Verein will mit gutem Beispiel vorangehen

Diskussion um E-Mountainbikes: Alpenverein plant Klimaabgabe

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Mit oder ohne Motor, Mountainbiken liegt im Trend. Doch die Mitglieder des Alpenvereins sind weiter uneins, ob die elektrisch angetriebenen Räder noch zum Verbandsmotto „aus eigener Kraft“ passen.

Das Jubiläumsjahr des Deutschen Alpenvereins neigt sich dem Ende zu. Doch bei der anstehenden Hauptversammlung wird nicht nur gefeiert – sondern auch debattiert. Reizpunkte sind der Klimaschutz und der Umgang mit elektrisch angetriebenen Mountainbikes.

München – Wenn sich am Samstag die rund 500 Delegierten des Deutschen Alpenvereins (DAV) in der kleinen Münchner Olympiahalle zur Hauptversammlung treffen, dann soll über der Landeshauptstadt ein Zeichen erstrahlen. Der Olympiaturm wird zum 150. Jubiläum des Alpenvereins am Freitag und am Samstag grün angestrahlt. Der Verband hat in diesem Jahr bereits einen Party- und Veranstaltungsmarathon hinter sich, und am Wochenende gehen die Feierlichkeiten noch einmal in den Endspurt. Doch bei aller Partylaune stehen bei der Versammlung auch kontroverse Themen auf der Tagesordnung.

Mit der Abgabe sollen Klimaschutzprojekte finanziert werden

So wird etwa über einen Antrag beraten, wonach der Deutsche Alpenverein eine Klimaabgabe einrichten soll. Das Ziel: Ab dem Jahr 2021 soll ein Euro pro Vollmitglied und Jahr in einen Topf fließen, aus dem Klimaschutzprojekte in den Sektionen, in den Landesverbänden und im Bundesverband finanziert werden. Angesichts einer aktuellen Mitgliederzahl von bundesweit ziemlich genau 1,3 Millionen käme da durchaus ein nennenswerter Betrag zusammen. DAV-Präsident Josef Klenner wirbt für diesen Vorschlag. „Ich hoffe, dass die Sektionen bereit sind, mitzuziehen“, sagt er im Vorfeld. Zudem soll eine Resolution für eine konsequentere Klimapolitik verabschiedet werden. „Die Politik muss sich endlich auf den Weg machen und weniger reden, sondern mehr handeln“, sagt Klenner. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, will der DAV seine Spitzensportveranstaltungen wie den Boulderweltcup oder das Jennerstier-Rennen im Berchtesgadener Land mit einem so kleinen ökologischen Fußabdruck wie möglich gestalten.

Einmal mehr wird den größten Bergsteigerverband der Welt auch der Spagat zwischen sportlicher Herausforderung und Naturschutz beschäftigen. Zum Dauerbrenner hat sich hier auch verbandsintern die Diskussion um den Umgang mit E-Bikes und Pedelecs entwickelt. Während die einen die neue Technik als Widerspruch zum Bergsteiger-Grundsatz „aus eigener Kraft“ sehen, sind sie für viele leidenschaftliche Mountainbiker im Verband die Zukunft des Sports. Am Wochenende diskutieren die DAV-Delegierten nun darüber, ob Mountainbikes und Berg-Pedelecs beim Erarbeiten von Lenkungskonzepten künftig gleichgestellt werden sollen. „Das dürfte eine lebhafte Debatte geben“, kündigt Klenner an. Der Bund Naturschutz hatte sich vor wenigen Tagen für ein grundsätzliches Verbot von Pedelecs im alpinen Raum ausgesprochen.

Neben den inhaltlichen Debatten stehen drei Positionen aus dem DAV-Präsidium am Samstag zur Wahl. Vizepräsidentin Burgi Beste (Bereich Bergsport) und Vizepräsident Jürgen Epple (Bereich Finanzen) stellen sich zur Wiederwahl. Der aus Kreuth (Kreis Miesbach) stammende Vizepräsident Rudi Erlacher, zuständig für Natur- und Umweltschutz, stellt dagegen sein Amt nach vier Jahren zur Verfügung. „Er hat uns gesagt, dass er lieber wieder mehr in die Berge gehen möchte“, sagt Klenner. „Das ist einerseits verständlich, aber ich bin auch sehr traurig darüber.“ Erlacher hatte immer wieder die Stimme gegen die Kommerzialisierung des Alpenraums erhoben und die Verantwortung des Verbands gegenüber der Natur eingefordert.

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