Acht Jahre nach der Tat

Rosenheimer Bankräuber im Kosovo verurteilt - er dachte, in seiner Heimat sei er sicher

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2011 überfiel ein maskierter Mann aus dem Kosovo eine Bank in Rosenheim und setze sich anschließend in seine Heimat ab. 

Ein junger Mann aus dem Kosovo überfällt eine Sparkassenfiliale in Rosenheim, setzt sich in seine osteuropäische Heimat ab - und ist damit aus demSchneider. Möchte man meinen. Doch jetzt wurde dem Räuber in

Rosenheim/Pristina – Fünf Jahre muss der heute 31-jährige Mann im Gefängnis verbringen - so das Urteil des Amtsgerichts Pristina. Den Schuldspruch nehmen Polizei und Staatsanwaltschaft in Rosenheim mit großer Genugtuung zur Kenntnis.

Rosenheim: Bankräuber aus dem Kosovo gelingt die Flucht - trotz Großfahndung

Schließlich mussten die Fahnder damit rechnen, dass der Bankräuber straffrei davonkommt. Immerhin liegt der spektakuläre „Coup“ von Rosenheim schon über acht Jahre zurück. Tatort war im Frühjahr 2011 die Sparkassenfiliale Happing-Rosenheim im Stadtteil Kaltmühl. „Räuber kam mit der Plastiktüte“ hatten die OVB-Heimatzeitungen damals getitelt.

Der junge Mann, der an einem Donnerstagmorgen plötzlich in Kaltmühl am Schalter stand, hatte nicht nur eine gelbe Plastiktüte mit roter Aufschrift dabei, sondern auch eine Pistole. Die Waffe hielt er den geschockten Sparkassen-Mitarbeitern in der Happinger Straße vor die Nase und verlieh damit seiner Forderung Nachdruck: Er wollte Bargeld.

Der mit Kapuzenpulli, Mütze und Schal vermummte Bankräuber bekam auch, was er wollte. Rund 35 000 Euro soll er in die Tüte gestopft haben. Dann floh er und verschwand zwischen den Häuserblöcken in Kaltmühl. Sofort startete die Polizei eine Großfahndung. 40 Streifenbesatzungen suchten nach dem Mann, Hubschrauber kreisten über dem Rosenheimer Süden. Trotzdem konnte der „Kapuzenräuber“ entkommen.

Kosovo-Räuber bleibt jahrelang unentdeckt 

Hatte er einen Komplizen, der im Fluchtwagen wartete? Es sah ganz danach aus. Drei Stunden später fiel einem Zeugen am Bahnhof ein Mann auf, der ein paar 100-Euro-Scheine verlor. Darauf angesprochen, lief der Unbekannte davon. Er wurde als Osteuropäer beschrieben wurde, war aber älter als der Bankräuber.

Bald fanden die Rosenheimer Ermittler die Identität des mutmaßlichen Täters heraus: ein damals 23-jähriger Mann aus dem Kosovo, der in Rosenheim wohnte. Aber in der Region suchten die Fahnder vergeblich nach ihm. Er hatte sich in sein Heimatland abgesetzt. Deshalb bat die Rosenheimer Staatsanwaltschaft die Republik Kosovo um die Übernahme der Strafverfolgung. Das war 2014, wie Oberstaatsanwalt Gunther Scharbert auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte. Alle Ermittlungsunterlagen wurden damals den Kollegen in Pristina übergeben.

In seinem kleinen Heimatland (knapp 1,9 Millionen Einwohner) konnte der Rosenheimer Bankräuber vier Jahre lang untertauchen. Dann klickten im Sommer 2018 die Handschellen. Nun folgte das Urteil. Der heute 31-Jährige soll in dem Prozess geständig gewesen sein. Vor Gericht stand er ausschließlich wegen des Bankraubs in Oberbayern von 2011.

Das Ausland bietet keinen Schutz für Täter

Für Scharbert, den Leiter der Staatsanwaltschaft Rosenheim, ist das Urteil der gelungene Abschluss eines beispielhaften grenzübergreifenden Ermittlungsmarathons: „Der Fall zeigt, dass die Zusammenarbeit mit dem Kosovo erfreulich gut funktioniert.“ Das gelte nicht nur für die junge Republik (unabhängig erst seit 2008), sondern auch für andere osteuropäische Staaten - zum Beispiel Albanien.

So sendet das Urteil über den Einzelfall in den Augen der Rosenheimer Fahnder eine klare Botschaft an Straftäter und die Bevölkerung: Wer glaubt, dass Straftäter auf der sicheren Seite sind, wenn sie in ihren Heimatländern außerhalb des EU-Raums abtauchen, der täuscht sich. Auch das Strafmaß - fünf Jahre für den bewaffneten Raubüberfall - lässt sich gut mit den Maßstäben deutscher Rechtssprechung in Einklang bringen. Weil nach dem Verfahren nun auch der Strafvollzug im Kosovo abgewickelt wird, spart sich der deutsche Staat auch noch eine Menge Geld an Haftkosten und für die Resozialisierung nach der Entlassung aus dem Gefängnis.

Für die betroffenen Sparkassen-Angestellten war der Überfall ein Albtraum. Aber sie haben das traumatische Erlebnis überwunden. „Unseren Mitarbeitern geht es gut, so wurden damals vom Haus entsprechend begleitet“, teilte Sparkassen-Sprecherin Linda Gallner mit.

Ludwig Simeth

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Auch dieser Fall sorgte für Aufsehen: Seit Mai 2016 führte Bankräuber Manuel H., der als Glatzenräuber bekannt wurde, die bayerischen Behörden an der Nase herum. Nun wurde er endlich gefasst! Beim Münchner Hauptbahnhof erbeutete ein Bankräuber zunächst mehr als 10.000 Euro - doch er machte schon vor dem Raub schwerwiegende Fehler, berichtet tz.de*.

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