Opposition teils empört

Hochkomplexe Regeln in Bayern: Testpflicht für Treffen mit „feierlichem Charakter“ - aber nicht für Grillfeten

Neue Corona-Regeln in Bayern: Eine Grill-Party im Garten (Symbolbild)
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In Bayern gelten neue Corona-Beschränkungen. Auch für private Treffen.

Mit Test zur privaten Geburtstagsfeier, zum Grillabend ohne: Die neuen Corona-Regeln verwirren. Die Opposition im Landtag hält die Regel für unkontrollierbar.

München – Seit Montag gilt in Bayern eine Testpflicht in Innenräumen. Alle, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen beim Friseur, im Fitnessstudio oder im Restaurant nachweisen, dass sie kein Corona* haben. Das gilt in Regionen mit einer Inzidenz über 35* – faktisch sind das inzwischen fast alle in Oberbayern (siehe Grafik).

Diese Testpflicht* gilt auch im privaten Bereich. Wer seinen Geburtstag in der eigenen Wohnung feiern will, muss bei der Gästeliste künftig nicht mehr nur die 7-Tage-Inzidenz* beachten. Dazu gilt: In Städten und Landkreisen mit einem Wert über 50 dürfen nur maximal zehn Leute aus maximal drei Haushalten zusammenkommen. Geimpfte, Genesene und Kinder bis 14 werden nicht mitgerechnet.

Neue Corona-Regeln: München über 50 - Testpflicht für private Treffen mit „feierlichem Charakter“

Das gilt zum Beispiel ab Donnerstag in München*. Die Landeshauptstadt liegt seit drei Tagen in Folge über 50. Bei einer Inzidenz unter 50 ist die Zahl der ungeimpften Gäste ebenfalls auf zehn begrenzt, die Zahl der Haushalte spielt aber keine Rolle. Allerdings müssen die Gastgeber ab sofort auch kontrollieren, dass ungeimpfte Gäste getestet sind.

Die Regelung gilt laut einer Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums, sobald „Anlass, Organisation oder Programm des Zusammentreffens einen feierlichen Charakter hat“. Das heißt: für eine private Geburtstagsfeier im kleinen Rahmen gilt die Testnachweis-Pflicht, für eine Einladung zum Spieleabend oder zum Grillen gilt sie nicht. Dass die Kontrollen schwierig sind, räumt die Ministeriumssprecherin ein. Zuständig dafür sind Landratsämter und Polizei. Bußgelder drohen nicht nur den Ungeimpften ohne Testnachweis, sondern auch den Gastgebern.

FDP kritisiert neue Corona-Regeln in Bayern: „mal wieder deutlich übers Ziel hinausgeschossen“

Matthias Fischbach, der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, kann über die neue Corona-Regelung nur den Kopf schütteln. „Damit ist die Regierung mal wieder deutlich übers Ziel hinausgeschossen“, sagt er. In Baden-Württemberg beispielsweise seien private Zusammenkünfte von dieser neuen Regelung ausgenommen.

„Das Virus wird nicht mehr verschwinden“, betont Fischbach. „Wir können nicht immer mit Strafen drohen, das ist kein Konzept.“ Wer sich nicht impfen lasse, müsse künftig das Risiko tragen, sich anzustecken, sagt er. „Wir können nicht weiterhin die gesamte Gesellschaft mit solchen Regeln schikanieren.“

Neue Corona-Regeln in Bayern: Testpflicht bei privaten Treffen - Kritik von SPD und Grünen

Christina Haubrich, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, findet es grundsätzlich richtig, bei größeren Treffen in Innenräumen den Testnachweis einzufordern. „Es wird aber kaum möglich sein, dass bei privaten Zusammenkünften zu kontrollieren“, sagt sie. „Es geht jetzt um Eigenverantwortung. Kontrollen und Strafen sind nicht die richtigen Instrumente, um mehr Menschen von der Impfung zu überzeugen.“

Das sieht auch Ruth Waldmann, die Sprecherin der Landtags-SPD für Gesundheitsfragen, ähnlich. Auch sie hält die Regelung für sinnvoll, räumt aber ein: „Natürlich ist die Infektionsgefahr* bei einem Abendessen mit Freunden nicht geringer als bei einer Geburtstagsfeier. Wir müssen an die Vernunft aller appellieren.“ (Katrin Woitsch) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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