20 Einsatzkräfte im Einsatz am Königssee

Dramatischer Einsatz: Urlauberin verirrt sich bei Schneefall in den Bergen - „Hätte Nacht nicht überlebt“

Im Schnee steht ein orangenes Zelt. Drumherum stehen Einsatzkräfte der Bergwacht.
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In dem Wärmezelt der Bergwacht wurde die stark unterkühlte Frau langsam wieder aufgewärmt.

Eine Wanderin aus Nordrhein-Westfalen verirrt sich bei Schneetreiben im Gebirge am Königssee. 20 Mannen der Bergwacht retten ihr nach stundenlangem Einsatz das Leben.

  • Eine Urlauberin verirrt sich in den Bergen oberhalb des Königssees. Es liegt ein halber Meter Schnee.
  • Als die Dunkelheit einbricht, ist sie unterkühlt, durchnässt und orientierungslos.
  • Ihr Begleiter alarmiert den Notruf. Die Bergretter finden die Frau in letzter Sekunde.

Schönau am Königssee - Eine Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen kann ihr Leben 20 Einsatzkräften der Bergwacht sowie einem Notarzt verdanken. Die 52-Jährige war am Donnerstag zum Wandern in den Bergen oberhalb der Gemeinde Schönau am Königssee (Kreis Berchtesgadener Land) aufgebrochen. Um 20 Uhr setzte ihr Bekannter einen Notruf ab, da sich die Frau laut einem Telefonat verirrt habe und stark ausgekühlt sei. Die Bergwacht fand die Frau zwei Stunden später - in letzter Sekunde. Die kalte Nacht „hätte die Frau mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt“, so die Bergwacht Berchtesgaden.

Bayern: Urlauberin verirrt sich bei Schneefall in den Bergen oberhalb des Königssee - Rettung in letzter Sekunde

Am Donnerstagvormittag war die Frau aus Nordrhein-Westfalen mit ihrem Begleiter mit dem Schiff über den Königssee (Kreis Berchtesgadener Land) gefahren und hatte den Röthbach-Wasserfall besucht. Um 12 Uhr machte sie sich alleine auf den Weg, um über das Landtal, das Hochgeschirr (2255m) und schließlich vom Seeleinsee (1809 m) über den Stiergraben in Richtung Priesbergalm (1450 m) abzusteigen. Ihr Begleiter fuhr mit dem Schiff über den Königssee zurück.

Laut der Meldung des Kreisverbands Berchtesgadener Land des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) hatte die Frau Probleme die Orientierung zu behalten - es lag bereits ein halber Meter Schnee. Völlig durchnässt sei sie immer weiter ausgekühlt. Im Dunkeln, nach acht Stunden Wanderung und am Ende ihrer Kräfte, verlor sie dann komplett die Orientierung. Ihr Begleiter setzte kurz nach 20 Uhr einen Notruf ab. Er gab an, mit der 52-Jährigen telefonisch Kontakt gehabt zu haben und mache sich große Sorgen.

Im Fall der vor 15 Jahren getöteten Urlauberin Simone Strobel aus Unterfranken meldeten sich jetzt die australischen Ermittler - und auch ihr Vater.

Bayern: Urlauberin verirrt sich bei Schneefall in den Bergen oberhalb des Königssee - Handy-Ortung funktioniert nicht

Der Einsatzleiter der Bergwacht Berchtesgaden versuchte durch Telefongespräche mit der Frau und auch ihrem Begleiter herauszufinden, wo sich die Verirrte befinden könnte. Eine Handy-Ortung durch die Leitstelle Traunstein funktionierte nicht. Zudem kam noch, dass die Frau aufgrund der starken Unterkühlung kaum noch sprechen konnte.

Der Einsatzleiter vermutete die Frau schließlich im Bereich des Stiergrabens. Mit dem mit Schneeketten ausgestatteten Einsatzfahrzeug fuhren die Einsatzkräfte der Bergwacht Berchtesgaden und der nachgeforderten Bergwacht Ramsau über die verschneite Forststraße bis zur Priesbergalm.

Bayern: Urlauberin verirrt sich bei Schneefall in den Bergen oberhalb des Königssee - Frau in kritischem Zustand

Von dort stiegen die 20 Mannen weiter zu Fuß auf. Eine vorausgehende Einsatzgruppe erreichte die Frau gegen 22 Uhr. Sofort kümmerten sie sich um den Wärme-Erhalt. Aufgrund des kritischen Zustands wurde ein Notarzt der Marktschellenberger Bergwacht alarmiert. 20 Minuten später trafen weitere Rettungskräfte mit zusätzlicher Ausrüstung ein.

Vorsichtig und im liegen transportieren die Bergretter die Frau den Berg hinunter.

Die Bergwacht baute ein Wärmezelt auf. Dort musste die nasse Kleidung der Frau komplett entfernt werden. Die Retter versorgten sie mit Wechselwäsche, heißem Tee und einer Wärmepackung, um sie über eine Stunde lang langsam wieder aufzuwärmen. Somit konnte die 52-Jährige ohne größeres Risiko liegend abtransportiert werden.

Der Schellenberger Bergwacht-Notarzt kam dem Tragetrupp von der Priesbergalm aus entgegen. Während des Abtransports kümmerte er sich um die Frau. Kurz nach 1 Uhr am Freitagmorgen konnte die verirrte Wanderin dann in Hinterbrand (Gemeinde Schönau am Königssee) an die Sanitäter des BRK mit Rettungswagen übergeben werden. Sie lieferten die Frau in die Kreisklinik Berchtesgaden ein.

Nach rund sieben Stunden konnten die 20 Bergretter der Bergwachten Berchtesgaden und Ramsau um 2 Uhr morgens ihren Einsatz beenden.

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