Nur vier statt zehn Personen reisen aus

Nächtlicher Einsatz im Asylheim: Flüchtlinge wehren sich gegen Abschiebung

Ein nächtlicher Einsatz zwecks Abschiebungen im Transitzentrum in Deggendorf geht gehörig schief. Derweil gibt es Neues von der Ex-Chefin der Bremer Migrationsstelle.

Deggendorf - Sie fuhren mitten in der Nacht vor. Um 3.30 Uhr hielt ein Großaufgebot an Polizisten am bayerischen Transitzentrum in Deg­gendorf, in dem zurzeit 650 Menschen untergebracht sind. Sie sollten insgesamt zehn Personen finden, die wegen des Dublin-Verfahrens per Flugzeug nach Italien bzw. in die Slowakei abgeschoben werden sollten: Eine vierköpfige Familie aus Aserbaidschan - die Eltern und zwei Teenager (14 und 16) - sowie sechs Staatsangehörige aus Sierra Leone, darunter ein vierjähriges Kind.

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Die Überstellung gelang nur bei den Ascherbaidschanern ohne Zwischenfälle. Anders bei den Asylbewerbern aus Sierra Leone: Zwei wurde nicht angetroffen, die 21-jährige Mutter des Kindes leistete Widerstand und musste gefesselt werden. Verletzungen erlitt sie dabei nicht. Ein 19-Jähriger verletzte sich aber selbst, kam in ein Krankenhaus und später in ein Bezirkskrankenhaus. Und der letzte der Asylbewerber leistete am Münchner Flughafen Widerstand und blieb in Erding.

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Zehn Personen sollten ausgewiesen werden

Das Ergebnis der Aktion mit Kräften der Polizeipräsidien Niederbayern, Oberbayern Nord und Bereitschaftspolizei: Von sieben Erwachsenen und drei Kindern, die in die Länder kommen sollten, in die sie in die EU eingereist waren, verblieb die Familie aus Aserbaidschan.

Und auch diese Geschichte sorgt für einen Aufschrei: Bamf will Flüchtling abschieben, obwohl ihm der Tod droht.

Nach Deggendorf zurückbeordert: Josefa Schmid soll als Zeugin aussagen.

Währenddessen geht der Krimi um die abberufene Leiterin der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Josefa Schmid, weiter. Sie kämpft gegen ihre Versetzung und legte beim Bremer Oberverwaltungsgericht Beschwerde ein. Sie habe angekündigt, im Laufe der Woche eine Begründung abzugeben, sagte Gerichtssprecher Friedemann Traub.

Die Bamf-Zentrale in Nürnberg hatte Schmid in ihre bisherige Dienststelle nach Deggendorf zurückbeordert - einen Tag, nachdem ein Bericht von ihr bekannt geworden war, in dem sie schwere Vorwürfe gegen die Bundesbehörde erhoben hatte. Nun setzt Schmid auf die nächste Instanz. Die Staatsanwaltschaft versiegelte ihr Bremer Büro, um Beweise sicherstellen zu können. Schmid gilt als Zeugin.

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Rubriklistenbild: © dpa / Bodo Marks

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