„Sehr fragliche Intention“

Münchner Tierheim schlägt Alarm - „Was passiert mit uns nach Corona?“

In einem Tierheim der Syrischen Organisation zur Rettung von Tieren (SORA) kuschelt sich eine Katze an einen Hund.
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Tiere sollten sich nicht nur als Lückenfüller zu Corona Zeiten angeschafft werden.

In München ist ein Tierheim regelrecht am Verzweifeln. Es gibt Grund zur Sorge, wegen des sogenannten „Lockdown-Dogs“.

  • Das Coronavirus beeinträchtigt auch den Alltag im Tierheim.
  • Immer mehr Menschen wollen sich Hundewelpen oder Katzenbabys holen.
  • Dies zu Corona-Zeiten zu tun, hat aber Konsequenzen.

München - Das Münchner Tierheim in Riem hat leider Grund zur Sorge. Anhand eines emotionalen Posts auf Facebook machten die Mitarbeiter auf ein großes Problem aufmerksam, das aufgrund des Coronavirus entstanden ist. In diesem teilte das Tierheim verzweifelt mit, wie ihnen seit mehreren Monaten ein neues Phänomen aufgefallen sei. So sollen sie ungefähr doppelt so viele Anfragen nach Tierbabys, wie Hundewelpen und Katzenbabys oder auch nach anderen Kleintieren bekommen.

Klar stellten die Mitarbeiter, dass es selbstverständlich zwischendrin auch ein paar der kleinen Vierpfoter zu vermitteln gäbe. Aber lange nicht genug um die hohe Nachfrage auch nur ansatzweise decken zu können.

Tierheim München: Warum der explosionsartige Anstieg der Nachfrage nach den jungen Tieren?

Der rapide Anstieg lässt Fragen aufkommen. Warum wollen sich alle ausgerechnet jetzt einen Hund anschaffen und aus welchem Grund wollen sie immer nur die Jungen? Die Mitarbeiter schreiben, dass die älteren Tiere währenddessen immer öfter abgegeben werden, aufgrund von Überforderung. Viele Besitzer kommen nämlich nicht mit der Erziehung, der Versorgung oder mit den krankheitsbedingten Kosten ihrer Vierbeiner zurecht.

„Wenn wir unsere Tierheiminsassen dann anbieten – lauter arme Seelen mit Profil und Vergangenheit, die alle aber kein bisschen weniger ein liebevolles Zuhause verdient haben wie die unbescholtenen Babies (denn sie haben ihr Schicksal ja nicht selbst verschuldet) - dann ist das Interesse an einem neuen Familienmitglied meistens wie vom Winde verweht“, berichten die Mitarbeiter.

Die Lösung der Leute, die dort keinen Welpen bekommen: Einfach auf das Internet zurückgreifen, um sich dort nach Züchtern und Tiervermittlungsvereinen zu erkundigen. Erfahrungsgemäß lassen sie sich, Mitarbeitern zufolge, ihr Vorhaben in der Regel nicht ausreden. Sowohl die Münchner Stadtverwaltung als auch die zuständigen Behörden im Münchner Umland verzeichnen ca. ein Drittel mehr Neuanmeldungen von Hunden als letztes Jahr.

Tierheim aus München appelliert: Tiere bedeuten lebenslange Verantwortung

Grund dafür: Das Coronavirus. Für Hunde, die unter diesen Umständen vermittelt werden, hat das Tierheim mittlerweile sogar einen extra Namen gefunden: den sogenannten „Lockdown-Dog“. Die Leute fühlen sich aufgrund des Lockdowns alleine und isoliert und treffen somit Impulsentscheidungen, die alles andere als überdacht worden sind. „Das halten wir grundsätzlich für eine sehr fragliche Intention.“, so das Tierheim. Die Tiere machen zwar glücklich, aber es sind dabei oft die eigenen Bedürfnisse, die „auf der Strecke bleiben.“ Ein Haustier bedeutet schließlich lebenslange Verantwortung.

Leute, die sich während des Lockdowns ein Tier zulegen, sollten also in jedem Fall an die Zukunft denken. Die Zeiten des Home-Office werden nicht ewig andauern und Reisen wird auch irgendwann wieder bedenkenlos möglich sein. Doch was passiert dann mit dem „Lockdown-Dog“? Die Tiere sind nämlich die eigentlichen Leidtragenden des Ganzen. Merken die Besitzer, dass es schwierig wird, landen die Vierbeiner meist einfach wieder im Tierheim.

Die Krönung dabei ist dann, dass die Mitarbeiter oftmals noch von den Besitzern erpresst werden. So soll ein Mann damals tatsächlich gedroht haben: „Wenn ihr den Hund nicht gleich übernehmt, lass ich ihn einschläfern/setz ich ihn auf der Autobahn aus. (lp)

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