Zeit is worn!

Bayern kriegt neuen Buchpreis

München - Seit Mittwoch steht fest: Ein handfester bayerischer Löwe ersetzt ab sofort die vergessene Corine . Und es gibt ab sofort den "Bayerischen Buchpreis".

Erinnern Sie sich an diese zauberhafte Porzellanfigur Corine aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur? Jenes zarte, anmutige weibliche Wesen durften sich die Corine-Gewinner in Sachen Literatur zehn Jahre lang mit nach Hause nehmen. Wert: 10 000 Euro. Doch 2011 wurde dieses Buch still und leise zugeklappt. Und dann passierte drei Jahre nichts …

Oder besser: nichts in der Öffentlichkeit. Doch seit Mittwoch steht fest: Ein handfester bayerischer Löwe ersetzt ab sofort die vergessene Dame. Und der Preis heißt sinnigerweise „Bayerischer Buchpreis“. Am 27. November wird er in der Allerheiligen-Hofkirche verliehen. Sponsoren sind unter anderen Freistaat und BR. Die Kosten liegen im mittleren sechsstelligen Bereich.

Kreativer als die Namensfindung ist der Literaturkritiker Denis Scheck (49), der einer dreiköpfigen Jury vorsitzt. Das Trio – neben Scheck Franziska Augstein (49) und Carolin Emcke (46) – wählt aus sämtlichen (rund 80 000) deutschsprachigen Neuerscheinungen vom vergangenen bis diesen Herbst sechs Werke aus. Drei aus dem Bereich Belletristik, drei aus dem Bereich Sachbuch. Und dann der Clou:

Die Preisträger – einer für Belletristik, einer fürs Sachbuch – werden in einer öffentlichen Jurysitzung in der Allerheiligen-Hofkirche live ermittelt. Soll heißen: ein „Literarisches Trio“, wo man sich die Köpfe heiß redet und seinen Favoriten mit allem Nachdruck Gewicht verleiht. Das alles auf straffe 60 Minuten gekürzt. „Der Stargast ist die Sanduhr“, sagte Denis Scheck am Mittwoch bei der Vorstellung im Presseclub am Marienplatz. Denn die läuft mit und stoppt gnadenlos nach 60 Minuten. „Wenn wir uns bis dahin auf keinen Gewinner einigen können, dann gibt es halt keinen Buchpreis“, so Scheck.

So weit wird’s wohl nicht kommen. Es genügt eine Zweidrittel-Mehrheit – und ein Vetorecht hat Scheck auch nicht. Die Sieger erhalten übrigens je 10 000 Euro und einen Löwen, die Platzierten immerhin noch 2000 Euro „Schmerzensgeld“, wie Scheck sagt – schließlich sitzen sie eine Stunde lang in der Hofkirche auf Kohlen und müssen anhören, was die Jury über ihre Werke zu sagen hat.

Ob denn ein bayerischer Literat bei gleicher Eignung bevorzugt …? Scheck: „Ich bin ja selbst ein Schwabe – am Ende könnte der Gewinner sogar ein Österreicher sein.“ Für die Vorauswahl bedient man sich einschlägiger Besprechungen in den Medien und liest sich die Augen wund.

Alles also straffer als bei der Corine. Keine große Gala mehr im Prinze. Nur noch zwei Kategorien zur Wertsteigerung. Und Jury-Transparenz.

Warum die öffentliche Ermittlung der Sieger unter Zeitdruck? Da kommt Schecks bester Spruch des Tages: „Wer mal eine Lesung besucht hat, der weiß: Das ist die einzige vom Gesetzgeber sanktionierte Form der Geiselnahme. Wir wollen das ändern und unterhalten.“ Der BR will eine halbe Stunde im Fernsehen senden – Termin wird nachgereicht.

Matthias Bieber

In der Allerheiligen-Hofkirche wird der Buchpreis ermittelt

Am 27. November wird in der Allerheiligen-Hofkirche der Bayerische Buchpreis ermittelt – in einer einstündigen öffentlichen Jury-Diskussion. Der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten fürs Lebenswerk wird bereits am 5. November verkündet. Wie man an Karten für die Veranstaltung am 27. November kommt, steht noch nicht fest.

Rubriklistenbild: © dpa

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