1. tz
  2. Bayern

Söders Booster-Versprechen scheitert schon jetzt an Realität: Heftige Kritik an Bayerns Impf-Stand

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Eldersch

Kommentare

Das Boostern in den Alten- und Pflegeheimen geht zu langsam voran. Den Schwarzen Peter reichen nun Regierung und Opposition fleißig weiter.

München - Die Corona-Impfung sei der einzige Weg aus der Corona-Pandemie*, betonte Bayern Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) in zahllosen Pressekonferenzen. Dennoch ist die Impfquote im Freistaat die schlechteste der westlichen Bundesländer. Und auch bei den sogenannten Booster-Impfungen* - also dem dritten Piks - geht es nur schleppend voran. Das ist besonders für die Bewohner der Pflege- und Altenheime gefährlich. Ihr Schutz vor dem Virus ist teilweise kaum noch vorhanden. Jetzt hagelte es Kritik für die Söder-Regierung.

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Corona in Bayern: Über ein Drittel der Pflegebedürftigen hat noch keine Booster-Impfung erhalten

Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen und Monaten zu Impfdurchbrüchen und Infektionswellen in bayerischen Pflege- und Altenheimen. In einer Einrichtung in Eichstätt starben beispielsweise sechs Menschen an einer Covid-19-Infektion. Um diese vulnerablen Gruppen zu schützen, wird von Experten empfohlen, eine Auffrischungs- oder Booster-Impfung durchzuführen. Das liegt vor allem in den Händen von mobilen Impf-Teams. Aber auch Hausärzte kümmern sich um den dritten Piks. Das bayerische Gesundheitsministerium gab jetzt Zahlen dazu bekannt.

So seien bis zum 5. November rund 40.000 Pflegebedürftige dreifach geimpft worden. Dazu würden noch einmal so viele Menschen kommen, die ihre dritte Spritze von Hausärzten erhalten haben. Geschätzt gibt es in Bayern allerdings 127.000 Pflegefälle. Das heißt, dass ein Drittel der Pflegebedürftigen noch auf ihre Auffrischung warten. Die Uhr tickt allerdings, denn die Corona-Zahlen schrauben sich täglich* in neue Höhen. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers hätten die Impfzentren mittlerweile „nahezu vollständig“ die Alten- und Pflegeheime kontaktiert. Wo Impfaktionen noch nicht stattgefunden haben, seien diese geplant.

Impfzentren in Bayern kommen schon jetzt an ihre Grenzen

Derweil versprach Söder Booster-Impfungen für alle. Es solle auch keine Priorisierung geben und keiner solle nach Hause geschickt werden, der eine Impfung bekommen wolle. Doch dieses Versprechen scheiterte hart an der Realität. Beispielsweise wurden am heutigen Samstag (13. November) zahlreiche Impfwillige in Augsburg abgewiesen, weil nicht genug Impfstoff zur Verfügung stand. Jetzt hagelte es harsche Kritik an der Staatsregierung.

Für die SPD-Gesundheitsexpertin Ruth Waldmann sind Booster-Impfungen für alle „am Ende schon sinnvoll“, verrät sie dem BR. Söders Aufruf sei aber zur Unzeit gekommen, bei gleichzeitig schlechter Vorbereitung - das verursache jetzt Chaos. „Das ist unverantwortlich, und das hätte nicht sein müssen.“ Man dürfe bei den Impf-Aktionen auch nicht die Behinderten und die Menschen, die zu Hause gepflegt werden, vergessen. Diese seien bei der ersten Impfkampagne ignoriert worden.

FDP-Politiker und Arzt Dominik Spitzer war überrascht, dass so viele ältere Menschen ihre dritte Spritze noch nicht bekommen haben. „Die Pflegeheime sollten auf jeden Fall schon längst durch sein“, sagte er dem BR. „Das darf eigentlich nicht passieren, dass die alten Leute wieder gefährdet sind.“ Er selbst habe schon im August zu Boostern begonnen. Jetzt müssten als Erstes die Lücken bei den Pflegeeinrichtungen geschlossen werden. Bei ihm in der Praxis haben die Impf-Anfragen stark zugenommen, sodass er sich überlegt, auch am Wochenende zu impfen. „Ich hoffe, dass der Impfstoff dann auch tatsächlich zur Verfügung steht.“

Impfzentren wurden erst vor kurzem runtergefahren - das rächt sich jetzt

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze verriet dem BR, es müsse jetzt „endlich geklotzt und nicht gekleckert werden beim Impfen“. Und natürlich müssten dabei vulnerable Gruppen Vorrang haben. Söders Regierung habe nicht vorausschauend gedacht und geplant. „Man hätte über den Sommer die Booster-Impfungen in Alten- und Pflegeheimen logistisch planen müssen“, konstatiert die Grünen-Politikerin. Söder würde immer wieder denselben Fehler machen und den Sommer nicht nutzen. Schulze bemängelte, zum 1. Oktober habe Söder veranlasst, „dass die Impfzentren auf ein Minimum heruntergefahren werden“ - mit der Aussage, die Hausärzte sollten sich um die Impfungen kümmern. Jetzt sollen sie von jetzt auf gleich wieder hochgefahren werden. Aber jetzt fehlt das Personal. Um Neues zu suchen, „haben wir die Zeit eigentlich gar nicht“, so die Grünen-Chefin.

Die Verteidigung der Staatsregierung hat erst einmal das Gesundheitsministerium übernommen. „Der Freistaat Bayern hat als eines der ersten Bundesländer bereits seit August gezielt die Booster-Impfungen bei den besonders vulnerablen Gruppen vorangetrieben und Angebote über die Impfzentren gemacht, insbesondere in den Heimen der Altenpflege sowie bei Pflegebedürftigen und Höchstbetagten generell“, sagte ein Ministeriumssprecher gegenüber dem BR. Die Angebote der Impfzentren hätten viele Heime jedoch abgelehnt, weil sie von Hausärzten versorgt würden. „Der Schutz der vulnerablen Gruppen hat für die Staatsregierung auch weiterhin oberste Priorität“, betonte der Sprecher. (tel/dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare