Kultusminister Michael Piazolo stößt auf keine Gegenliebe

Lehrermangel in Bayern eskaliert: Mehrarbeit soll erzwungen werden - Tausende gehen auf die Straße

Mit seinen Zwangsmaßnahmen zum Stopfen des Lehrermangels hat sich Kultusminister Piazolo bei vielen Pädagogen unbeliebt gemacht. Ihren Ärger zeigen sie öffentlich. 

  • Der Lehrermangel in Bayern eskaliert. 
  • Kultusminister Michael Piazolo hofft auf freiwillige Helfer und auf Mehrarbeit. 
  • Mit seinen Ideen stößt er auf keine Gegenliebe. 

Nürnberg/Eichstätt – Mit Transparenten und Trillerpfeifen haben viele Lehrkräfte am Freitag in Nürnberg gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels protestiert. Deutlich mehr als 2000 Menschen kamen nach Schätzungen der Bildungsgewerkschaft GEW zur Kundgebung in der Innenstadt. Fast zeitgleich demonstrierten Anhänger des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) in Eichstätt – mit demselben Anliegen: Auch sie wollen mehr Wertschätzung, auch sie sind sauer wegen der vom Ministerium verhängten Zwangsmaßnahmen. 

An zahlreichen Schulen gab es zudem dezentrale Aktionen – wie etwa in Poing (Kreis Ebersberg): Dort versammelten sich die Lehrer zweier Grundschulen schon morgens um 7.30 Uhr zu einem Protest-Foto, das dann nach München geschickt wurde. Das Motto: „Lehrer mit Herz – jetzt nicht mehr!“ „Die Kollegen draußen haben unterschiedliche Aktionen und Formate gewählt, um zu zeigen: Ich bin belastet, ich zeige Solidarität, und ich will nicht zulassen, dass das alles auf unseren Schultern ausgetragen wird“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Bayern: Lehrermangel eskaliert - Kultusminister will freiwillige Helfer

Lehrer demonstrieren gegen Maßnahmenpaket des Kultusministeriums

Der Kultusminister versuchte am Freitagvormittag noch, die Lehrer zu besänftigen. „Es ist normal, dass es Kritik gibt, aber das sind Maßnahmen, die sehr sinnvoll sind“, sagte Michael Piazolo in München. Damit meinte er die Zwangsmaßnahmen für Grund-, Mittel- und Förderschulen, die er Mitte Januar eingeführt hat. Das Kultusministerium setzt hierbei auf eine Kombination aus dienstrechtlichen und freiwilligen Maßnahmen. So können Lehrkräfte aus freien Stücken entscheiden, ob sie ihre familienpolitische Teilzeit erhöhen. Außerdem hofft Piazolo auf eine vorzeitige Rückkehr bei einer Beurlaubung, einen späteren Eintritt in den Ruhestand und eine Rückkehr von Pensionisten in den Schulalltag. Alles auf freiwilliger Basis, versichert er.

Da man laut Piazolo aber „mit freiwilligen Appellen nicht so weit kommt“, hat er gleichzeitig dienstrechtliche Maßnahmen eingeführt. Dazu zählt die umstrittene Stunde Mehrarbeit für Grundschullehrer, zunächst für ein Fünftel. Bereits in der Vergangenheit hatte das Kultusministerium (an Realschulen) diesen Weg eingeschlagen. Und das erfolgreich wie Piazolo betonte. „Diese Maßnahme ist vorübergehend und wird bezahlt“, sagte er. Die Stunden der Mehrarbeit bekommen die Lehrer gutgeschrieben und nach fünf Jahren wieder ausgeglichen.

Bayern: Lehrermangel wird zum Dilemma - Kultusminister mit „dienstrechtlichen Maßnahmen“

Zusätzlich gibt es ein Paket zur Unterstützung von Lehrkräften. Demnach will Piazolo die Lehrer bei ihrer pädagogischen Arbeit entlasten, wie etwa durch Senkung der Probenanzahl in den vierten Klassen – die vorgeschriebene Richtzahl von 22 Proben soll um zwei bis drei reduziert werden (wir berichteten). Außerdem betont der Minister, zusätzlich 3000 Grund- und Mittelschullehrkräfte zu befördern.

Wichtig ist ihm, und das machte Piazolo deutlich, dass er bei allen seinen Schritten die Kommunikation sucht. Daher fuhr er nach seinem Auftritt vor der Presse auch nach Eichstätt, um zu protestierenden Lehrern zu sprechen. In Eichstätt hatte der BLLV eine Demo angesetzt – mehrere hundert Lehrer reisten mit Bussen und Zügen an.

Bayern: Lehrermangel weitet sich aus - Lehrer gehen zu Tausenden auf die Straße

Doch die Lehrer kann Piazolo an diesem Freitag nicht für sich gewinnen. „An der Stimmung ändert das gar nichts. Die Kolleginnen und Kollegen haben es nicht als Entlastung wahrgenommen“, sagte Sebastian Jung von der GEW in Nürnberg. Die Maßnahmen, wie eine Reduzierung der Probenanzahl in der vierten Klasse oder eine Verschlankung der Zeugnisse, würden doch wahrscheinlich schnell verpuffen.

Auch in Freising* und Neufahrn* ist die Situation an den Schulen schwierig. In Freising hat die BLLV-Vorsitzende den Kultusminister angegriffen*. 

mit dpa

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Rubriklistenbild: © dpa / Nicolas Armer

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