Launiger Regisseur

Bayreuth: Viele Fragen bleiben offen

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Der Regisseur Frank Castorf (r-l) und die Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier

Bayreuth - Bei der traditionellen Pressekonferenz am Grünen Hügel zu den Festspielen in Bayreuth zeigte sich Regisseur Frank Castorf launig. Es blieben auch viele Fragen offen.

Geschaffen für die traditionelle Pressekonferenz am Grünen Hügel sind sie beide nicht. Weder Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP), der sich am Donnerstag erstmals die Ehre gab, dabei kurz und inhaltsarm vom „nachhaltigen“ Einsatz des Staates für Bayreuth redete. Auch nicht Frank Castorf, der erst einmal raunzte, als ihm Festspielchefin Katharina Wagner das Wort erteilte: „Ja, was soll ich jetzt sagen?“ Und: „Warum ist Petrenko nicht hier?“

Alles nur Ladehemmung. Der Mann scheint beseelt von der neuen Aufgabe. „Für mich ist das hier auch ein Stück Ferien“, sagt Castorf – auch wenn ihm nun „Gagenkürzung drohe“. Ein Konzept werde man von ihm jedenfalls nicht geliefert bekommen, das machte Berlins Volksbühnen-Chef klar.

Und dann redet er sich heiß. Ums Öl drehe sich unsere Gesellschaft. Eine „Zeitreise“ werde dieser Ring, von einer Tankstelle an der Route 66, die horizontal die USA durchzieht, bis zum Weltenbrand an der Wall Street. Wer danach übrig bleibe, sei entscheidend: womöglich Hagen. Die „interessanteste Figur“ sei dies in Wagners Tetralogie, meinte Castorf. Und dass diese von Attila Jun gesungen werde, noch eine Extra-Pointe: „Vielleicht ist das die koreanische Rache am deutschen Kulturgut.“

Der Mann hat Humor. 275 Seiten Vertrag wie jetzt in Bayreuth, so etwas habe er überhaupt noch nie gehabt. Natürlich sei die kurzfristige Übernahme der Ring-Regie „ne Art Überforderung“ gewesen. Verständigungsschwierigkeiten mit Dirigent Kirill Petrenko werden eingeräumt, durch die Diskussion über Dostojewski habe man sich allerdings angenähert.

Kaum Probleme also am Hügel, obwohl sich Castorf über die zu kurze Probenzeit beschwert hatte? Katharina Wagner ließ durchblicken, Castorf habe sein Pensum gar nicht ausgenutzt. „Der Vorwurf kommt bei mir häufig“, kommentierte der Regisseur. „Ich bin eben kurz und heftig.“

Kein Wort zu Entscheidenderem, zu den Verträgen mit den beiden Festspielleiterinnen. Bayerns Kunstministerium ist sehr an einer Verlängerung interessiert. Katharina Wagner (35) und Eva Wagner-Pasquier (68) planen auf Wunsch bereits bis 2022. Nach dem neuen Parsifal im Jahr 2016, inszeniert von Jonathan Meese, sind 2017 die Meistersinger dran. Keine große Konzept­inszenierung solle dies werden, das sei ja bereits ihre eigene gewesen, so Katharina Wagner. Dann offenbar lieber ein Lustspiel. Zu Meese hält sich die Hügel-Führung bedeckt: Hakenkreuze seien bei ihm, so die Losung, schließlich Kunst und keine Sünde wie beim letztjährig geschassten Holländer-Sänger Evgeny Nikitin mit seinen einstigen Tätowierungen.

Dass an Samuel Youn in der Titelpartie festgehalten wird, ist ein vielsagendes Statement: Evgeny Nikitin bleibt nur eine Episode. Und Christian Thielemann? Bekommt kapitale Konkurrenz am Pult – heute betritt Kirill Petrenko zum Ring-Start den Graben.

mth

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