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Gerissene Hosen, verfärbte Hemden: Bayerns Polizisten meckern über neue Uniform - mit Konsequenzen

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Von: Dominik Göttler

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Ausgewaschene Hemden, gerissene Nähte und verschwitzte Hosen - Bayerns Polizisten sind unzufrieden mit manchen Kleidungsstücken ihrer neuen Uniform. Das Innenministerium reagiert: Ab Juni dürfen ausgewählte Beamte eine neue Hose testen.

München - Achtung, Fahrzeugkontrolle! Ein Beamter der bayerischen Polizei will das Reifenprofil eines Autos kontrollieren. Als er sich bückt - ratsch! - reißt die Hose am Gesäß. Nein, das ist keine Szene aus dem Fernseh-Vorabendprogramm mit Hubert und Staller, sondern Realität. „Das sind natürlich Situationen, die man als Polizist nicht erleben möchte“, sagt Rainer Nachtigall, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Fälle wie dieses Hosenmalheur haben ihm seine Kollegen aus den bayerischen Dienststellen zuletzt immer wieder zugetragen. Einige von ihnen sind unzufrieden mit der neuen Polizeiuniform, die vor drei Jahren eingeführt wurde. Die Beamten berichten von im Schießtraining gerissenen Hosen. Von Hemden, die nach wenigen Waschgängen die Farbe verlieren. Von Hosen, die permanent am Bein kleben, weil man darin so schwitzt. Und von zu kleinen Hosentaschen, deren Inhalt beim Sitzen im Streifenwagen herausfällt. Und dann ist da noch das Hosentürchen, dessen Reißverschluss zu kurz sei für den schnellen Gang zur Toilette. 

Kritik an neuer Polizeiuniform: Im Sommer klebt die Hose an den Beinen

Peter Schall von der Gewerkschaft der Polizei, der

Rainer Nachtigall, Deutsche Polizeigewerkschaft
Rainer Nachtigall, Deutsche Polizeigewerkschaft. © fkn

zweiten großen Interessensvertretung der Polizisten in Bayern, berichtet von rund 700 Zuschriften, in denen Verbesserungen angemahnt werden. „Es ist einfach nervig, wenn man bei jeder Bewegung im Sommer erst mal an der Hose zupfen muss, weil sie an den Beinen klebt.“

Eigentlich hatten die Beamten ihre neue Dienstkleidung vor der Umstellung ausführlich getestet. 500 Polizisten durften die neue Uniform acht Monate lang Probetragen. Damals frohlockten die Teilnehmer des Trageversuchs noch: Vor allem die Hosen seien um Welten besser als das alte Modell. Und jetzt? Entblößte Polizisten im Einsatz. Gewerkschafter Nachtigall kritisiert: „Die Qualität der ausgelieferten Teile entspricht nicht der aus dem Trageversuch.“

Kritik an neuer Polizeiuniform: Beamte müssen Kleidung selbst bezahlen

Ihre Dienstbekleidung bekommen

Peter Schall, Gewerkschaft der Polizei
Peter Schall, Gewerkschaft der Polizei. © fkn

die rund 27.500 bayerischen uniformierten Polizisten vom Logistik Zentrum Niedersachsen, das insgesamt sieben Bundesländer mit Uniformen versorgt. Bezahlen müssen die Beamten die Kleidungsstücke selbst. Sie bekommen dafür einen Zuschuss von monatlich 22,50 Euro. Die in Verruf geratene „Mehrzweckhose Sommer“ kostet beispielsweise 36 Euro und 33 Cent. Das dunkelblaue Hemd, langärmlig, liegt bei 25,99 Euro.

Aber wo liegt nun der Fehler? Nachtigall sieht zwei Möglichkeiten. Entweder laufe bei der Ausschreibung für die neuen Teile etwas schief. Oder der Hersteller liefere nicht die gewünschte Qualität und das Logistik Zentrum kontrolliere das nicht gut genug. Denn die Niedersachsen produzieren die Kleidungsstücke nicht selbst, sie vergeben lediglich den Auftrag.

Kritik an neuer Polizeiuniform: Nur 0,3 Prozent Reklamation aus Bayern

Dort weist man die Kritik aus Bayern zurück. „Das Logistik Zentrum Niedersachsen beschafft zu 100 Prozent die durch den Freistaat Bayern vorgegebene Bekleidung“, sagt eine Sprecherin des niedersächsischen Innenministeriums. Lediglich 0,3 Prozent der bayerischen Ware werde reklamiert, auch sonst gebe es keine Beschwerden.

Das bayerische Innenministerium hat auf die Kritik aus den eigenen Reihen reagiert. Bei rund 400 Beschwerden, die bislang registriert wurden, könne zwar nicht von einem grundsätzlichen Qualitätsproblem die Rede sein, sagt ein Sprecher. Ab Juni soll aber dennoch ein weiterer Trageversuch mit 300 Beamten für eine neue Hose gestartet werden. Wenn die gut angenommen wird, sollen die Polizisten laut Innenministerium künftig zwischen beiden Modellen wählen können. 

Außerdem soll noch heuer entschieden werden, ob Bayerns Polizei künftig von einem eigenen Logistikzentrum ausgestattet wird. Bislang habe der Freistaat darauf wegen „hoher Projektrisiken“ verzichtet. Denn eine Folge könnte sein, dass die Kleidungsstücke dann teurer werden. Der Vertrag mit Niedersachsen läuft jedenfalls noch bis Ende 2021.

Eine Verfolgungsjagd mit irrem Tempo hat sich ein Raser über 120 Kilometer mit der Polizei geliefert. Am Münchner Flughafen musste die Polizei wegen eines unbekleideten Mannes am S-Bahnsteig eingreifen - dieser wurde auch noch aggressiv. Als die Polizei nachts einen BMW-Fahrer kontrollieren will, flieht dieser mit 200 km/h und schaltet das Licht aus. Bei einem Treffen mit seiner Ex-Freundin geht der Mann auf die Frau los und tritt sogar noch auf die am Boden Liegende ein.

Dominik Göttler, Mirjam Uhrich

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