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Bilanz für Corona-Jahr 2020: Bayern sind gesünder als Rest der Deutschen - mit Ausnahme dieser Berufsgruppen

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Von: Cornelia Schramm

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Harte Arbeit leisten Pflegende – immer öfter kämpfen sie aber auch mit psychischen Erkrankungen.
Harte Arbeit leisten Pflegende – immer öfter kämpfen sie aber auch mit psychischen Erkrankungen. © Krankenhaus Weilheim

2020 waren die Bayern seltener krankgeschrieben als 2019 – obwohl es das Jahr war, in der die Pandemie begann. Bestimmte Berufsgruppen waren aber besonders häufig arbeitsunfähig – etwa Alten- und Krankenpfleger. Und das nicht wegen einer Infektion mit dem Coronavirus.

München – Für einen gefährlichen Ort hält Martin Siess Krankenhäuser nicht – auch nicht in der Pandemie. „Das Personal trägt Schutzausrüstung und arbeitet unter hohen Sicherheitsstandards“, erklärt der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Klinikums rechts der Isar in München. „Etwa neun von zehn der medizinischen Mitarbeiter haben sich im Privaten mit dem Coronavirus infiziert.“ Im Gegensatz zum Arbeitsplatz halte man sich dort eben oft nicht an Hygiene- und Abstandsregeln. Ob sich ein Krankenpfleger nun dort oder in der Klinik infiziert hat – das Ergebnis bleibt gleich: Er lässt sich krankschreiben, ist arbeitsunfähig.

Nur 0,7 Prozent der Fehlzeiten in der Krankenpflege führt die Krankenkasse Barmer in ihrem aktuellen Gesundheitsreport für das Jahr 2020 aber auf Covid19-Diagnosen zurück. Die Statistik basiert auf Daten von rund 3,8 Millionen Barmer-Versicherten in ganz Deutschland. Allein für Bayern wurden Daten von 545 000 Erwerbstätigen zwischen 15 bis 65 Jahren ausgewertet. Repräsentativ lässt sich sagen: Wer 2020 als Krankenpfleger in einem Krankenhaus in Bayern arbeitete, hatte ein höheres Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Im Bundesdurchschnitt lagen die Fehlzeiten aufgrund einer Coronainfektion nämlich bei nur 0,4 Prozent. „Das verwundert nicht, wenn man sich den Pandemieverlauf anschaut“, sagt Siess. „Die erste Welle kam über die Alpen bei uns im Süden ja zuerst an.“

Corona-Jahr 2020: Barmer-Krankenkasse veröffentlicht Gesundheitsreport

Kranken- und Altenpfleger mussten sich 2020 aber nicht wegen Corona am häufigsten krankmelden. Mit 23,9 beziehungsweise 26,6 Fehltagen sind die Spitzenreiter, liegen aber noch hinter Arbeitnehmern der Reinigungsbranche (27,4 Tage) und der Post- und Zustelldienste (30,5 Tage).

Post- und Paketzusteller in Bayern waren 2020 im Durchschnitt 30,5 Tage krankgemeldet.
Post- und Paketzusteller in Bayern waren 2020 im Durchschnitt 30,5 Tage krankgemeldet. © DPA/Friso Gentsch

„Es sind traurige Platzierungen“, sagt Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der Barmer Bayern. „Immerhin ist das deutlich länger als der Durchschnitt der Beschäftigten in Bayern 2020 mit 16,3 Tagen krankgemeldet waren.“ Sie führt noch einen Vergleich an: „Hochschullehrer etwa meldeten sich im Schnitt nur 4,4 Tage in der Arbeit ab.“ Eine gute Nachricht gebe es aber dennoch: „Die Bayern sind gesünder als der Bundesdurchschnitt: Während hier 2020 jeder Arbeitnehmer 18 Tage krankgeschrieben war, waren es in Bayern nur 16,3 Tage – nur Baden-Württemberg und Hamburg verzeichneten noch weniger.“

Paketzusteller, Gebäudereiniger und Pflegekräfte sind am häufigsten krank

Mehr als zwei Drittel der Fehlzeiten führt die Barmer auf nur vier Krankheitsarten zurück: Rund 22 Prozent sind Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, worunter etwa Bandscheibenvorfälle oder das Carpaltunnel-Syndrom an der Hand fallen. Knapp 21 Prozent machen psychische Störungen aus. Fast zwölf Prozent sind Verletzungen und gut 13 Prozent Atemwegserkrankungen. Die längsten Krankschreibungen sind mit im Schnitt 51 Tagen auf psychische Störungen zurückzuführen. Dabei sind es häufiger Frauen, die deshalb fehlen. Männer hingegen wegen Rückenschmerzen.

Putzen im Akkord: Gebäudereiniger tragen von diesem Job oft körperliche Schäden.
Putzen im Akkord: Gebäudereiniger tragen von diesem Job oft körperliche Schäden. © DPA/Geatan Bally

In der Krankenpflege kommt mehr als jeder vierte Fehltag durch Muskel-Skelett-Erkrankungen und jeder fünfte von psychischen Erkrankungen zu Stande. „Die Pandemie hat die Beschäftigten in den Kliniken körperlich und mental erheblich belastet“, sagt Siess. „Die Zahlen belegen, dass wir noch effektivere Präventionsmaßnahmen für Körper und für seelische Gesundheit in der stationären Pflege brauchen.“ Das fordert die Barmer auch für die anderen traurigen Spitzenreiter, wie Postboten und Reinigungskräfte.

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