Frust, Schlafstörungen, Geldsorgen

Was Corona mit uns gemacht hat: Studie zeigt Stimmungslage der Bayern in der Pandemie

Wie ergeht es den Menschen in Bayern in der Ausnahmesituation durch die Pandemie? In einer großen Studie ließ die tz untersuchen, was Corona mit uns gemacht hat.

Endlich geht es mit den Impfungen voran, endlich gibt es Lockerungen bei den Corona*-Maßnahmen. Zeit für eine erste Bilanz, wie sehr die Bayern unter dem Lockdown* und der Sorge vor Ansteckung* gelitten haben. Die tz hatte im Dezember Leser dazu aufgerufen, bei einer bundesweiten Vergleichsstudie der Uni Konstanz mitzumachen – viele sind diesem Aufruf gefolgt, und so entstand ein Abbild der Stimmungslage, die sich zwischen Dezember und März dieses Jahres deutlich verdüsterte.

56 Prozent der Bayern fühlten sich an mindestens einem Tag der zwei Wochen der Befragung niedergeschlagen, schwermütig oder hoffnungslos: Die Stimmungslage war in Oberbayern (50 Prozent depressive Stimmungen) besser als in Unterfranken (67 Prozent).

„Die Ergebnisse verdeutlichen eindrucksvoll, wie vielfältig die Pandemie unser Leben prägt“, so das Fazit des Studienleiters Dr. Wolfgang Stojetz. „Die Pandemie hat enorme soziale, psychologische als auch ökonomische Auswirkungen.“ Stojetz und seine Kollegen registrierten dabei „sehr deutliche Unterschiede innerhalb Bayerns“, die manchmal größer seien als zwischen Bayern und dem Rest Deutschlands. Die tz stellt die wichtigsten Ergebnisse der Studie Leben mit Corona vor und befragte Münchner, wie es ihnen in den letzten Wochen erging.

Corona-Frust: Lebenszufriedenheit nahm in der Krise dramatisch ab

Die Lebenszufriedenheit nahm in den letzten Monaten der Corona-Krise dramatisch ab: Waren im Dezember noch 49 Prozent der Deutschen zumindest eher zufrieden als unzufrieden, so waren es im Februar und März nur noch 34 Prozent. Erwartungsgemäß war die Unzufriedenheit bei Menschen mit Einkommenseinbußen am größten (nur 32 Prozent Zufriedenheit). Innerhalb Bayerns waren Niederbayern (56 Prozent) und Münchner (51 Prozent) trotz Krise deutlich zufriedener als Unterfranken (40 Prozent) und Oberpfälzer (37 Prozent). Bundesweit nahmen die Spannungen zu Hause zwischen Dezember und März signifikant zu.

Psychische Belastungen: Viele leiden unter Schlafstörungen

66 Prozent der Bundesbürger waren in der Corona-Krise von Schlafstörungen geplagt. Besonders hart trifft die Krise die Jungen: 79 Prozent der 18- bis 25-Jährigen fühlten sich zuletzt niedergeschlagen, schwermütig oder hoffungslos (bei den über 66-Jährigen fühlten sich 42 Prozent derart schlecht). Seit Dezember gibt es einen kontinuierlichen Anstieg sowohl bei den Verstimmungen als auch bei den Schlafstörungen. Im bundesweiten Vergleich sind Bayern weniger betroffen als Menschen in anderen Bundesländern. Psychische Verstimmungen sind in Bayern acht Prozentpunkte seltener als im Rest Deutschlands (53% versus 61%). Auch innerhalb Bayerns gibt es große Unterschiede: So leiden 71 Prozent der Schwaben ,62 Prozent der Münchner und „nur“ 54 Prozent der Niederbayern unter Schlafstörungen.

Corona-Krise: Soziale Kontakte stark eingeschränkt

Treffen mit Menschen aus anderen Haushalten nahmen über die letzten Monate ab. Trafen sich im Dezember die Menschen noch mit durchschnittlich knapp drei Freunden oder Familienmitgliedern pro Woche, so wurden es bis März weniger als zwei. Für Bayern fällt auf, dass sich die durchschnittliche Anzahl der Treffen zunächst weniger stark als in anderen Teilen Deutschlands verringerte (von 2,7 im Dezember zu 2,5 im Januar).. Danach sank die Zahl der Treffen dann jedoch deutlich stärker als in anderen Bundesländern (zu 1,9 Treffen im Durchschnitt).

Angst vor Ansteckung ist groß

Die Sorge, dass sich Bekannte oder Familienmitglieder mit dem Coronavirus anstecken ist deutlich größer (71 Prozent) als die, selbst zu erkranken (54 Prozent). Dabei haben Frauen deutlich mehr Angst vor Ansteckung als Männer. Dies betrifft sowohl sie selbst (60 Prozent vs. 45 Prozent bei Männern) als auch die Sorge bezüglich anderer (76 Prozent vs. 63 Prozent).

So werden Regierungsmaßnahmen in Corona-Krise beurteilt

Beim Vertrauen in die Politik gibt es deutliche Unterschiede innerhalb Bayerns: In München vertrauen 63 Prozent der Landes- und der Bundesregierung, in Mittelfranken sind es nur 51 (bzw. 54 Prozent, die dem Bund vertrauen). Dieser Unterschied zeigt sich auch im Vertrauen auf die Corona-Maßnahmen: 62 Prozent der Münchner stützen die Maßnahmen, aber in Unterfranken nur 52 und in Mittelfranken sogar nur 44 Prozent. Generell gilt: Je höher die Lebenszufriedenheit, desto größer das Vertrauen in die Demokratie.

Wirtschaftliche Lage: Geringverdiener spüren die Krise stärker

Zwischen 24 und 33 Prozent aller 18- bis 65-Jährigen berichten von Einkommenseinbußen während der Pandemie - mit starker sozialer Schieflage: Denn besonders belastet sind Menschen mit weniger als 1000 Euro Nettoeinkommen: 44 Prozent der Geringverdiener mussten während der Pandemie mit weniger Einkommen auskommen, bei Gehältern über 4000 Euro im Monat mussten das hingegen nur 16 Prozent. Eine Schieflage gibt es hier auch innerhalb Bayerns: Am stärksten betroffen sind Menschen in Ober- und Unterfranken (36 bzw. 34 Prozent mit Einbußen), am glimpflichsten kamen München (25 Prozen) und der Rest von Oberbayern (22 Prozent) davon.

Fazit: „Die Stimmungslage in der Gesellschaft ist gespalten, aber viele Menschen sind es auch innerlich“, so Studienleiter Stojetz. „Noch immer haben viele Menschen Verständnis und Geduld. Doch die Pandemie schlägt aufs Gemüt: Die persönlichen Belastungen sind besorgniserregend, vor allem, was Stress und psychologische Gesundheit angeht.“ Deshalb lasse sich auch schwer prognostizieren, ob diese Krise die Gesellschaft am Ende eher zusammenschweißen oder spalten werde. Klaus Rimpel

Die Studie wird fortgesetzt. Sie können weiter mitmachen unter der Internet-Adresse https://lifewithcorona.org/mm-tz/

Sorgen und Ängste wegen Corona: tz-Leser berichten, wie sie die Krise erleben

Die ganze Corona-Situation belastet uns momentan sehr, auch finanziell. Nursen Ötz aus München mit Tochter Hira.

Leben vom Ersparten

Die ganze Corona-Situation belastet uns momentan sehr, auch finanziell. Auch mit der Kleinen ist es schwer. Ich bin in Elternzeit und mein Mann, der als Fahrer arbeitet, ist nun schon seit fast einem halben Jahr in Kurzarbeit. So leben wir im Moment teils von unseren Ersparnissen. Wir hoffen sehr, dass die Pandemie bald vorbei ist. NURSEN ÖTZ (38) MIT TOCHTER HIRA (9 MONATE) AUS MÜNCHEN

Sam Huston, Angestellter aus München.

Deutschland hinkt hinterher

Ich stimme mit der Art, wie im Moment Politik betrieben wird, nicht überein. Ich finde es nicht gut, dass den Menschen gesagt wird,wann sie ihr Haus verlassen dürfen oder ob sie ihr Geschäft zuschließen haben. Ich komme aus Texas, da ist inzwischen wieder alles offen. Ich habe überhaupt das Gefühl, dass die ganze Welt langsam wieder aufmacht. Nur Deutschland ist da noch komplett hinterher. SAM HUSTON (33), ANGESTELLTER AUS MÜNCHEN

Anton Ebermayer, Pensionist aus München.

Das Fitness-Studio fehlt

Mir fehlt der Sport im Fitness-Studio. Normalerweise bin ich drei Mal die Woche gegangen. Zu Hause geht das leider nicht, da ist es zu eng. Jetzt steige ich halt auf mein Radl, wenn das Wetter halbwegs schön ist. Das ist aber nicht das Gleiche. Und auch das soziale Miteinander ist nicht da: Treffen mit Freunden, eine schöne Zeit gemeinsam im Biergarten verbringen, all das fehlt. Ich freue mich schon sehr, wenn der Spuk irgendwann, hoffentlich bald, vorbei sein wird. ANTON EBERMAYER (64), PENSIONIST AUS MÜNCHEN

Matthias Körner, Unternehmer aus München.

Politik? Note 3 - 4

Die deutsche Corona-Politik finde ich nicht sehr durchgängig. Ständig gibt es Änderungen, heute so, morgen wieder ganz anders. Viele Entschlüsse sind für den Bürger nicht nachvollziehbar. Als Schulnote bekämen die Regierenden eine 3–4 von mir .Es gab zu Beginn der Pandemie ein paar wenige Politiker, die das anders handzuhaben schienen. Markus Söder war so ein Beispiel. Der schien eine klare Linie zu haben. Das hat sich allerdings mittlerweile auch wieder geändert. MATTHIAS KÖRNER (31), UNTERNEHMER AUS MÜNCHEN

Dusna Schlichter, Rentnerin aus München.

Freue mich auf Biergarten

Mir fehlt im Moment am meisten, nicht essen gehen zu können. Bei dem Wetter wäre auch ein Biergartenbesuch eine tolle Sache. Und ich würde so gern mal wieder nach Kroatien, in meine Heimat, fahren. Doch das geht gerade nicht, da müsste ich in Quarantäne. Ich hoffe, dass das mit der Impfung besser wird. Die zweite erhalte ich noch im Mai. Wenn es dann möglich ist, dann fahre ich mit dem Auto runter. DUSNA SCHLICHTER (72), RENTNERIN. MÜNCHEN

Leandro Dessoy, Meeresbiologe aus München.

In Brasilien sieht’s schlechter aus

Wir klagen hier in Deutschland auf sehr hohem Niveau. In meiner Heimat Brasilien sieht es da viel schlechter aus. Seit Beginn der Pandemie kann ich meiner Arbeit als Meeresbiologe nicht mehr so nachgehen wie normalerweise. Denn ich arbeite auf Forschungsschiffen oder Ölplattformen. Glücklicherweise hatte ich ein bisschen gespart .Aber während Corona kann man glücklicherweise ja auch nicht so viel ausgeben. LEANDRO DESSOY (53), MEERESBIOLOGE AUS MÜNCHEN

Malena Müller, Schülerin aus Penzberg.

Sorge mich um meine Großeltern

Ich bin gesundheitlich gut durchgekommen. Was mir aber durchaus Sorgen bereitet, ist die Gefahr, andere anzustecken, so zum Beispiel meine Eltern oder meine Großeltern. Die sind schon über 80 Jahre alt. Und da ich sie nicht gefährden möchte, hab ich sie seit Beginn der Pandemie nicht gesehen. Und die fehlen mir schon sehr. Es ist echt Zeit, dass die Pandemie bald zu Ende geht. MALENA MÜLLER (20), SCHÜLERIN AUS PENZBERG *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: ©  ACHIM SCHMIDT

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare