Soll Terminvergabe erleichtern

Bayerisches Corona-Impfportal geht online - und sorgt für Aufregung im Netz: Anmeldung verweigert

In Bayern geht das Corona-Impfterminportal online.
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In Bayern geht das Corona-Impfterminportal online.

„Ein wichtiger Schritt zur Pandemiebekämpfung“, sagt Gesundheitsminister Klaus Holetschek über die Einführung des neuen Corona-Impfportals. Es soll die Impf-Terminvergabe erleichtern.

  • In Bayern ging am Montag das neue Corona*-Impfportal online.
  • Eine Registrierung soll die Vergabe von Impfterminen erleichtern.
  • Viele Politiker freut die Einführung - einige Nutzer üben jedoch Kritik.

Update vom 12. Januar, 16.53 Uhr: Der Weg zur Impfung kann steinig sein. Das musste auch das Ehepaar R. aus Nymphenburg erfahren. Nachdem sich Horst R. reibungslos auf dem entsprechenden Portal registrieren konnte, verweigerte das System anschließend seiner Frau Renate die Registrierung. Der Grund: Die Eheleute dürfen nicht dieselbe E-Mail-Adresse nutzen. „Wir haben aber nur eine gemeinsame Adresse. Es kann doch nicht sein, dass ich diese nicht hernehmen darf“, berichtet Renate R.

Jetzt muss sich die Seniorin eine eigene E-Mail einrichten lassen - und das obwohl sie sich mit dem Internet wie viele Gleichaltrige schwer tun. Ihre Tochter Claudia: „Hier wird die ältere Generation mit der Technik allein gelassen.“

Marie Louise B. (85) aus Oberschleißheim wiederum versucht seit Tagen, einen Termin am Unterschleißheimer Volksfestplatz zu ergattern. Es ist eins der drei Impfzentren des Landkreises München. Die Anmeldung über die Internetseite der Impfzentren klappte, allerdings schickt sie das Computersystem zum Impfzentrum am Karlsfelder See im Kreis Dachau.

Ob diese Anlaufstelle auch wirklich die richtige ist, wollte Marie Louise B. bereits mehrfach durch Rückfrage bei der Behörde klären. Doch die lokale Telefonnummer, die auf der Internetseite des Kreises München angegeben wird, ist dauerbesetzt. Marie Louise: „Ich verstehe nicht, wozu die Behörden eine Telefonnummer angeben, wenn man nie durchkommt.“ Eine weitere Nummer wäre die bundesweite Hotline: 116 117.

Erstmeldung vom 12. Januar:

München - Vor knapp zwei Wochen ging es deutschlandweit los mit der Impfung gegen das Coronavirus*. Auch ein Plan, wer wann den Impfstoff verabreicht bekommt, wurde erstellt. Zunächst sollen Risikogruppen und ältere Menschen an der Reihe sein. Um für sie einfacher einen Impftermin zu finden, ging jetzt das Portal BayIMCO („Bayerisches Impfmanagement gegen Corona“) online. Aber schon kurze Zeit später hagelte es Kritik.

Bayern: Neues Corona-Impfportal soll Terminvergabe erleichtern

Alle Impfwilligen können sich ab heute auf www.impfzentren.bayern in dem neuen Impfportal registrieren lassen. Dafür benötigt man nur eine E-Mail-Adresse und ein selbstgewähltes Passwort. Anschließend müssen einige persönliche Daten ausgefüllt werden. Diese dienen zur Kontaktaufnahme. Dann müssen weitere Fragen beantwortet werden, um feststellen zu können, ob man Teil einer Risikogruppe* ist. Hat die Registrierung geklappt, werden im nächsten Schritt ab 20. Januar die Impftermine vergeben. Mit der Registrierung auf dem Portal seien so bereits alle wichtigen Informationen, die im Rahmen der Impfung relevant werden könnten, hinterlegt, schreibt das bayerische Gesundheitsamt in einer Pressemitteilung.

Der neue Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte zur Einführung: „Die Freischaltung des Registrierungsportals ist ein weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen die Corona-Pandemie*. Es besteht aber für Impfwillige kein Grund zur Hektik. Denn eine möglichst schnelle Registrierung führt nicht automatisch zu einem schnellen Impftermin. Die Vergabe der Impftermine orientiert sich vielmehr streng an der Zugehörigkeit zu der jeweils aufgerufenen Prioritätengruppe.“ Ebenfalls positiv quittierten die Vorsitzenden des Bayerischen Landkreistages, der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter, und des Bayerischen Städtetages, der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr, die Einführung des Portals.

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Bayern: Corona-Impfportal kommt bei den Nutzern nicht gut an

Ganz so überzeugt wie die Politiker sind viele Nutzer der neuen Registrierungsplattform nicht. Hauptkritikpunkt ist dabei, dass die Anmeldung nicht auf die betreffende Altersgruppe angepasst wurde. Nur wenige über 80-Jährige besäßen eine E-Mail-Adresse oder eine Handynummer. Diese seien für die Registrierung aber notwendig. Auf Twitter schreibt eine Angehörige: „Meine 81-jährige Tante hat nur Festnetz. Ich hab jetzt meine Nummer eingetragen, um sie anmelden zu können. Wer denkt da nicht mit?“ Auch fehle wohl die Kategorie „Pflegende Angehörige“. Ein Nutzer fordert hier sofortige Nachbesserung.

Auf diese Form von Kritik scheint man sich im Ministerium jedoch eingestellt zu haben. Denn in der Pressemitteilung steht: „Daneben werden aber auch weiterhin die telefonischen Terminvereinbarungen in den regionalen Impfzentren oder über die bundesweite Zentralnummer 116 117 möglich sein, um die Bürgerinnen und Bürger ohne Internetzugang bei der Registrierung zu unterstützen.“ (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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