Keine Chance auf Schleichwege

Fahrverbote: Tirol bleibt hart und setzt neue Urlauber-Sperren

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Fahrverbote in Tirol: Szenen wie diese in der Umgebung von Innsbruck vor einigen Wochen wird es jetzt auch rund um Kufstein und Reutte geben.

Proteste hin oder her – Tirol hält an Fahrverboten eisern fest. Am Wochenende gibt es erstmals auch bei Kufstein ein ausgeklügeltes System, um die Autofahrer auf der Autobahn zu halten und Schleichverkehr zu unterbinden.

München/Kufstein – Fahrverbot, Runde drei: Erneut wird es ab Samstagfrüh Beschränkungen auf den Tiroler Straßen geben. „Die vergangene Woche angekündigten Maßnahmen sind alle noch Up-to-date“, bestätigte der Sprecher der Tiroler Landesregierung, Florian Kurzthaler, gegenüber unserer Zeitung. Erstmals wird daher das Fahrverbot auf Kufstein und Reutte ausgeweitet.

Am Samstag um 7 Uhr geht es los: Dann will Kufstein mit fünf sogenannten Dosierampeln den Verkehr auf der Autobahn halten (siehe Grafik). Dosierampel bedeutet: Sobald die Polizei feststellt, dass Ortsstraßen überlastet sind, schaltet die Ampel auf Rot – erst wenn sich der Stau innerorts aufgelöst hat, springt die Ampel wieder auf Grün.

Tirol: Polizisten positionieren sich an Autobahn-Ausfahrten 

Wer das Pech hat, in den Ampelstau zu geraten, muss mitunter Zeit einplanen. „Man kann also nicht sagen, das dauert drei Minuten oder zehn“, sagt Kurzthaler. In Tirol wird betont, dass von den Ampeln alle betroffen sind – auch einheimische Autofahrer. Man könne nicht behaupten, dass gezielt ausländische – sprich bayerische – Autofahrer diskriminiert würden. Neben den Ampeln werden auch Polizisten an den Autobahn-Ausfahrten stehen und auswärtige Autofahrer befragen, wo sie denn hinwollen. Wer nicht das nächste Gasthaus ansteuert, sondern sich als Mautflüchtling nach Tirol durchzumogeln versucht, der wird zurück auf die Autobahn verwiesen.

Sogenannte Dosierampeln sollen den Verkehr um Kufstein auf der Autobahn halten.

Ingrid Felipe (Grüne), als stellvertretende Regierungschefin in Tirol für den Verkehr zuständig, verteidigte die Fahrverbote gegen energische Proteste aus Bayern: Die Navis lotsten die Autofahrer bei einer Überlastung der Autobahn in die Wohnstraßen. Daher die Kontrollen an den Autobahn-Ausfahrten. „Die österreichische Polizei ist da aber mit sehr viel Fingerspitzengefühl unterwegs“, sagte Felipe im BR. Im Gegensatz zu Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart („erneute Gängelung“) hat der Kiefersfeldener Bürgermeister Hajo Gruber eine „gewisse Grundsympathie für viele – nicht alle – Maßnahmen“. Gruber sagt: „Vieles setzt Landeshauptmann Platter doch nur durch, weil er Druck erzeugen will, damit sich grundsätzlich etwas ändert.“ Immerhin gebe es jetzt Bewegung bei der Planung des Brenner-Nordzulaufs durch die Bahn. Von den Fahrverboten bei Kufstein erhoffe er sich sogar „eine gewisse Entlastung“ auch für den Nachbarort Kiefersfelden. Autofahrer Richtung Norden fuhren bisher oft von der Autobahn runter, um die bayerischen Grenzkontrollen zu umgehen. Seit einigen Tagen allerdings gibt es hier eine neue Situation: Die Kontrollposten sind oft stundenlang verwaist, wie die Bundespolizei gegenüber den „Tiroler Nachrichten“ bestätigte. Sie setzt verstärkt auf Schleierfahndung. Ob sich das auf den Schleichverkehr durch die Dörfer auswirke, sei jetzt die Frage, sagte Gruber. „Wir werden das beobachten.“

Bundesverkehrsminister fordert Kippen der Mautpflicht 

Er fordere von der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag aber, die Mautpflicht auf der Inntalautobahn von der Grenze bis Kufstein-Süd zu kippen und zur alten, mautfreien Regelung zurückzukehren. Die Mautpflicht führe zu Schleichverkehr schon ab Kiefersfelden.

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte dies am Montag gefordert – als „Zeichen“ für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Bayern und Tirol. Diese sind auch wegen der Blockabfertigung angespannt. Die EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc hatte diese Woche „die häufige Anwendung der Maßnahme“ kritisiert. Der Tiroler Landtag hat daraufhin am Mittwoch die „Notmaßnahmen“ einstimmig verteidigt.

Auch bei Innsbruck wird es ab Samstag Fahrverbote geben, ebenso bei Reutte. Dort sollen Durchreisende auf der Fernpassstraße (B 179) gehalten werden – sofern sie nicht ins Dorfwirtshaus wollen.

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Viele haben Verständnis, dass Tirol die Ausweichrouten an den Wochenenden sperrt. Und in Bayern? Sind bei uns Straßensperrungen wie in Tirol denkbar?

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