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Bayerns Seilbahnbetreiber rechnen mit guter Saison – trotz Energiekrise: „Abschalten stand nie zur Debatte“

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Von: Cornelia Schramm

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Der Verband Deutscher Seilbahnen rechnet trotz schwerer Zeiten mit einer guten Wintersaison: Wegen der Energiekrise werden viele Sportler Ski- und Fernurlaub wohl lieber ausfallen lassen und die heimischen Pisten nutzen.

München – Begeisterte Skifahrer hatten sich schon Sorgen gemacht: Wird mein Hausberg diese Saison überhaupt beschneit – trotz der hohen Energiekosten? „Wir haben viele Anfragen bekommen, ob Pisten und Lifte in Betrieb gehen“, sagt die designierte Geschäftsführerin der Brauneck- und Wallbergbahn und der Alpenbahnen Spitzingsee (Landkreis Miesbach), Antonia Asenstorfer. „Abschalten stand zum Glück nie zur Debatte, obwohl auch wir mit dreimal so hohen Stromkosten rechnen müssen.“

Preise für Skipässe und Seilbahnkarten steigen an

Die lassen auch die Ticketpreise steigen: Für Erwachsene im Schnitt um zehn und für Kinder um acht Prozent, erklärt Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen und Chef der Bayerischen Zugspitzbahnen in Garmisch-Partenkirchen. Die Prognose trifft auch das Brauneck im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen: „Der Skipass kostet jetzt 48 statt 42 Euro“, sagt Asenstorfer, die auch Vorstand im Verband der Seilbahnen ist. Auch Berg- und Talfahrt am Wallberg wird teurer: Künftig kostet das Ticket 25 statt 21 Euro.

Antonia Asenstorfer versichert, die Pisten stehen bereit.
Antonia Asenstorfer versichert, die Pisten stehen bereit. © MM

40 Prozent der gesamten Energie benötigen Bahnen, Lifte und Schneekanonen in Wintersportbetrieben. Etwa neun Gigawattstunden sind es pro Jahr bei der Zugspitzbahn. In der vergangenen Wintersaison haben die Anlagen aller deutschen Wintersportgebiete zusammen 42,2 Gigawattstunden verbraucht. „74 Prozent des verbrauchten Stroms kommen aber aus erneuerbaren Energien“, sagt Asenstorfer.

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Skifahren ist keine Umweltsünde

Zudem wird gespart: „Lifte und Bahnen erzeugen Wärme, die wir an Brauneck, Wallberg und Spitzing über Pumpen den Berg-Gastronomien zur Verfügung stellen – so brauchen sie weniger Heizöl.“ Laut Seilbahnen-Verband ist Skifahren entgegen aller Vorwürfe keine Umweltsünde: Von 4440 Quadratkilometern Gesamtalpenfläche würden nur 0,8 Prozent zeitweilig als Pistenfläche genutzt – und davon nur 25 Prozent beschneit.

Gerade in der Krise seien Seilbahnen laut Asenstorfer wertvoll, weil sie Tourismus und Wirtschaft antreiben: Ein Arbeitsplatz bei der Seilbahn sichere gut fünf Arbeitsplätze in der Region. „Nach zwei Jahren Corona besteht nun Nachholbedarf, wie wir hoffen. Wintersportler zieht es wieder in die Berge – nichts ersetzt das Gefühl, auf Schnee zu gleiten.“

Skiurlaub Zuhause ist günstiger und besser für die Umwelt

Und wie ist die Energiebilanz eines einzelnen Skifahrers? Er verbraucht pro Pistentag 16 Kilowattstunden Energie – so viel wie ein Auto für eine Strecke von 22 Kilometern, rechnet der Verband.

Je kürzer die Anfahrt zur Piste, desto geringer die Schadstoff-Emission. Und da Wintersportler heuer sparen wollen, könnte sich die Krise positiv auswirken: „Wegen steigender Energiepreise werden sich dieses Jahr viele weder Skiurlaub noch Fernreise leisten“, sagt Henrik Volpert, zweiter Vorstand im Verband. „Lieber werden die Leute ein paar Ski-Tage vor der eigenen Haustür verbringen.“ Daher blicken die Seilbahnbetreiber optimistisch in die Wintersaison. Geht die Rechnung auf, könnten diese Saison – bei idealer Witterung – kleinere Dorflifte also genauso gut ausgelastet sein wie die großen deutschen Skigebiete.

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