Für Terroranschlag gewappnet

Bayern stattet Rettungswagen mit Militärausrüstung aus

Würzburg - Sind Rettungskräfte in Bayern einer Terrorlage wie in Paris gewachsen? Das Innenministerium hat eine neue Richtlinie erlassen, um vorzubeugen.

Um auf einen Terroranschlag vorbereitet zu sein, haben Rettungswagen in Bayern künftig militärische Sanitätsausrüstung an Bord. Wie die Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte (AGBN) in Würzburg mitteilte, empfiehlt das Innenministerium eine Reihe neuer Ausrüstungsgegenstände. Darunter sind unter anderem sogenannte Tourniquets zum schnellen Abschnüren von stark blutenden Gliedmaßen.

„Bei einem Terroranschlag ist keine Zeit, einen stark blutenden Patienten vor Ort zu stabilisieren“, erläuterte Peter Sefrin, Vorsitzender der AGBN. Grund dafür sei die Gefahr des „Zweitschlags“, also etwa einer zweiten Bombe kurze Zeit nach einer ersten Explosion. Mit dem Abschnüren von Gliedmaßen werde das Prinzip „life before limb“ („Leben vor Gliedmaßen“) umgesetzt.

Das Innenministerium in München bestätigte die neue Handlungsempfehlung für den Rettungsdienst. Die Richtlinie sei eine Reaktion auf die Anschläge von Paris und Brüssel. Die Fahrzeuge würden nach und nach ausgestattet. Nicht bestätigen wollte ein Sprecher, dass die neuen Produkte aus der Militärmedizin stammen. Er sagte nur, die Ausrüstung sei „speziell für Sprengstoffanschläge und Schussverletzungen“. Die geplante gemeinsame Übung einer Terrorlage von Bundeswehr und Polizei, an der sich auch Bayern beteiligen will, hatte vor kurzem eine politische Diskussion ausgelöst.

Sefrin wies darauf hin, dass die Notärzte für den richtigen Einsatz der neuen Ausrüstung geschult werden müssten. Erfahrungen bei den Streitkräften hätten gezeigt, dass ein falscher Umgang mit einem Tourniquet zu einer stärkeren Blutung führen könne. Die Übernahme der Kosten für neue Ausrüstung und Schulungen sei mit den Krankenkassen geklärt, hieß es aus dem Ministerium.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Archivbild)

Auch interessant

Meistgelesen

Polizei baff: Lkw-Fahrer fällt bei Kontrolle plötzlich aus dem Führerhaus
Polizei baff: Lkw-Fahrer fällt bei Kontrolle plötzlich aus dem Führerhaus
Bayerische Radiosender verlieren Hörer - nur einer wächst sogar
Bayerische Radiosender verlieren Hörer - nur einer wächst sogar
Reizgas und Handschellen: Mann stirbt nach Festnahme plötzlich - jetzt gibt es Obduktion
Reizgas und Handschellen: Mann stirbt nach Festnahme plötzlich - jetzt gibt es Obduktion
Behörden-Irrsinn bei Pfarrfest: Veranstalter erlauben sich Scherz mit Notausgang
Behörden-Irrsinn bei Pfarrfest: Veranstalter erlauben sich Scherz mit Notausgang

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.