Leck in Bodensee-Schiff

MS Bayern in Seenot: 59 Passagiere müssen gerettet werden

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Manövrierunfähig treibt die MS Bayern auf dem Bodensee, die 59 Passagiere werden gerettet.

München - Den 59 Passagieren an Bord der MS Bayern auf dem Bodensee fuhr der Schrecken in alle Glieder. Eine Windböe hatte verhängnisvolle Folgen.

Die MS Bayern startet derzeit jeden Tag von Lindau aus zu Rundfahrten im östlichen Teil des Bodensees. Mit Blick auf Bregenz samt Seebühne sowie auf den 1062 Meter hohen Pfänder, und tuckert dann wieder zurück zum Anlieger an der Lindauer Spielbank. Am Mittwoch jedoch nahm die Tour ein jähes Ende, kaum dass sie begonnen hatte.

Das knapp 31 Meter lange Schiff legt planmäßig um 15 Uhr ab. 59 Passagiere sind an Bord gegangen, damit sind etwa ein Viertel der Plätze besetzt. Der Bodensee hat derzeit wenig Wasser, doch der 56-jährige Kapitän kennt die natürliche, aber sehr enge Fahrrinne bestens. Schließlich ist er seit Jahrzehnten auf dem Schwäbischen Meer unterwegs und gilt als sehr erfahren und besonnen. Doch als eine Windböe das 90 Tonnen schwere Schiff erfasst, ist auch er machtlos – die MS Bayern wird seitlich versetzt und kracht trotz des sehr geringen Tiefgangs von 95 Zentimetern mit dem Ruder gegen einen Stein. Es reißt ein etwa zehn mal fünf Zentimeter großes Loch in die Bordwand, Wasser dringt ein.

Der Kapitän muss das manövrierunfähige Boot noch ein Stück weit freifahren, er setzt aber sofort einen Notruf ab. Die MS Lindau eilt zur Unfallstelle, geht längsseits und nimmt die 59 Passagiere auf. In gerade einmal einer Viertelstunde ist die Rettungsaktion gelaufen, alle sind in Sicherheit.

Gegenüber der Wasserschutzpolizei lobten die Passagiere den Kapitän und seine Crew (ein Matrose und drei Servierkräfte) für deren umsichtiges Handeln. Sie hätten sich jederzeit gut informiert gefühlt, es habe keinerlei Panik an Bord gegeben und die gesamte Aktion sei koordiniert abgelaufen. Das Schiff sei, so ein Polizeisprecher zur tz, „immer stabil und aufrecht im Wasser gelegen.“ Obwohl im Maschinenraum das Wasser rund 30 Zentimeter hoch stand, habe keine Gefahr bestanden, dass es untergeht.

Die Passagiere wurden zurück nach Lindau gebracht, die MS Bayern wurde noch auf dem See weitgehend leergepumpt und in eine Werft in Fußach (Vorarlberg) geschleppt. Dort soll das 1988 gebaute Schiff repariert werden. Den Schaden gibt die Polizei mit rund 100 000 Euro an. Rundfahrten sind laut der Reederei derzeit nicht möglich.

Volker Pfau

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