"Dieses brutale Verbrechen macht uns fassungslos"

Bayern weint um einen Polizisten

Die Münchner Polizei trauert auf ihrer Facebook-Seite mit einem ergreifendem Bild um ihren Kollegen.

Georgensgmünd - Er hat es nicht geschafft: Der von einem sogenannten Reichsbürger angeschossene Polizist (32) ist tot. Bayern ist erschüttert.

Der SEK-Beamte ist seinen schweren Schussverletzungen erlegen. Das Schicksal des 32-Jährigen hat bei Politikern und Kollegen Erschütterung und tiefe Trauer ausgelöst.

„Der Tod des jungen Polizisten im Einsatz für die Sicherheit der Menschen im Freistaat macht mich fassungslos. Ganz Bayern trauert“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Sein Innenminister Joachim Herrmann zeigte sich ebenfalls tief erschüttert: „Dieses brutale Verbrechen macht uns fassungslos.“ Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) reagierte: „Mein Mitgefühl ist in dieser schweren Stunde bei den Angehörigen.“

Der SEK-Beamte war am Donnerstagmorgen gestorben. Der selbst ernannte Reichsbürger Wolfgang P. (49) hatte am Mittwoch auf den Polizisten gefeuert, als dieser mit Kollegen dessen Haus im mittelfränkischen Georgens­gmünd stürmte. Ein Geschoss schlug knapp neben der Weste im Oberkörper des Polizisten ein. Eine weitere Kugel traf den Helm. Ein zweiter Polizist erlitt bei dem Einsatz einen Durchschuss im Arm.Das SEK wollte dem „Reichsbürger“ seine 31 Waffen abnehmen, weil er als nicht mehr zuverlässig galt.

Inzwischen hat ein Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen Wolfgang P. wegen Mordes erlassen. Der 49-Jährige äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

Der „Reichsbürger“ war vor den tödlichen Schüssen in seiner Gemeinde als nicht gefährlich eingestuft worden. Er sei zwar wegen seiner Ansichten „aufgefallen“. „Anlass zur Besorgnis gab es aber nicht“, sagte Bürgermeister Ben Schwarz (SPD). Im Januar habe der Mann seinen Personalausweis abgeben und seine Staatsbürgerschaft aufgeben wollen. Kurze Zeit später habe Wolfgang P. auch seinen Wohnsitz abgemeldet und sei „nach unbekannt verzogen“, obwohl er Eigentümer des Hauses ist und weiter dort wohnte. Wolfgang P. hatte in dem Ort ein kleines Kampfsportstudio betrieben, in dem er auch Gewaltpräventionskurse angeboten hatte.

tz

Beamte, die den Staat ablehnen

Sie nerven Ämter und Gerichte seit Jahren – die Reichsbürger, die die BRD als Staat nicht anerkennen. Nach den tödlichen Schüssen durch Wolfgang P. (49) herrscht nun große Sorge. Das Innenministerium räumte ein, dass sogar vier bayerische Polizisten bei den „Reichsbürgern“ aktiv seien. Ein Polizeihauptkommissar, der als Ausbilder bei der Polizeischule Ainring (Lkr. Berchtesgadener Land) tätig ist, wurde suspendiert. Bei drei weiteren Polizisten „prüfen wir derzeit, ob und in welcher Tiefe die Beamten einem solchen oder ähnlich gelagerten Gedankengut nahestehen“, so der Sprecher. Weitere Beispiele:

In Kaufbeuren kam es im März während eines Prozesses gegen eine 50-Jährige zu einem Tumult. In dessen Verlauf klauten Störer – alles Reichsbürger – die Akten vom Richtertisch.

Auch Nördlingen hat so ein Gerichtserlebnis: Dort war ein wegen Betrugs angeklagter Reichsbürger (63) in Richterrobe erschienen und brachte seinen eigenen Staatsanwalt mit. Verhaftung wegen Amtsanmaßung.

Auch interessant

Kommentare