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Bewaffneter Raubüberfall in Bayern nur vorgetäuscht – „Spürbare Konsequenzen“ für Betrüger

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Von: Felix Herz

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Die Polizei in Kempten ermittelte in einem Raubüberfall. © Silas Stein/dpa/Symbolbild

Ende April war die Polizei wegen eines Raubüberfalls zu einem Wettbüro gerufen worden. Doch es gab immer mehr Ungereimtheiten – jetzt ist die Sache klar.

Kempten – 29. April, kurz nach 23 Uhr: Die Polizei in Kempten wird zu einem Wettbüro in der Klostersteige gerufen. Ein maskierter Mann habe mit einer Pistole die Herausgabe des gelagerten Bargelds gefordert. Nachdem er dieses unter Drohung mit der Waffe bekommen habe, sei er geflohen. Sofort leitete die Polizei Fahndungsmaßnahmen ein, vermeldete kurze Zeit später dann auch einen Erfolg. Der 19-jährige Tatverdächtige wehrte sich stark gegen die Festnahme, letztendlich landete er aber in der Justizvollzugsanstalt.

So in etwa lautete die Meldung Anfang Mai, als die Polizei einen schnellen Fahndungserfolg nach einem Raubüberfall vermeldete. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sowie der Kriminalpolizei Kempten werfen nun ein anderes Licht auf den Vorfall.

Polizei Kempten bewies einen richtigen Riecher: Bewaffneter Raubüberfall auf Wettbüro nur vorgetäuscht

Wegen der Schwere des Delikts wurden nach Polizeiangaben noch in der Nacht und am Wochenende umfangreiche Ermittlungen und Untersuchungen in Bezug auf den bewaffneten Raubüberfall von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei durchgeführt. Beim Tatverdächtigen wurden auch die Tatwaffe – eine täuschend echt aussehende Schreckschusspistole – sowie mehrere tausend Euro Bargeld gefunden.

Je tiefer die Beamten den Vorfall jedoch beleuchteten, desto mehr Zweifel kamen am zunächst angenommenen Vorgehen des 19-Jährigen auf, heißt es im Polizeibericht. Binnen kurzer Zeit geriet auch der Angestellte des Wettbüros ins Visier der Ermittler. Die Verdachtsmomente erhärteten sich, ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet – und letztlich auch Beweismaterial gesichert, das den Verdacht der Ermittler bestätigte.

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Betrug: Die Liste der Vorwürfe gegen die zwei Täter ist lang

Inzwischen lautet der Verdacht auch offiziell: Der Angestellte sowie der Tatverdächtige steckten bei dem vermeintlichen bewaffneten Raubüberfall in Kempten unter einer Decke. Gemeinsam wollten sie an das Bargeld des Wettbüros kommen, das Motiv sei Geldnot. Laut Polizei liegen diesbezüglich auch Teilgeständnisse vor.

Der versuchte Betrug wird dem Polizeibericht nach „spürbare Konsequenzen“ für die Täter haben. So schreibt die Polizei: „Gegen beide Männer dauern die Ermittlungen wegen des gemeinschaftlichen Vortäuschens einer Straftat, eines Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen der Unterschlagung des Geldes noch an. Hinsichtlich des 19-Jährigen kommen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und der Vorwurf des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte hinzu.“

Schadensersatzforderungen sowie arbeitsrechtliche Konsequenzen vonseiten des Wettbüros sind natürlich ebenfalls zu erwarten. (fhz)

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