erreicht wird“.

Was zunächst merkwürdig anmutet, hat einen realistischen Hintergrund: Denn viele Drogenabhängige sterben, weil sie bei der Einnahme ihrer Betäubungsmittel allein sind. Tritt nun eine lebensbedrohliche Situation ein – etwa in einer öffentlichen Toilette oder einer Privatwohnung – ist niemand in der Nähe, den Betroffenen erste Hilfe zu leisten. In einem sogenannten Drogenkonsumraum jedoch würde Fachpersonal einen möglichen Kollaps schnell erkennen und könnte sofort lebenserhaltende Maßnahmen einleiten.

Dass Bedarf vorhanden ist, machen die besorgniserregenden Zahlen von Drogentoten in München deutlich. Bereits in diesem Jahr sind allein in der Landeshauptstadt 17 Rauschgifttote zu beklagen, ebenso viele wie zur gleichen Zeit im Vorjahr. Insgesamt starben 2015 in München 66 Menschen an Drogen. Bayernweit waren es 314 Rauschgifttote – ein Negativrekord seit dem Jahr 2000. Damals verzeichnete die Statistik 340 Drogentote. Im selben Jahr beschloss die damalige Bundesregierung, den Ländern die Einführung von Drogenkonsumräumen zu gestatten. Sechs Bundesländer haben diese seitdem eingeführt, Bayern nicht. In einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk sagte die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) Anfang März: „Es ist ein Widerspruch, wenn einerseits Besitz und Erwerb von Rauschgift strafrechtlich zu verfolgen sind, andererseits der Konsum von illegal beschafftem Rauschgift in Drogenkonsumräumen staatlicherseits erleichtert und geschützt wird.“

Fachleute sind indes von der Zweckmäßigkeit der Drogenkonsumräume überzeugt. Andreas Czerny, Geschäftsführer des Münchner Vereins „Prop“ mit den Schwerpunkten Prävention, Jugendhilfe und Suchttherapie, macht deutlich, dass es immer Abhängige geben werde, die den Ausstieg aus der Sucht durch Therapien nicht schafften. „Auch diese Menschen haben ein Recht auf Leben.“ Er sieht Drogenkonsumräume als Chancen. Mehr Polizeikontrollen vor Konsumräumen fürchtet er nicht: „Die Situation ist schon jetzt ähnlich. Wer bei uns zum Spritzentausch kommt, ist in der Regel auch Konsument. Die Polizei hält sich in der Gegend mit Kontrollen zurück.“

Ob und wie Horst Seehofer auf die Post vom Bezirketag reagiert, ist noch offen. Die Referentin des Bezirketags, Celia Wenk-Wolff, gibt jedenfalls deutlich zu verstehen, dass man sich sehr wünsche, Drogenkonsumräume zu ermöglichen.

Andrew Weber

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