Kurioser Streit

Im Bayerwald gibt's Schuhplattl-Verbot

Ottenzell - Kurioser Streit ums Schuhplatteln! Um den alpenländischen Volkstanz ist im Bayerwald ein Knatsch entbrannt, über den nun sogar der BR berichtet.

Die einen behaupten ja, dass das Schuhplattln, kurz s’Plattln, entstand, weil sich ein Nagel in den Fuß eines Knechts bohrte und der unter pulsierenden Schmerzen rhythmisch herumhüpfte. Andere wollen im Plattln Balzverhalten ähnlich dem des Auerhahns im Frühling erkennen, was in der Tat als eine der gängigen Theorien zur Entstehungsgeschichte des urbayerischsten aller Tänze genannt wird. Doch weder Nagel noch Hahn haben es bislang offiziell in den Bayerwald geschafft. Dort dürfen die Trachtler zwar schon ein wenig plattln, aber nur im Kleinen und ohne Segnung der Oberen. Guerrilla-Platteln halt. Die BR-Sendung quer berichtet am Donnerstag über den kuriosen Fall (Bayerisches Fernsehen, 20.15 Uhr).

Im Bayerwald, dem Trachtengau Waldgau, herrscht nämlich seit Alters her der Glaubenssatz: „Bei uns im bayerischen Wald wird nicht geplattelt. Das ist nicht bodenständig. Das ist nicht bei uns entstanden – denn vom Oberland kommt das Plattln runter.“ Der, der das sagt, heißt Andreas Tax und ist vom Gauvorstand. Er vertritt damit auch die Meinung der anderen Funktionäre. Letztens, bei der Jahreshauptversammlung in Ottenzell, wurde das Platteln der Jugend sogar unter dem Punkt Problemfall behandelt. Denn: Das Platteln gehört zu den Oberbayern – zu den Miesbachern, den Bayrischzellern, Ruhpoldingern. Zu kurzen Lederhosen, Haferlschuh, nicht zu den überlieferten schwarzen Bundhosen, wie man sie im Woid zu tragen pflegt. Es passt halt nicht zur Trachtensatzung. Und Tax sagte zu quer weiter: „Ich sehe es nicht für richtig, dass jemand auf der Bühne oben ist und macht einen Watschenplatter, gerade dass der unten etwas zu lachen hat. Das ist für die Belustigung der Bevölkerung. Für uns ist es wirklich wichtig, dass wir unsere Volktänze zeigen und dass wir die richtig und sauber zeigen. Und nicht, dass jemand etwas zu lachen hat …“

Recht hat er –oder? Lachen wirklich alle wie die Blöden über die lustigen Oberbayern, wenn die, Grzimek würde sagen, possierlich die Arme heben und mit den Füßen stampfen, was unten die Bretter hergeben?

Und trotz des schlechten Images im Woid ist die als Seppl-Welle gescholtene Tanzeinlage nicht aufzuhalten. Es werden gar Auswüchse gemeldet, von Burschen, die sich glatt zum Rock von AC/DC bewegen – in der Tracht! Und überall Plattlerzellen – die Lohberger Enzianbuam etwa, wo schon Kinder an das nicht satzungsgemäßen Alpen-Trara herangeführt werden. Und Jugendliche, begeisterte Plattler sagen sogar Sachen wie: „Des scheppert irrsinnig auf der Lederhosn und des Gestampfe, das ist eine gute Musik, wie das Gambu-Tanzen in Afrika.“ Gambu-Tanzen? Was immer das ist!

Immerhin: Bei der Versammlung der Trachten-Chefs einigte man sich auf einen Kompromiss. Vereinsintern wird Plattln bei Kindern und Jugendlichen „geduldet“. Etwa bei Heimatabenden. Doch bei den großen Gauveranstaltungen gibt’s das nicht. „Um bodenständing zu bleiben“, erklärte die Jugendreferentin Petra Eggersdorfer.

mc

Rubriklistenbild: © Jantz

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